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Liberales Judentum · 1921-03-01 · Heft 1 (März 1921) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
13 (1921)
Issue
Heft 1 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Dr. Max ^reudenchal: Religion, nicht Politik tmx ist als die von liberaler Seite. Denn Zn ihm reagiert Herz und Gemüt aufs schärfste -gegen Dogmatik-und Kasuistik. Wichtiger als <Sie A usfchließung der Ostjuden im Inlande ist darum ihre Erziehung, für die ihre guten Eigenschaften ebenso dankbare ObzÄte abgeben wie ihre schlechten. Man kann es regelmäßig verfolgen, wie die zweite Generation der Lingewanderten sich in jeder weise assimiliert, sowohl nach der günstigen« wie nach der häßlichen Seite hin. Diesem Prozeß sollten die Einheimischen nicht unbekümmert Zusehen. Hier gilt es nach dem eilten Wort „Seelen zu gewinnen".! Die starke Religiosität der Eltern darf nicht in die Interessenlosigkeit der Jungen übergehen, das rege jüdische. Gemeinschaftsgefühl muß für die Gemeinden nutzbar gemacht, die aufopfernde Wohltätigkeit, die ins unendlich Kleine geht, auch zu den großen Aufgaben herangezogen, der scharfe Verstand und die reichen religiösen Kenntnisse davor bewahrt werden, dem Materialismus und Radikalismus auch in Gj l a u b e n s f a ch e n zum Opfer zu fallen. Orthodoxie und Liberalismus haben das gleiche Interesse daran, hierauf ein wachsames Auge zu haben und auch deN religiösen Ouell lebendig zu erhallen, der aus dem großen Reservoir des Ostjüdentums abflkeßt, zumal der Zionismus ihm nicht das religiöse, sondern nur das jüdische Bewußtsein stärkt. Die erste Forderung aller Erziehung aber Lautet: Anziehen, nicht abstoßen! wer Politik treibt, kann, den Ostjuden als seinesgleichen ablehnen, wer die Religion vertritt, gleichviel welcher Richtung auch immer, und in ihr das einigende, allumfassende Band erblickt, kann in ihm den Bruder nicht zurückweisen. Grundsätzlich huldigt unser Liberalismus der Religion.und nicht der Politik! Auch dem Zionismus gegenüber betont der Liberalismus diesen Grundsatz aufs schärfste und dehnt ihn noch weiter aus, indem er erklärt: das ganze Judentum ist und bleibt überhaupt Religion und nicht Politik. Vom politischen, nationalen, völkischen Standpunkt aus lehnen wir darum den Zionismus ab; aber am r e l i g i ö s e n Moment, das darin enthalten ist, können wir nicht vorübergehen und dieses religiöse Moment heißt: Palästina. Es ist das Land der religiösen Vergangenheit und der religiösen Zukunft. Das dürfen auch wir Liberalen bekennen, wenn wir es auch in vielem anders verstehen als die Orthodoxie. Denn wir glauben, daß, wenn ein zentrales jüdisches Leben im heiligen Lande wieder aufblühen wird, dann wie auf allen Gebieten, auch auf dem religiösen der große Gedanke der Entwicklung seine Triumphe feiern wird, dem der Liberalismus huldigt. Kein Opfertemxel mehr wird in der Zukunft erstehen auf dem geheiligten Boden, kein Telephon und Telegraph wird wegen des biblischen „Feuerverbotes" am Sabbat geschlossen werden, die Kinder werden am Festtag fröhlich spielen, ohne ängstlich zu fragen, ob das Spiel gerade erlaubt sei, und die Großen werden, wenn vielleicht auch nicht an „Pauken und Reigen", so doch an Konzert und Theater sich freuen, darin jüdische Künstler seelenruhig „musikalische Töne hervorbrrngen", ohne an eine Sabbat- oder Fefttagsentweihung zu denken. Ls zeigt sich ja jetzt schon, daß der Aufbau Palästinas nur in modernem Sinne möglich ist, und die orthodoxen Blätter geben bald in Entrüstung, bald in Bewegung dem Schmerze darüber Ausdruck, daß alles, nur kein orthodoxes Leben sich dort entwickeln will. Moderne Menschen, auch wenn es Gstjuden sind, und moderne Verhältnisse, auch wenn es die des heiligen Landes find, lassen sich nun einmal nicht in das antike Schema einzwängen. Das religiöse Leben der ZuKrnft wird eben em anderes sein als das der Vergangenheit, so wie schon das religiöse Lebender Gegenwart — auch bei der Orthodoxie — ein anderes ist wie das der Vergangenheit. Ueberall der Segen vorwärtsschreitender Entwicklung, den der Liberalismus freudig begrüßt und trotz alles Gezeters entschlossen vertritt! Darum muß er auch — gerade von seinem Standpunkt aus — für den Wiederaufbau des heiligen Landes eintreten und kann es, soweit es sich' um die geistige, soziale, religiöse, kulturelle Entwicklung dort handelt, mit voller Ueberzeugung tun, ganz gewiß, auch aus dem Humanitären Grunde, daß jetzt vielleicht die Ansiedlung zahlreicher Heimatloser dort Wirklichkeit werden kann. Mit politischen und völkischen Aspirationen dortselbst hat er natürlich keine Gemeinschaft. Religion, nicht Politik ist es, der. mir dienen wollen. An Sammlungen für das heilige Land können wir uns nur beteiligen, wenn deren ausschließliche Verwendung in unserem Sinne dauernd

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