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Liberales Judentum · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 52

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Dr. Walter Breslauer-Berlin: Die Nepräsentantenwahlen in der Berliner Gemeinde ZI der well festzuhalten, und aus Kämpf und Not stehst du einer neuen Zukunft Morgen tagen. Zu neuen Ufern spannen sich die Segel unserer Hoffnung. Die furchtbare Sphinx, die 6Zual des ungelösten Lebens- Esels, versinkt wesenlos vor deinem tapferen Glauben, dem neu errungenen alten Glauben deiner Väter. „Kehret um, dann weicht die Nacht." Das ist die Umkehr, die Heimkehr zu Gott, die Teschuba, die das Neujahrsfest von uns fordert: Da flüchtet aus der Erde Schranken Die Seele heimatwärts zu Dir, Du Fels im Sturme der Gedanken, Du. unsre Zuflucht für und für. Von Dir umhegt sind wir geborgen; Vergänglichkeit. Du schreckst uns nicht: Die Nacht, entweicht, es tagt der Morgen, In deinem Lichte schau'n wir Licht. Oie Kepräsentantenwadlen in äer berliner 6emeinäe. Von Dr. Walter Breslauer-Berlin. ie Vorgänge in der Berliner Gemeinde sind von großer Bedeutung für die ganze deutsche Iudenheit. was heute in Berlin vorgeht, wird morgen in so mancher größeren und mittleren deutschen Gemeinde sich in ähnlicher. Form abspielen. Zudem werden in der kommenden Gesamtorganisation der deutschen Juden die Berliner schon kraft ihrer Zahl gar oft eine entscheidende Rolle spielen. Ls wird sich deshalb ein eingehender Bericht über die Berliner Vorgänge auch in diesen Blättern rechtfertigen. Die wahlschlacht vom 20. Juni ist geschlagen. Hier das Ergebnis: Liberal - konservativer Block: 8666 Stimmen, 8 Repräsentanten .(4 Liberale, 4 Konservative), 4 Stellvertreter (s Liberaler, 5 Konservative). Zioni st e n (,, Jüdische Volkspartei"): 4Zs6 Stimmen, 4 Repräsentanten, 2 Stellvertreter. Poale Zion: 9^0 Stimmen, \ Stellvertreter (Gscar Lohn). Zwei Sonderlisten: 273 und 62 Stimmen. Da noch 9 Repräsentanten und 3 Stellvertreter (durchweg Liberale) in der Versammlung verbleiben, so ist die liberale Majorität zunächst noch gesichert. Gewählt haben nur 36% der Berechtigten. 64% sind der Wahl ferngeblieben! Bei der Beurteilung des Wahlergebnisses in liberalen Kreisen zeigte sich eine merkwürdige Differenz. Diejenigen, die an der wahlarbE eifrig beteiligt waren und die Verhältnisse übersehen konnten, waren befriedigt. Die Fernerstehenden aber, die erst jetzt die Große der zionistischen Gefahr erkannten, sind bestürzt über die verhältnismäßige Höhe der Stimmenzahl, die die zionistischen Kandidaten auf sich haben vereinigen können. ' Drei äußere Momente nrußten die Wahl von vornherein auf das ungünstigste beeinflussen. — - Die Reisezeit brachte die Abwesenheit vieler Wähler mit sich. Die im allgemeinen besser situierten liberalen Kreise wurden hiervon am stärksten betroffen. In manchen Gegenden kamen am Wahltage die Hälfte der Schlepperzettel mit dem Vermerk „verreist" zurück. Sodann lagen die IVahlen nur 2 Wochen nach der Reichstagswahl und zugleich mn Tage der Berliner StadtverordneteNwahlen. Vor der Reichstagswahl war fast jede Wühlarbeit für die Repräsentantenwahl unmöglich, da das Interesse durch die allgemeine Wahl in Anspruch genommen wurde. Am Wahltage selbst fehlten dem Block zahlreiche Helfer, die sich politischen Parteien verpflichtet litten. Die Zionisten, denen das Interesse an deutscher Politik fast durchweg abgeht, konnten mit ihrer Organisation und Agitation schon Monate vor der Wahl beginnen. Ihre Helfer standen für den Wahltag vollständig zur Verfügung. Vor allem aber spielte die unglückliche Entwicklung des Wahlrechts eine verhängnisvolle Rolle. Auf Betreiben aller Parteien war den Kriegsteilnehmern, auch soweit sie Steuern nickst entrichtet hatten, das Wahlrecht grundsätzlich zugestanden worden. Auf Anordnung der Gemeindeverwaltung mußte aber derjenige Kriegsteilnehmer, . der in die Wählerliste eingetragen werden -wollte, sich

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