Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Arthur Lilienthal-Berlin: Die Palästinafrage ein Kernproblem des Zionismus 7 Die Gründung der Gesamtorganisation undenkbar; sie ist zu einem großen Stück Geist von seinem Geist. Freilich wird das neue Werk ihn vor neue Aufgaben stellen. Es wurde zu weit führen, sie auch nur andeutungsweise hier zu erörtern, aber es darf der Hoffnung Raum gegeben , werden, daß die liberalen Juden Deutschlands auch in Zukunft sich ihren Aufgaben gerecht erweisen werden. :<Es ist gelegentlich bezweifelt worden, ob in dem' Augenblick, in dem das Vaterland vom schwersten Schicksal betroffen und in dem das Judentum. Gegenstand unerhörtester Angriffe ist, der ' rechte Moment gegeben fei, ein neues Werk, wie das der Gesamtorganisatiön zu schaffen, das allein schon zu seinem äußeren Aufbau Kräfte und Geldmittel, an denen es uns an allen Ecken und Enden fehlt, in starkem Maße benötigt. Diese Be-, denken sind nickst zu verkennen, aber sie erscheinen nicht durchschlagend. Gerade in den Zeiten des Niedergangs ist es geboten, zweckmäßige Formen für die gemeinsame Arbeit des Tages zu finden und hoffnungsfreudig sich für die Aufgaben zu wappnen, die in anderen glücklicheren Zeiten zu erfüllen sind, wie das gesamte deutsche Judentum, so soll auch der jüdische Liberalismus die neue Schöpfung nicht in Resignation, sondern mit dem freudigen willen zu schöpferischer Mitarbeit begrüßen. Oie palästinafrage ein Kernproblem äes 2oni5mu5! Von Arthur Lilienthal-Berlin. n der Dezember-Nummer der Monatsschrift „Liberales Judentum" spricht Herr 'jDr. Breslauer über unsre Stellung zu den verschiedenen Strömungen im Zionismus. Mit vielem, was er sagt, stimme ich überein, aber gegen einiges habe ich Bedenken, besonders gegen folgende Sätze: „Gb dieser Weg (der Ansiedlung der in ihren Heimatländern unterdrückten Juden) gerade nach Palästina führen und ob die dort wohnenden oder dorchin auswandernden Juden sich in staatlichen Formen zusammenschließen sollen, sind wesentlich praktische Fragen. Man kann sich von den palästinensischen Bestrebungen fern halten, ihnen zweifelnd und verneinend gegenüberstehen und braucht um deswillen noch kein Antizionist zu fein." Zn diesen Worten scheint mir eine Verkennung der grundsätzlichen Bedeutung der Palästina-Frage zu liegen. Herr Dr. Breslauer sieht die Gefahr des Zionismus offenbar int wesentlichen in seinen Bestrebungen für die deutschen Verhältnisse, in.seiner Innenarbeit. von seiner Außenarbeit scheint er anzunehmen, daß sie unsere Interessen wenig berührt. Ich halte das für eine ganz falsche Einstellung zum Zionismus. Der nationale Zionismus, mit dem wir vorläufig zu rechnen haben, ist nicht nur, wie Herr Dr. Breslauer meint, „groß in der Verneinung", sondern unbestreitbar eine, starke, fest wurzelnde, rin hervorragendem Maße auf nationale und kulturelle positive geistige Arbeit gerichtete Bewegung. Darin liegt ja gerade seine Gefahr, daß er seine Anhänger zu einer ganz bestimmten, auf Hervorbringen positiver geistiger und wirtschaftlicher werte gerichteten, nach unserer Meinung allerdings für das Judentum höchst verderblichen Geistesrichtung erzieht. Daß wir die werte, die er schafft, für ungesund und dem Judentum nutzlos halten, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie da sind oder wenigstens bewußt erstrebt werden. Diese nationale Erziehungsarbeit ist aber ans die Dauer unmöglich, wenn die jüdische „Nation" vollkommen in der Luft schwebt. Das jüdische Volk braucht vom zionistischen Standpunkt aus wie jedes andere Volk ein geschlossenes Siedlungsgebiet, auf dem. es sich in seiner völkischen Eigenart ausleben kann. Das ist nicht nur eine viel gebrauchte zugkräftige Phrase, sondern tatsächlich ein Kernproblem des Zionismus. Ich halte es für undenkbar, daß in den meisten Diasporaländern bei der Zerstreutheit der Juden unter andere nationale Elemente und dem daher nicht zu überwindenden Mangel an wirklich engem nationalem Zusammenleben sich auf die Dauer eine auf einheitliche Volks- und Mafsenstimmung eingestellte nationale Bewegung erhalten kann, — wenn sie nicht von einem jüdischen „nationalen Heimwesen" aus Nahrung erhält. Findet die nationale Diasxorabewegung an einem Lände,