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Liberales Judentum · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 48

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 48 (sequence 16)
Language
German
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48 - Bacherschau gion, und freies Sichlosnrachen von wichtigen biblischen Gesetzen." Besonders ausführlich und tiefeindringend werden Entstehung, Wesen und Bedeutung des Talmud behandelt. Für Religionslehrer und Studierende, für die Gebildeten unter allen Konfessionen, die sich ernst und gründlich aus nicht allzu umfangreichen Werken über die Geschichte der Juden und des Judentums orientieren wollen, wissen wir kein schöneres und erquicklicheres, kein vornehmeres und gediegeneres Buch als diese Llbogen'sche Geschichte. Lion Wolfs, Fünfzig Jahre Leb ens-^, erfahrungeneinesjüdifchenLehrers und Schriftstellers. Kulturbilder aus den jüdischen Gemeinden. 3^6 S. 8°, kart. Leipzig, Gustav Engel, $$. „Nicht so vieles Federlesen! Laß mich immer nur herein: Denn ich bin ein Mensch gewesen. Und das heißt ein Kämpfer sein . Dieses.Wort aus dem west-östlichen Divan dürfte man dem temperamentvoll geschriebenen Memoirenbuch des in jüdischen Lehrer¬ und Rabbinerkreisen weitbekannten Verfassers auf das Titelblatt schreiben. An Memoirwerken 'fehlt es in unserer Literatur. Glücke! von Hameln Und Salomon Maimon, pauline Wengeroff und Ascher Levy aus Reichshofen i. L. — außer diesen kenne ich kein eigentliches Memoirenbuch. Um so dankbarer ist das Wolff'fche Buch zu begrüßen, das ein fesselndes, bewegtes Bild der Schicksale "eines jüdischen Handwerkers entrollt, der aus eigener Kraft, durch schwere Kämpfe hindurch zum weithingeachteten Lehrer, Prediger und ffuchlbaren Schriftsteller wurde. Ein selfmade man, einer jener Zahllosen, von denen der Talmud sagt: „Achtet auf die Kinder der Armen, denn von ihnen geht die Lehre aus." Der Gefahr der Armut, ein Abhängiger an Charakter, eine Subalternnatur zu werden, entging der Held dieser Geschichte. Er blieb zeitlebens ein aufrechter, gerader, selbstbewußter Alarm, voll^Freimut und starken Temperamentes. Daß em solcher Mann unbequem, und den Vorstehern der klonen jüdischen Gemeinden, in denen er wirkte, unsympathisch war, hindert nicht, daß er uns um so sympachischer und wertvoller, erscheint. Großer Wissens- und Schaffensdrang, starke Initiative und schöpferische GestaliuNgslust, stete Bereitschaft, unbeugsarne Energin, und all das vergoldet von sonnigem Humor,, von satirischem Witz, leuchten aus den Blättern dieses Buches, das uns wie eine moderne Ddyffee anmutet. Lin Mann, verschlagen von Ort zu Mrt, verfolgt von Mißgeschick, auffecht sich durchringend von Kampf zu Kampf. Abgesehen von der Figur des Helden, ist das Buch ein wertvoller Beitrag zur späteren Kulturgeschichte der jüdischen Gemeinden Deutschlands von der Pfalz bis nach Sommern, von der kleinen Dorfgemeinde bis zür Großgemeinde Berlin. Li- -nige wenige Inkorrektheiten, z: B. unrichtige lateinische Zitate, stilistische Kleinigkeiten u. dgl., die bei dem Autodidakten, der so viel sicheres Wissen ganz aus sich allein zu erringen wußte, verständlich und entschuldbar sind, sollen nicht weiter urgiert werden, wir empfehlen die smteressante und lehrreiche Selbstbiographie, die zu einem Knlturbild der jüdischen' Gemeinde?! geworden ist, allen unseren Lesern. ___ Max Weinberg, Aus dem Spruchborn verweisen. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln ünd Sagen, poetisch übertragen. $4 und XXVII S. 8°, geb. philo-verlag. Berlin, $20. Als Beitrag zur Völkerkunde, als Apologie des Judentums, als interessante, fesselnde Lektüre, als Fundgrube tiefsinniger Weisheit und - erhabener Sittenlehre ist dieses Buch, das sich würdig dem ähnlichen Werk des Verfassers „Ewige Weisheit, Spruchpoesie des Talnmd" anreiht, mit Freude zu begrüßen. De Uebertragung ist noch geschmackvoller und gereifter als in dem früher erschienenen Buche, viele Sprüche, Parabeln und Sagen, sind wahre Meisterstücke der Uebersetzungskünst. Die beigegebenen Quellennachweise verleihen dem Buche auch eine wissenschaftliche Bedeutung. wir empfehlen das Werk, das sich in geschmackvollem Einband und gutem Druck vortrefflich präsentiert, allen Literaturvereinen, Bibliotheken, Religionsschulen und Familien. Es eignet sich ganz hervorragend, als Geschenkbuch zu Prämien und Einsegnungen. (Fortsetzung 3. Ümfchlagsisite.) HerauSgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstratze 22. Mr die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr C. Seliymann, Frankfurt a. M , Friedrichstr. 22. Druck und Expedition von Voigt L Gleiber, Frankfurt a. M.. BieLer-Gafse 6.

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