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Liberales Judentum · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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BücheHchau V he-t, plane schmieden in die Zukunft hinein, sirrd 'Surrogate, vom Hauch des Toten umwittert. Genug des Büchermachens! " Es fehlt' in der emanzipierten deutschen Iudenheit eine Plattform jüdischen Gebens, auf der die bücherlose Gegenwart zu ihrem Rechte Lame. An Stelle des Gesetzes, das nur noch in der Opposition gelebt wird, an Stelle der Synagoge, die fern vom tätigen Sein zur Stätte „religiöser Erbauung" geworden, an Stelle unfruchtbarer Abwehr des Antisemitismus, die als einzig einendes Band mrs noch Zusammenhalt, an Stelle des Zionismus, der uns in unnatürliche Vaterlandslosigkeit, Entwurzelung hineinzwingen will, muß aus der Bereitschaft gottoffener, jugendlicher Herzen, aus dem. ganz leisen Ruck des Willens eine neue Lebensform erwachsen, für die es ein fertiges Rezept nicht geben kann. Das „Sprechzimmer" der jüdischen Volkshochschule sei ein erster versuch! Ein Ort, -wo Menschen sich zusammenfinden und im Gespräch mit einander, in der Öffentlichkeit derer, die das Bedürfnies empfinden, schlicht in die Tiefe ihrer jüdischen Seele hinabsteigen. Da ist jeder Schüler und Lehrer zugleich, Bonzentum und Reberlegerrheit des Neumnalrveisen ist verbannt. So mag Wunsch zum Erlebnis, Suchen zur Erfüllung werden. Jakob Rlatzkin: Hermann (Lohen. Jüdischer Verlag. Berlin preis 6 Mk. $0 Seiten. Wie alles, wqs Alanin, der scharfe Denker und glänzende Stilist, schreibt, ist auch diese Schrift, die er in dankbarer Pietät feinem großen Lehrer widmet, eigenartig, bedeutend und — zum Widerspruch herausfordernd. Hermann Lohen, der schärfste Denker unserer j)hilosophengeneration, der reinste und strengste Idealist unserer Zeit, ist in seiner bahnbrechenden Bedeutung noch so wenig in der breiteren Oeffentlichkeit und in gemeinverständlicher Weise gewürdigt worden — scheinbar geflissentlich, weil seine idealistische Philosophie reinstes Judentum ist Knd bewußt gegen das Christentum polemisiert — daß schm aus diesem Grunde jeder geistßg und jüdisch Interessierte nach deM Büchlein greifen sollte. Selbstverständlich muß die einseitig nationalistische Einstellung des Verfassers zu scharfer Auseinandersetzung mit seinem Lehrer kommen, der seine Lebensaufgabe zumteil gerade darin sah, die Verschmelzung deutschen uife jüdischen Geistes zum System zu erheben. Dw kritische Würdigung der Kla^n'schen Arktik muß einem ausführlicheren Aufsatz Vorbehalten bleiben. . Eugen höflich: Feuer im Osten. tz>2 S. 8°, br. M. 3.50, geb. Mk. \0.^. G. p. Tal u. Co. Verlag Leipzig \ty20. Wiedergeburt aus asiatischer Innerliche keit: Heraus aus Europa! Rückkehr zu den Urquellen primitiven seelenreinen menschLühen Seins. „Flüchte ich zum reinen Osten, Patr»- ärchenluft zu kosten." Zum Osten, der besudelt ward von verrotteten Zivilisationswestlertum, dessen innige Schlichtheit zitternd floh vor der Bestialität des Weltkriegs. Eines Dichters gottsuchende, weltoffene jüdische Seele zittert hange zwischen Sehnsucht, Mitleid, Abscheu und Schmerz. Formt impressionistisch vollendete Bilder ihres Erlebens zu zarten weich nachhallenden Worten. Die Weite einer' Menschheilsperspektive weht aus den mit reizvollen Initialen verzierten Blättern. Dr. Felix Singermann: Die Lippmcm»- Tauß-Synagoge. Verlag 'Louis Lamm. Berlin \*)20. Preis 8 Mk. Die Geschichte einer klemm Berliner privatsynagoge sowie die Familie und Persönlichkeit ihres bedeutendsten Rabbiners LipfckKtz. wird von dessen Nachfolger in xietawoller und wegöb des großen kulturhistorischen Rahmens allgemein interessierender weise in dieser Schrift dargestellt. Adolph Donat'h: Iudenlieder, R. Löwit Verlag. Wien ,$20. preis: o,5O Mk. Lyrische Begabung, geschickt an Heine geschult, und Wärme der Empfindung ist nWt in Zweifel zu ziehen. Aber, was entsteht, M typisch deutsche Lyrik aus Gartenlarwes Zeiten, traulich und lieb. Hineingepreßt wwd. unwahr wirkend, jüdischer'Inhalt, der Form durchcms inadäquat. Den Balladen mangetk jede Dramatik, der Lyrik die-Notwendiges' und Eigenbegabung. Menschen im Abgrund. Roman von Jakob Fingermann. 2?9 5 8*, br. R. LHwjt Verlag, Wien-Berlin.' $20. wir wissen, aüch spannende, sensatiomüe NntexhaltU77gslektüre muß gesthrieb«uwerden.

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