Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 13 (1921)
- Issue
- Heft 1 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t o Eduard Baerwald-Frankfurt a. M.: Die Gesamtorganisation der deutschen Juden § und wirksam sicher gestellt ist. wir wollen für das Judentum opferwillig sein, jedoch nicht für die völkische Politik des Zionismus. Ader der gemeinsame Gedanke, der trotz aller Gegensätze Zionismus und Liberalismus hier verbindet, ist nach meiner Meinung stark genug, um auch einer gemeinsamen Arbeit für das gemeinsame Ziel einen Weg zu bahnen. Zuletzt steht ja ein großer Teil der Zionisten in ihren religiösen Anschauungen auf dem Boden des Liberalismus und nicht der Orthodoxie, und in Amerika sind sogar hervorragende Vertreter der Reform im Zudentüm aus jenen religiösen Erwartungen auf die Zukunft heraus eifrige Förderer des> Zionismus geworden. Zn jedem Falle muß auch diesen Grenzgebietfragen gegenüber immer wieder betoM werden: der jüdische Liberalismus ist eine ausschließlich religiöse Bewegung, er hat nichts mit politischen und völkischen Strömungen zu tun, und wenn dem entgegenzustehen scheint, daß zu fernem pto? gramm auch die pflege vaterländischer Gesinnung gehört, so fließt diese Förderung gleichfalls aus einem religiös e n Gedankengang heraus, daß das Staatsgesetz sogar nach talmudischer Lehre die Kraft eines Religionsgesetzes besitzt,'Und daß wir in diesem talmudischen Grundsatz einen der typischsten Ausdrücke unseres Grundgedankens von der Entwicklung auch auf religiösem Gebiete wiederfinden, Von diesen religiösen Gesichtspunkten aus hat jeder liberale Jude heutzutage zu den bewegenden Fragen des Zudentums Stellung zu nehmen. Wie es im Einzelnen geschieht, wird vielfach variieren, weil zahlreiche und häufige Nebenmomente mitsxrechen werden. Grundsätzlich aber ist die Haltung des Liberalismus ganz eindeutige Seine Parole lautet: Religion, nicht Politik! Vie 6esamtorganisatic>n der deutschen Juden. Von Rechtsanwalt Dr. Eduard Baerwald-Frankfurt a M. llen Zweiflern zum Trotz ist am 25. Januar die Grundlage für die langerstrebte Zusammenfassung des deutschen Judentums geschaffen worden. Die namentlich von dem Vorsitzenden des deutsch-israeliäschen Gemeindebundes Professor Dr. Kalischer und von dem hochverdienten General-Referenten Dr. Zsmar Freund in jahrelanger Arbeit aufgewendete Mühe ist schließlich von Erfolg gekrönt gewesen, weil der Wille der in Berlin versammelten zu einer Einigung zu gelangen, m einer, schließlich doch überraschenden und imponierenden Einmütigkeit alle Hindernisse überwunden hat. lieber die Notwendigkeit der Gesamtorganisation bestand bei keinem von den Hunderten Delegierten der jüdischen Gemeinden Deutschlands, die sich im Berliner Logenhaus zusammen gefunden hatten, ein Zweifel; die Zustimmung des Liberalismus zu den Grundgedanken des Entwurfs brachte, am Sch; he der Generaldiskussion denn auch der Vorsitzende der liberalen Vereinigung, Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, in eindrucksvollen Worten zum Ausdruck. Die eigentlichen Schwierigkeiten ergaben sich erst bei der Spezialdiskussion. Es wurde lange. darüber verhandelt, ob man die, von der Berliner Gemeinde vorgefchlagene Fassung des 8 l: „der Bund bezweckt die Zusammenfassung aller Kräfte im Deutschen ZUdentum zur pflege seiner gesamten Znteressen" annehmen oder ob man sich für dern Entwurf entscheiden solle, der als Zweck des Bundes die Zusammenfassung aller Kräfte im Deutschen Zudenturn zur pflege der gesamten jüdischen Znteressen bezeichnet. Gegen den schließlich zur Annahme gelangten Berliner Vorschlag wehrten sich vor allem die Zionisten. Mir will scheinen, als ob Bedeutung der Frage überschätzt werde. Wie der Bund arbeiten wird, hängt schließlich weniger von irgend einem Wort in der Satzung, als von dem Geist ab, der den Bundestag beherrschen wird, und selbst wenn die Mehrheit sich für die von den Zionisten vorgeschlagene Fassung entschieden hätte, so würden die praktischen Forderungen des Tages es wohl noch auf lange hinaus nicht zu Wege bringen, daß der neue Gemeindebund feine Aufgabe in der Erledigung der Palästina - Arbeit sieht. Schwerwiegender war die Frage, in wie weit die Satzung der Autonomie der ein*