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Liberales Judentum · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 57

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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o o Bericht über die erweiterte Vorstandssitzung d wegung aktiv zu dienen. So sägten sich die liberalen durch die Verwässerung ihrer Jugend in neutralen Jugendvereinen den Ast ab, auf dem sie sitzen. Freilich sei es für die wirklich positiv liberal enrpfindenden Führer und für Die sich emporringende liberale Jugend schwer, eine wirklich innerjüdische Weltanschauung sich zu erringen. Im Gegensatz zu allen andern Richtungen habe es das liberale Judentum durchaus vernachlässigt, in Wort und Schrift ein auch dein Nichtfachmann verständliches theoretisches Gebäude aufzurichten. Unsere Schriften über die Bewegung des liberalen Judentums, über seine Forderungen, seien, obwohl wir schon seit Jahren Mittel dazu bewilligt hätten, noch immer ungeschrieben, und der Vorwurf treffe hier insbesondere die liberalen Rabbiner, welche, selbst wenn sie Anlaß hätten, mit der älteren Generation unzufrieden zu sein, schon um der Jugend willen diesen das Ginfühlen und Gindenken ins liberale Judentum erleichtern müßten. . Nur, wenn die hier Erschienenen die Notwendigkeit positiv liberaler Arbeit mit sich hinausnähmen und verbreiteten, nur wennman in weiten Kreisen endlich dazu übergehe, sich nicht nur 6 Wochen vor den Gemeindewahlen auf sein liberales Judentum zu besinnen, sondern daran zu arbeiten und sich damit zu beschäftigen „beim Niederlegen und beim Ausstehen, drinnen im Haus untz auf der Straße", erst dann, wenn die Gebefreudigkert der liberalen nicht gerade vor dem Liberalismus Halt mache, erst dann, wenn die liberalen Rabbiner nicht nur neutrale, sondern auch liberale Jugendvereine leiten und unterstützen, erst dann werde die. Vereinigung für das liberale Judentum wieder einem größeren Aufschwung entgegengehen. Gs folgt nun eine Generaldiskussion über die bisherigen Berichte. Rabbiner Dr. G o l d m a n n, Leipzig, schildert in ausführlichen Darlegungen den Standpunkt der liberalen Rabbiner. Diese hätten ihr Bestes in den Richtlinien gegeben, aber die Unterstützung durch die Vereinigung habe gefehlt und fehle noch heute. Dies zeige sich insbesondere bei den. Rabbinerwahlen; es sei ein ^offenes Geheimnis, daß in letzter Zeit wiederholt Rabbiner von liberalen Gemeinden deshälb nicht berufen seien, weil sie die Richt- Mien unterschrieben hätten, wo bleibe der >. Vereinig, f. d lid. Judentum in Deutschland 57 protcft der Liberalen Vereinigung, wo die Einwirkung auf die Gemeindevorstände, die doch größtenteils zu ihren Mitgliedern zählen? Infolgedessen sei auch in den besten und eifrigsten liberalen Rabbinern ein Gefühl des Verlassenseins wachgerufen, das dis ^lrbeitsfreudigkeit im Dienste der liberalen Sache nicht gerade fördere. - Rabbiner, die wirklich sich liberal betätigen, insbesondere mit der Jugend liberal arbeiten wollten, haben erbitterten Widerstand der liberalen Gemeindevertreter zu überwinden. Grft wenn wieder ein vertrauensvolleres Zusammenarbeiten zwischen Rabbiner und Gemeinde einsetze, könne die liberale Bewegung auf fruchtbarere Bahn gelenkt werden. Den Worten des Vorredners über den wert der Arbeit der liberalen Jugendvereine könne er nur vollständig beipflichten. Gs sei nicht nur eine Ehrenpflicht, sondern ein einfaches Gebot der Selbfterhaltung, wenn die liberale Vereinigung und der Liberalismus überhaupt für seinen Nachwuchs sorge. Bayer, Breslau, begründet ausführlich die in der Anlage beigefügten Anträge der Jugendvereine. Gr führt lebhaft Alage über die Teilnahmslosigkeit der Aelteren gegenüber den Bestrebungen der Jugend. Den Kampf gegen unsere inneren Gegner müßte die Jugend fast allein führen, insbesondere den Kampf auf religiösem Gebiet. Die Jugend verlange aktive Mitarbeit aller Kreise der Gemeinde an der Ausgestaltung der liberalen Probleme bn Haus, Gottesdienst, Schule und Gemeinde. Gs sei bedauerlich, daß gerade Mitglieder der liberalen Gemeindeverwaltung für den Liberalismus am wenigsten tun und vielmehr Respekt vor den Gegnern, insbesondere den Orthodoxen haben, als vor den Liberalen. Da sei es kein Wunder, wenn die Jugend den älteren Generationen kein vertrauen mehr entgegenbringe und ihre eigenen Wege ginge. Man dürfe diese Mißstimmung nicht unterschätzem Noch sei in den besten Kreisen der Jugend der lebhafte Wunsch rege, durch Verbindung der Erfahrung des Alters und des Schwanges der Jugend einem gemeinschaftlichen Ziele entgegenzuarbeiten. Wenn aber die Jugend für ihre Bestrebungen weiterhin so wenig Entgegenkommen und Würdigung 'finde, wie das bisher der Fall sei, so werde sie selbständig vorzugehen suchen.

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