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Liberales Judentum · 1921-04-01 · Heft 4-6 (April 1921) · p. Seite 34

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 4-6 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 34 (sequence 18)
Language
German
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34- Mitgliederversammlun g d. V. d. l. R. D.: Referat Vogelstein teressant und erfreulich zu sehen, .wie diese jungen Menschen mit den Fragen ringen, erfreulich auch dann, wenn wir sie in diesem Ringen gelegentlich fehl greifen sehen. Dieser religiös interessierten, ja durstigen Jugend müssen wir das Judentum so, wie wir es erfassen, d. h. in liberaler Anschauung .geben. Daraus folgt, daß wir die Begründung/ von ILI's nach Möglichkeit fördern und in ihnen tatkräftig mit arbeiten und ihre Arbeit unterstützen müssen in dem Sinne, wie Salzberger ausgeführt hat, d. h. nicht die Leitung in der Hand haben, sondern beratend ‘ und helfend, geistig und religiös anregend wirken. Wir müssen ihnen Vorträge halten und, was noch viel wichtiger ist als Einzelvorträge, Kurse, in denen die Mitglieder selbst zur Mitarbeit herangezogen werden, geeignete Bücher zu selbständiger Arbeit in kleinen Arbeitsgemeinschaften empfehlen und die Tätigkeit dieser Arbeitsgemeinschaften beratend fördern. Wir müssen auch, so weit wir cs ermöglichen können, außerhalb unserer Gemeinde uns den Ilis zur Verfügung stellen. Sehr wertvoll und wichtig ist ferner unsere Mitarbeit an den Iliblättern. Gerade hier kann der liberale Rabbiner für das rechte Verständnis des Judentums und seiner religiösen Entwicklung viel wirken.' ' Es ist freilich zuzugeben, daß die Begründung eines Ili aus lokalen Rücksichten da und dort nicht möglich und nicht zweckmäßig ist. Wir sollen und wollen keineswegs in den Fehler verfallen, der von führenden Mitgliedern anderer Richtungen und Parteien oft gemacht wird, die das Parteiinteresse über das allgemeine stellen. Wir liberalen Rabbiner wollen niemals vergessen, daß wir nicht Parteirabbiner, sondern auch in den Gemeinden, in denen neben uns ein konservativer Gemeinderabbiner amtiert, Rabbiner der ganzen Gemeinde sind. Aber auch dort, wo wir in den neutralenIugendvereinen Mitarbeiten, werden wir es uns, ohne etwa Propaganda zu machen, angelegen sein lassen müssen, die liberalen Elemente in der Jugend zwanglos um uns zu sammeln und in kleineren Gruppen und Arbeitsgemeinschaften die religiös liberalen Anschauungen zu klären und zu befestigen.^ Komplizierter ist das Verhältnis der Ver- . einigung liberaler Rabbiner zur Vereinigung für das liberale Judentum. Es sind in der gestrigen Delegiertenversammlung der /Bereinigung für das liberale Judentum manche Klagen von unseren Kollegen ausgesprochen worden, und' es kann nicht geleugnet werden/ daß manche /dieser Klagen berechtigt /sind/ Tatsache ist, daß auf beiden Seiten gesündigt worden ist. Aber Rekriminationen haben wenig Zweck, Klage um Vergangenes ist/nach jenem sehr wahren talmudischen Wort ein eitles Gebet. 'Die Mängel der Vergangenheit haben zum großen Teil ihren Grund in eiNer teilweisen^ Verkennung. der speziellen Ausgaben der beiden Vereinigungen, sowie in den Nachwirkungen des Rationalismus und in der leidigen Verquickung von religiösem, politischem und Verwaltungsliberalismüs. Ich brauche hier nicht zu wiederholen, daß der politische und der Verwaltungsliberalismus in den -jüdischen Gemeinden den religiösere Liberalismus wiederholt schmählich im Sticht gelassen hat, daß die sogen, liberalen Gemeindeverwaltungen und die führenden liberalen Männer in ihnen häufig gar nicht religiös. liberal» sondern mehr oder weniger indifferent Waren und den Liberalismus lediglich als eine Bewegung zur Beseitigung von religiösen Formen angesehen haben.' Religiöser Liberalismus aber ist nicht etwas derartig Negatives, sondern etwas sehr Positives, Schöpferisches und Ausbauendes.' Das ist es, was wir Rabbiner vertreten. Bei Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum ist die Absicht gewesen, diesem echten Liberalismus wieder Boden zu schaffen und das Verständnis für . ihn zu wecken.' Aus diesem Bestreben heraus hat die Nürnberger Tagung 1910 die Forderung erhoben, ein Programm oder zunächst wenigstens Richtlinien zu einem solchen , für das liberale Judentum aufzustellen. Es ist damals im Laufe dev Arbeiten namentlich durch Seligmanns geschicktes Vorgehen gelungen, diese in eminentem Sinne theologische Arbeit durch die liberalen Rabbiner leisten zu 'lassen. Diese Richtlinien Haben uns liberalen . Rabbinern nichts Neues gesagt, konnten und wollten esauch nicht. Sie Haben viel-I mehr nur unsere auf wissenschaftlich theologischer Grundlage beruhende Ueberzeugung als' die liberale Auffassung des Judentums hingestellt und die beiden Angelpunkte des religiösen Liberalismus, die Begriffe Offenbarung'

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