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Liberales Judentum · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 62

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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62 BQcherschau ' Ich erwähne noch, daß es Glaubensgenossen gibt, die bedeutenden Reichtum erworben haben, aber selten einen Arbeiter oder Unternehmer etwas haben verdienen taffen, jedoch bei einem derartigen Aufträge, unbewußt einen Sonnenstrahl leuchten lassen. Geschmacklosigkeiten in bizarren Formen sind gewiß durchaus zurückzuweisen? Lin Hauxtübel dürfte darin liegen, daß Architekten, die auf anderen Gebieten tüchtiges leisten, sich berufen fühlen, Lntwürfe für Denkmäler in ausgefallenen Formen herzustellen und dem Auftraggeber etwas suggerieren, was besser unterblieb^. Dieses läßt sich vermeiden, wenn in der Prüfungs- und Genehmigungskommission praktische - und unabhängige Fachleute mit zu beraten haben. Was die Herren Friedhof-Reformer auf den Friedhöfen verurteilen, können sie wo sie gehen und stehen, mit mehr Recht und größere,n Unwillen erregt zu^. bekämpfen sich angelegen sein lassen: das Aufdringliche und protzenhafte, welches viel mehr Neid hervorruft, wie sind tausende von Menschen überkomfortabel eingerichtet, prunken mit Fantasiekleidung, sind > mit Juwelen überladen, bewohnen Dillen und Schlösser mit (0—20 Zimmern, reiten und fahren in Karossen mit Gummirädern durch die Straßen, wo Menschen in elendestem Zustande den Karren neben dem Hunde ziehen müssen um ihr Dasein zu fristen. wenn Sie, geehrter Herr Reformer, zunächst hierbei beginnen wollten und hierin Erfolge erzielt haben werden (was ich bezweifle), dann beginnen Sic auf. den Friedhöfen, die zum allergrößten Teil würdig und der pielät entsprechend find, zu andächtigem verweilen anregen und dem heutigen Kulturftand der Westjuden entsprechen. Mas Sie über die Friedhöfe und Grabsteine von Polen mitteilen, trifft nur in den abseits gelegenen Städten zu und zeichnet den dortigen Kulturzustand, wie Herr Dr. Veit zutreffend schildert. Das von Ihnen Gerühmte findet seine Begründung darin, daß keine Fachleute dort was leisten. Die dorckgen Denkmäler (Mazewos) Haben selten schöne Form, profil, Füllung oder architektonisches aufzuweisen. Die flachen .Ornamente sind so' mangelhaft Ln der Ausführung, daß man an. die ersten Anfänge des Altertums erinnert wird. Rann man etwas anderes erwarten, wenn Synagogendiener, Mazewekritzer, wie fte dort genannt werden, im Nebenamte solche Herstellen. Ich wundere mich. garnicht, wenn Sie nur Lines, nicht auch das And ere gesehen haben. Ich meine die große Verwahrlosung, die dort vorherrscht (man findet mrch bei uns. auf alten Friedhöfen ähnliches) und einen recht jammervollen Anblick bietet. Ordnungsmäßig steht selten ein Denkmal in der Reihe, meist krumm und schief, so daß. sie jeden Augenblick denen, welche umgefallen sind, nachzufolgen drohen. In welchem Zustande befinden sich erst die Grabhügel! Dieses ist wohl auf die orthodoxe Ansck?cruung zurückzuführen, daß man Grabhügel nickst erneuern, noch mit Blumen schmücken darf, die doch so wunderbar das Menschsnherz erquicken. Auf die Friedhöfe von Warschau und Lodz sind Sie nickst eingegangen. Dort findet, man ganz prachtvolle monumentale Denkmäler, z. B. der Familie posnanski, Silberstem und andere mehr. Lin trauriges Gegenstück biete'l die Grabstätte des weltbekannten Rabbi Llrjohu Meisel, die seil vielen Jahren in verwahrlostem Zustande, ohne Denkstein, liegen soll. Dafür findet man eine Menge beschriebene Wunschzettel vor. Vielleicht finden Sie, geehrter Herr Itzig, aus vorgehenden Zeilen heraus, daß man leicht Reformen vorschlagen kann, aber zwischen Theorie und praktischer Durchführung ein großer Unterschied obwaltet. Was Theorien wert oder nicht wert sind, haben wir' in den letzten Jahren zur Genüge.kennen gelernt. Büdierfchau. F r anz R o s e n z w e i g. Bildung — und kein Lnde. I. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a.^M. $20. In dieser- Lduard Strauß, dem tätigen Vorkämpfer einer lebendigen LmeuerU'.sg des Judentums, gewidmeten Schrift gibt der Verfasser aus' der Wärine .feines jüdischen. Herzens heraus die überzeugende Diagnose von der Krankheit des westlichen Judentums. Nicht Religion oder .gar Konfession ist das Judentum — am wenigsten aber Literatur, Sondern Leben. Wissen um die Vergangen-

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