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Liberales Judentum · 1921-04-01 · Heft 4-6 (April 1921) · p. Seite 20

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Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 4-6 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Verlauf und Ergebnisse der erweiterten Vorstandssitzung d. Vf. d l. in Deutschland ll liberalem Standpunkt steht, kann auch bei uns Platz finden. Ansätze ^zu einer günstigen Entwickelung unserer Sache sind also gegeben. Um so bedauelcher ist es,-daß lediglich die gemeinste Geldnot uns daran hindert, die Situation auszunutzen. Die Vereinigung ist am Ende ihrer Mittel angelangt. Schon mußten wir das Erscheinen unserer Zeitschrift nahezu einstellen und damit das Organ, durch welches wir mit der jüdischen Öffentlichkeit verbunden sind, immer mehr unterbinden. Nur ein radikales Hilfsmittel kann helfen. Wir müssen vorbehaltlich der Genehmigung der noch in diesem Jahr zu berufenden Generalversammlung die Beiträge sofort erhöhen; vor allem müssen wir einen Grundstock schaffen, aus dem wir die dringendsten augenblicklichen Ausgaben lösen können: die Schaffung eines großen liberalen Presseorgans und Anstellung einer hauptamtlichen Kraft, wie es früher der Generalsekretär gewesen ist. Ueber die Macht der Propaganda auf dem Pressewege und im mündlichen Verkehr brauche ich kein Wort zu verlieren. Sie liegt klar am Tage. Ich habe kürzlich Ln Köln in öffentlicher Versammlung erklärt: „Es gibt nur wenige unserer Gesinnungsgenossen, die sich nicht hier und da einen Theaterabend leisten und hierfür Mk. 30 bis Mk. 70 ausgeben, oft aber auch noch mehr. Würde ich nur die Ausgabe eines solchen Theaterabends als Jahresbeitrag fordern, d. h. als Opfer für die eigene Sache, so würde man mich für einen Utopisten halten. Damals begegnete mein Pessimismus lebhaftem Widerspruch. Ich schlage vor, den Versuch zu machen. Wir wollen unseren Ortsgruppen auferlegen, eine einmalige Beisteuer von nur Mk. 25.— von jedem Mitglied einzuziehen. Wir Haben heute ohne die Iugendvereine über 7000 Mitglieder. Ist es nicht möglich, von ihnen dieses einmalige winzige Opfer herbeizubringen, dann allerdings ist diese Orga«, nisation. reif zum Untergang. Wir brauchen, nicht nur ein Bekenntnis, sondern auch ein Opfer für unsere Sache. Ich habe die bestimmte Erwartung, daß der neue Geist der Verinnerlichung, das jüdische Gemeinschaftsgefühl und die Liebe zur Sache unseren Mitgliedern den Weg weisen wird, den sie im Interesse des deutschen Judentums zu gehen haben. Referat Seligmann, Franfutt a. M. Die Zeitschrift „Liberales Judentum" ist das Organ der Vereinigung. In diesem Worte „Organ" liegt die ganze schwerwiegende Bedeutung der Zeitschrift bereits stillschwelgend ausgeprochen. Das Organ ist Träger und Mittler der Lebensfunktion.. Würde darum der Plan, der im Antrag der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine und des liberalen Vereins der Synagogengemeinde zu Breslau zutage tritt und der ein Aufgehen der Monatsschrift in eine überhaupt noch nicht existierende allwöchentlich erscheinende-jüdisch-liberale Zeitung propagiert, zur Wirklichkeit werden, so wäre das nichts ge-, ringeres als eine Bankerotterklärung der Ver- . einigung selber. Die Zeitschrift ist mit der Vereinigung auf Gedeih und Verderben verbunden. Sie trägt nicht nur ihren Namen, sondern ist für die Mitglieder selbst wie für die Außenstehenden, für Deutschland wie für das Ausland, Lebensausweis, Sinnbild, Zeugnis, Fahne der Vereinigung. Niemand könne die schweren augenblicklichen Mängel der Monatsschrift tiefer und schwerer empfinden als er selbst. Es frage sich aber vor allen Dingen: Ist das Organ schuld an dem Zustand der Vereinigung oder ist die Vereinigung schuld an dem Zustand der Zeitschrift?^ Von allem Anfang an litt die Zeitschrift an der im Wesen der Vereinigung liegenden^ Divergenz zwischen Bedürfnissen, Anschauungen und Forderungen der Rabbiner und der Laien. Die Wünsche der Laien und ihre Erwartungen, im besonderen der Einfluß der Laien innerhalb der Redaktionskommission waren ein Hemmschuh fük die Beteiligung der Theologen. Und umgekehrt die für den Laien oft allzu theoretischen, wissenschaftlichen Aufsätze der Theologen standen der Popularität der Monatsschrift offensichtlich im Wege. Die Fernhaltung alles' Politischen, alles nur für den Tag bestimmten, ertöteten das Interesse der großen Masse. Das sind Schwierigkeiten, die in der Sache selbst liegen, die aber zweifellos zu einer Entscheidung drängen. Dazu kommen seit der Kriegszeit und insbesondere seit der ungeheuren Verteuerung des Zeitungswesens die -finanziellen Hemmungen, die dazu führten, daß die Zeitschrift nur alle zwei Monate und in allerletzter Zeit ganz unregelmäßig er-

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