Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3126481-3126607-3126608--2631-3129492- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S Rabbiner Dr. Dienemann-Gffenbach a. M.: Neue Wege der Theologie das die dieser fehlenden Voraussetzungen einer nationalen Entwicklung in sich vereinigt, eine Kuelle dauernder Befruchtung,'dann ist auch sie vollkommen sicher gestellt, und es fragt sich'alsdann nur, ob sie die religiöse Richtung vollständig überwuchert oder ob es, was ich glaube, zur vollständigen Trennung kommt. So hangen das Palästinaproblem und das Problem der nationalen Minderheit in Deutschland eng und unauflöslich miteinander zusammen. Dieses ist ohne jenes im zionistischen Sinne garnicht lösbar, die Lösung jenes aber bedeutet gleichzeitig die Lösung des anderen. Daraus ergibt sich für uns ganz klar unsere Stellung zur palästinafrage: soweit es sich nur um die Ansiedlung solcher Glaubensgenossen, denen das verbleiben in ihrer Heimat unmöglich ist, handelt, kommt Palästina nach Maßgabe seiner wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten an und für sich ebenso in Betracht wie jedes andere Land. Aber unmöglich ist für uns die Mitarbeit an einer sogenannten Kolonisation, die von einem Teil der Kolonisierenden dazu benutzt wird, in Palästina jenen nationalen jüdischen Mittelpunkt zu schaffen, von dem aus die die religiöse Reinheit unseres liberalen Judentums erstickende nationale Bewegung die Welt erobern soll. Nur der Verzicht auf jegliche zionistische Bestrebung in Palästina iann uns die Mitarbeit an der dortigen Kolonisation ermöglichen. Niemand wird den Zionisten einen Vorwurf daraus machen, daß sie das nicht tun. Aber ebenso müssen auch wir an unseren Grundsätzen festhalten, und ohne deren äußerste Gefährdung ist ein Zusammenarbeiten mit den Zionisten in Palästina, unter Verzicht auf jene Voraussetzung nicht möglich. Es ist nun eine Utopie za glauben, daß sich diese Verhältnisse durch den starken Einfluß wesentlich ändern, . den im Zionismus augenblicklich die Brandeissche, nur auf rein wirtschaftliche und administrative Arbeit in Palästina eingestellte Richtung, hat. Solange sie in der zionistischen Organisation arbeitet^ leistet sie nur Vorspanndienste für den nationalen Zionismus. Denn kann es wohl zweifelhaft sein, welche Richtung im Zionismus die andere schließlich überwinden wird: Der rein praktische, spezifisch zionistische gev» . füge werte gänzlich entbehrende Brandeissche oder der von starker geistiger Kraft und nationaler Begeisterung getragene deutsche' Zionismus? Ich schätze den nationalen Zionismus-, so herzlich unsympathisch er mir ist, viel, zu hoch ein, um einen Augenblick daran zu zweifeln, daß der amerikanische Zionismus^ wenn er in der Organisation bleibt, schließlich in ihm aufgehen wird. Nein, es bleibt dabei: jede Zusammenarbeit mit den Zionisten in Palästina hilft nur mit, die Grundmauern des nationalen Baus zu errichten und ist daher abzulehnen, solange nicht die oben genannte Voraussetzung gegeben ist. Also, jedes Kompromiß inbezug auf Palästina ist nur geeignet, die Zionisten bei der" Fundamentierung ihres Baus zu unterstützen , und daher hohe werte des liberalen Iudentums zu gefährden, wollen wir versuchen, .im Kampf mit dem Zionismus ihm da, wo.er die ostjüdische Not für seine Zwecke ausnutzt^ den wind aus den Segeln zu nehmen, so gibt es nur einen Weg dazu: eineigenes Kolonisationswerk, das bewußt und konsequent die Zusammenarbeit mit der zionistischen Palästina-Arbeit ab lehnt und sich von allen Bestrebungen fernhält, die' die Not der Ostjuden zur Verfolgung vergänglicher nationaler Bestrebungen auf Kosten der ewigen religiösen werte des Judentums ausnutzen. So können die liberalen, Juden der Welt an der Hilfe für ihre bedrängten ostjüdischen Glaubensgenossen Mitarbeiten, ohnegleichzeitig ihr liberales Judentum zu verraten! Neue Mege äer Ideologie. Von Rabbiner Dr. Dienemann-Gffenbach a.M. on der protestantischen Theologie ist dabei zunächst die Rede. Denn einen neuen weg oder richtiger die wiederen'deckung eines lange nicht gegangenen Weges bedeutet das Buch des Marburger Theologen Rudolf Otto „Das Heilige".*) Ziel und Inhalt des Buches i) Das Heilige, lieber das Irrationale in dev Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen von Prof. Rudolf Otto.. Breslau, Trewendt: und .Gramer 1929. 5. Ausl. 256 S. br. M 29, geh- Jk 26. (Demnächst erscheint die sechste Auflage.) 1 \