Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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BüchLrschau - 47 3. Dezentralisation durch Schaffung von liberalen und konservativen Synagogenbezirken mit erweiterter Selbstverwaltung. Allgemeines, gleiches, geheimes und direktes .Wahlrecht unter Gleichstellung der Geschlechter. Verhältniswahlsystem. 3e ein Repräsentant auf je 3000 Gemeindemitglieder. 5. Mitwirkung von Gemeinderabbinern bei allen den Kultus und Mitwirkung von Gemeinderabbinern und Lehrern bei allen den Unterricht betreffenden Fragen. 6. Heranziehung von Gemeindemitgliedern beider Geschlechter aus allen Schichtender Bevölkerung zur Gemcindeverwaitung. ' 7. Erhebung der Steuerbeiträge als Zuschläge zur Staatseinkommensteuer. 8. 2lbschäffung der Zahlung von Kafualgebühren an die Rabbiner und Kultusbeamten. 0. Wahrung der Gewissensfreiheit und materiellen Unabhängigkeit der Gemeindebeamten durch lebenslängliche Anstellung bei angemessener Besoldung nach einer gewissen Probezeit. Heranziehung gewählter Vertreter der Beamten, Eingestellten und Arbeiter der Gemeinde zur Entscheidung in allen. Fragen des Arbeitsverhältnisses. Schaffung einer unparteiischen Instanz für Streitfälle. Büdierfchau. X Elbogen, Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates. „Aus Natur und Geisteswelt". Band?48. {26 S. 8°., kart. Mk. 2.—, geb. Mk. 2.65 (hierzu Teuerungszuschläge des Verlags und der Buchhandlungen). Verlag von B. G. Teubner, Leipzig-Berlin. \920. Trotz des — annähernd — Dutzend von Lehrbüchern und Leitfäden der jüdischen Geschichte, die uns der deutsche Büchermärkten den letzten Jahrzehnten bescherte, fehlte es immer noch an einem knappen, lesbaren wissenscl>aftlich gründlichen', auf der Höhe der Forschung stehenden Werke für die Gebildeten unter unseren Glaubensgenossen und für die nach Belehrung Suchenden unter den Andersgläubigen. 2lus den Schützengräben erscholl der Ruf nach jüdischer Geistesnahrung. Die neue Sturmflut des Judenhasses, die uns umbrandet, verlangt gebieterisch nach einer von Haß und Chauvinismus ungetrübten Darstellung der nachchristlichen Entwicklung des Judentums. ' Das vorliegende Bändchen, in der Teubnerschen Sammlung wissenschaftlich gemeinverständlicher Darstellungen „aus Natur und Geisteswelt" erschienen, darf mit hoher Freude als das Werk begrüßt werden, das die großen Erwartungen erfüllt, die — bei dem klangvollen Namen des Verfassers — an sein Erscheinen gesetzt wurden. Auf den neuesten Quellenforschungen beruhend, voll souveräner- Beherrschung des weitschichtigen Stoffes, von großen geschichtspsychologischen Gesichtspunkt ten ausgehend, deckt das Büchlein vor allem die tieferen geschichtlichen Zusammenhänge^ die verborgenen Quellen geschichtlichen Geschehens auf. In anschaulichen Skizzen, in. warmherziger, belebter Darstellung werden die Schicksale der Juden, ihre politische, wirtschaftliche und soziale Lage im Rahmen dev allgemeinen Zeitgeschichte, in großzügigen, lichtvollen Ueberblicken ihre Geiftesentwicklnng, ihr literarisches Schaffen dargestellt. Jeder Satz,, ja oft sch>n eine kleine Wendung: verrät den gewissenhaften, objektiv urteilenden, gelehrten Autor, der die Ergebnisse dev allerneuesten Forschungen kennt und verwertet. Ohne apologetisch sein zu wollen, wird das- Büchlein in seiner warmherzigen und doch leidenschaftlosen Darstellung zu einer einzigen, großen Apologie des Judentums, das zu tieferem Verständnis des Judentums auf Grundder Kenntnis seiner Geschichte hinführen will, wie lichtvoll und von höchster Aktualität ist z. B. jener eine Satz, der sich in dem Kapitel „In Babylonien", Seite findet: „Im Zweistromland ist die Eigenart des Diafporajudentums ausgebildet worden, dieses Heimischsein in der Fremde un^Fremdsein irr der Heimat, das Aufgehen in der Umgebung, und das Festhallen am Herkommen, die Sehnsucht nach dem Boden der Väter und das Verwachsen mit dem Lande der Kinder, frommer Wandel nach den Vorschriften der Reli-