Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 35 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitgliederversammlung d. L. d. l. R. D.: Referat Vogelslein 35 und Entwicklung festgelegt. Darin liegt die buchende Bedeutung unserer Frankfurter Tagung vorn 2. September 1912 und darin auch de'rbleibende Wert der Posener liberalen Tagung vorn . Oktober 1912 — so viel auch gegen sie eingewendet werden kann — daß die Vereinigung für das liberale Judentum sich auf, diese religiöse^Grundlage gestellt hat. Gewiß, es sind damals nicht alle Blütenträume gereift, manches unerfüllt geblieben, was wir für. dringend erforderlich erachten, und der Krieg, und was ihm gefolgt ist, hat eine fruchtbare Weiterarbeit ins Stocken gebracht. . . Aber nichts wäre verfehlter als schmollend abseits, zu stehen. Wir liberalen Rabbiner haben zuvörderst eine sehr wichtige Aufgabe: Die religiösen Grundlagen und Forderungen des Liberalismus, deren Richtlinien wir vor 9 Jahren., aufgestellt haben, theologisch wissenschaftlich zu bearbeiten und sie in populär- | lvifsenschaftlicher Form dem deutschen Judentum zugänglich zu machen. So allein werden wir uns einen religiös orientierten und religiös fundierten, seiner selbst klar bewußten, Liberalismus heranziehen, so allein es erwirke»,, daß wir nicht Offiziere ohne Soldaten bleiben, so allein das erreichen, daß nicht sogenannte Liberale eine konservative oder indifferente Gemeindepolitik betreiben, sondern daß. unsere liberale Ueberzeugung, die nach unserer Meinung für die Zukunft des deutschen Judentums bestimmend sein muß, in den Gemeinden wirksame Vertretung, findet. An dieser wissenschaftlichen Arbeit muß aber jeder' -liberale Rabbiner, der dazu befähigt ..ist, Mitarbeiten. Daraus aber ergibt sich auch für uns liberale Rabbiner die ^Anerkennung der Notwendigkeit einer, um das übliche. Wort zu gebrauchen, liberalen Laienorganisation, .also der Vereinigung für das liberale Judentum, daraus die Notwendigkeit, ln dieser Organisation tatkräftig mitzuarbeiten und durch unsere. Mitarbeit unfern Einfluß — .nicht in unserem persönlichen — sondern im sachlichen . Interesse zu stärken. Denn es genügt nicht, daß eine Anzahl von „Laien" liberal denkt, wir müssen vielmehr verlangen, daß. die liberale .Auffassung mehrmals bisher zur Geltung gebracht und dem religiösen Empfinden der Liberalen in, den Gemeinden Rechnung getragen.. wird . — selbstverständlich für uns Liberale, daß dies unter Achtung der abweichenden Anschauungen geschieht. Sonst kommt wieder die überaus verderbliche Meinung auf, daß das „eigentliche" oder „richtige" Judentum lediglich das konservative ist und das liberale nur das schlechtere. Zur Befestigung und Vertretung der liberalen Anschauungen bedarf es unbedingt der Organisation. Aber in dem eben Gesagten ist bereits angedeutet, daß diese Organisation nicht Mur. die religiösen Ideen zu detonen, sondern ihnen auch durch ihre gemeindepolitische Tätigkeit Geltung zu verschaffen hat. lind hier scheiden sich die Wege der Vereinigung liberaler Rabbiner von der Vereinigung für das liberale Judentum^ Wir Rabbiner haben es lediglich mit der religiösen Seite und mit den religiöser? Interessen zu tun. Ansere gemeinsame Arbeit mit der Vereinigung für das liberale Judentum geht hierüber nicht, hinaus, und auf diesem Gebiete wollen und müssen wir die Führung für uns in Anspruch nehmen. Was die Vereinigung für das liberale Judentum auf gemeindepolitischem und auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung anstrebt und leistet, das ' liegt außerhalb des Kreises der Tätigkeit der liberalen Rabbiner. Wir müssen vielmehr mit allem Nachdruck die Selbständigkeit und Unabhängigkeit ' unserer Vereinigung liberaler Rabbiner von der Vereinigung für das liberale Judentum betonen. Diese ablehnende Haltung gegenüber aller P.olitik gilt auch für ein spezielles Gebiet, das ich der Vollständigkeit halber nur kurz erwähne, weil diese Frage noch in den späterem Referaten. behandelt wird, dem Zionismus gegenüber. Wie jeder einzelne von uns, sich zum Zionismus und Nationaljudentum stellen mag, ist seine Sache— ich persönlich. lehne Zionismus und Nationaljudentum entschieden ab, weil sie dem Judentum ein falsches Ziel stellen und es auf einen falschen Weg weisen —. aber wir müssen unumwunden anerkennen, daß das Bekenntnis zum Zionismus mit den. religiösen Anschauungen des jüdischen Liberalismus an sich durchaus vereinbar ist. Unsere Vereinigung, die lediglich religiöse Bestrebungen hat, steht darum dem Zionismus neutral gegenüber, so weit er nicht das Religiöse leugnet oder bekämpft.: - Zusammensassend betone ich nochmals: 1. Unsere lediglich religiöse Einstellung.