Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 4-6 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 33 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitgliederversammlung d. S. d. l. R. D.: Referat Vogelstein 33 Feiertage sind uns auch für den Alltag wertvoll und ihre Absicht ist aufden Alltag gerichtet. . der die Gedanken, die sie anregen, in die Wirklichkeit übersetzen soll. So auch hier. Dienemann hat in vortrefflicher Weise die Bedeutung des Irrationalen für das religiöse- Leben dargelegt und mit Recht auf die Verheerungen hingewiesen, die der überwuchernde Rationalismus vergangener Zeit namentlich in den liberalen jüdischen Kreisen angerichtet Hab. (Ls ist unsere, der liberalen Rabbiner, Aufgabe, das religiöse Empfinden zu wecken und wach zu erhalten und die Wege "zu suchen ' und die Einrichtungen nutzbar zu machen, die zur Erreichung dieses Zieles geeignet sind. Dabei ist es ein Irrtum, wenn von l eiüem ' SRndf nach rechts gesprochen wird. 'Die Vertiefung des relgiösen Empfindnngs- -lebens haben wir stets' als unsere Aufgabe angesehen. Nur müssen wir immer nachdrücklicher darauf dringen, daß politischer u n d V e r w a l t u n g s l i b e - r a l i s m u s auf d e r eine n rr n d Jndifferentis m u s auf veränderen Seite nicht mit religiösemi Liberalismus identifiziert wird, daß vielmehr unser Liberalismus religiös fundiert ist und sich religiös auswirkt. Religi öser sein che ißt aber nicht etwa weniger l i b e r a l sei n. Wir können das Judentum nicht anders als liberal erfassen. Uns ist Liberalismus nicht Subtraktion Mo u dem besseren Judentum der Orthodoxie, sondern die Form, in der wir die Religion fruchtbar< machen wollen. 34V dankenswertester Weise gezeigt hat -Salzberger, wie wir unsere Aufgabe der Jugend gegenüber zu -erfüllen" haben, mit bollern Recht betont,, daß der Rabbiner jung, d. h. in lebendigster Fühlung mit der Jugend bleiben und sich das Verständnis für die Gedankenwelt und die. Bestrebungen der Jugend bewahren, daß er überall dabei sein muß, wo -sich jüdisches Leben in der . Jugend regt, daß er aber nicht in den Fehler verfallen darf, überall selbst die Leitung haben > zu wollen. Da sind es in erstes Reihe unsere jüdisch-liberalen Iugendvereine, in denen sich ein fruchtbares Arbeitsfeld bietet. Gerade das muß unsere Aufgabe sein, dem reliiösen Verlangen und Interesse dieser Irrend gerecht zu werden, sie nicht kerurtnislos in dem gemeindepolitischen Sinne in Parteiungen hineinziehen zu lassen, sondern ihr Las Judentum, wie es uns als Ueberzeugung lebt, lebendig zu machen. Der Sinn und Zweck der jüdisch-liberalen Iugendvereine ist gerade die Belebung des religiösen Be-' wußtseins. Dieser Aufgabe können sie besser gerecht werden als die neutralen Iugendvereine, weil diese oft die Jugend verschiedener' religiösen Richtungen in sich vereinen, unddie gebotene Rücksichtnahme auf den religiösen Standpunkt der anderen die starke Betonung des religiösen Moments leicht verhindert. And es muß uns besonders daran gelegen sein, eine Jugend heranzuziehen, die in unserem Sinne jüdisch religiös ist. - Es machen sich jetzt mehrfach Stimmen geltend, die die Vertretung einer bestimmten Richtung verwerfen und nur das allgemein Jüdische betont sehen wollen. Das klingt sehr schön und erklärt sich aus der Parteizerissenheit und aus den teilweise recht gehässigen Formen, die die Parteikämpfe im Judentum angenommen haben. Ilnd doch ist es falsch, weiles unmöglich ist. Das ist unbedingt richtig, daß es nicht auf die Erziehung der Jugend zu Parteimenschen, nicht auf parteipolitische Agitation abgesehen sein darf, daß vielmehr das wichtigste Erfordernis ist, der Jugend durch Kenntnisse und auf Wissen gegründetes Verständnis die Möglichkeit zu geben, sich ihren Standpunkt zu wählen und ihn dann mit Klarheit und Bestimmtheit zü vertreten. Aber man darf zweierlei nicht vergessen: Gerade in der Gärung und .dem Schwanken der Gegenwart, gerade bei der Erstarkung des religiösen Gefühlslebens bedarf unsere Jugend sicherer Führung, damit'sie nicht den Gefahren erliege, die eine Zeit starker Betonung des Gefühls durch rationalistische und nationalistische Ueberspannung leicht mit sich bringt. Wie ernst diese Gefahren auch speziell für das religiöse Leben des Judentums sind, ^dafür genügt der Hinweis auf die Zeit der Romantik. Und zweitens: wir haben es in unseren Iugendvereinen nicht mit der Schuljugend zu tun, ja nicht einmal vorzugsweise mit der soeben schulentlassenen Jugend, sondern wir haben mitten, im Leben stehende junge Männer und Mädchen, die in den Iugendvereinen Klarheit über das Judentum und ihre Stellung dazu gewinnen wollen. Es ist außerordentlich in-