Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Konsul John M. Wiener: Der jüdische Klassenftiedhos Arrgehörigen zwingen, sie bezahlten Leuten zu überlassen? Und in der heutigen Zeit Der steigenden Rosten und Entwertung des Geldes, würden da nicht sehr bald gerade die Armen nicht mehr in' der Lage fein, die von der Gemeinde festzusetzenden, mit Lohncuund Utalerialxreisen dauernd steigenden Rosten der pflege zahlen zu können? ,-Die pflege sämtlicher Gräber einschl. Bepflanzung ist einheitlich durchzuführen." Ja, dadurch will mir scheinen, würde überhaupt erst der „Rlassenfttedhof" geschaffen. Denn entweder müßte der Schmuck immer einfacher werden, oder die finanziell Schwachen würden überhaupt verzichten muffen. Und wenn man mir einwendet, die Neichen sollen für die Armen bezahlen, was ist denn reich, und ist der weniger Bemittelte denn immer geneigt, anderer Leute Rasse für seine Empfindungen in Anspruch zu nehmen? Ist das nicht eine gewisse Form des Almosens, die anzunehmen viele sich weigern würden? Und was die Gleichheit der Steine betrifft: man denke sich z. B. den ungeheuren Berlin - weißenseeer Friedhof mit gleichen Steinen geschmückt, etwa wie den Friedhof in Prag. Der Anblick wäre entsetzlich; wie ein Trümmerfeld würde eS uns anmuten, und Jfyerr Ztzig könnte nicht me^r sagen, .daß seine Andacht an der Stätte, der Toten inniger und gehobener fei, als im Tempel. Von ganz wenigen, wirklich der Zahl nach garnicht in Betracht kommenden, findet man auf dem Friedhof eine Anzahl vornehmer, erhebender, auch vom Standpunkt des Runstverftändigen erstklassiger Denksteinedie gerade erst die echte weihe solchem großen Reich der Loten geben. Mer gibt es auch keine Reihen 3., 4. und 5. Klaffe, und alles andere, was Ztzig sagt, ist für unseren Friedhof durchaus unzutreffend. was ich über den Schmuck der Gräber sagte, gilt noch: viel mehr für die Gräber selbst. Da ist es nicht durchführbar, wie Hamburger schreibt, daß „Rosten für Grab, Grabstein und pflege sich nach der Höhe der Steuer richten, die der verstorbene zahlte oder der Auftraggeber zahlt. Die zu zahlenden Sätze werden durch Statut geregelt, sodaß die Rosten der Gemeinde gedeckt werden." Erstens bildet die Steuer, die ein verstorbener zahlte, keinen Anhaltspunkt für die finanzielle Potenz seiner Erben; er kann ohne direkte Deszendenten sterben und eine Reche armer verwandten hinterlassen. Hat er wegen seiner Beerdigung nichts verfügt, so wird weder das Gericht noch der Testamentsvollstrecker anders als zum billigsten oder Durchschnittssatz die Beerdigungskosten tragen dürfen. Und der Auftraggeber? Zn vielen Fällen wird bei ihm' der Fall ganz ähnlich liegen. Auch Rösten-Regelung durch Statut ist, wie bereits oben angedeutet, völlig ausgeschlossen, da für längere Zeit feste Sätze in der heutigen Zeit nickst gemacht werdest können. Zeder der Verfasser hat von der Ungleichheit der Gräber gesprochen — von der Ungleichheit der Beerdigungen niemand. Das finde ich -ein viel größeres Unrecht, daß Arme in den schwersten; Stunden des Lebens, wo es so oft gilt" Abschiednehmen von dem Liebsten, was man auf Erden besessen, empfinden müssen, daß sie nicht mit dem gleichen Blumen- und Rerzenschmuck, Lhorgesang usw. ihren Heimgegangenen zu Grabe leiten dürfen. Sehe ich in Bezug auf Grabpflege und Grabschtnuck keine ' Möglichkeit, die jetzigen Zustände zu ändern, ohne gegen das Empfinden des Einzelnen Zu verstoßen und unliberal zu werden, so gibt es meines Erachtens für die Gleichheit der Beerdigungen und die Vermeidung von Rlassenunterschieden hierbei einen sehr einfachen Ausweg: man mache die Beerdigungen überhaupt umsonst und einheitlich, bis auf Zuziehung und Wahl des Rabbiners. Die Rosten werden durch einen jährlichen Steuerzuschlag gedeckt; ob jemand pro Jahr M. s30.— Steuern zahlt oder Bk. —, ist ihm gleichgültig; den besser Bemittelten spielt die Differenz ganz gewiß keine Rolle. Das gesamte Beerdigungswesen großer Gemeinden würde dadurch vereinfacht, sowohl in Bezug auf die Anmeldungen, die durch Wegfall des Rassewesens sich: wesentlich schneller vollziehen würden, als. auch in Bezug auf die Arbeit in der Leichenhalle, bei der das fortwährende Aendern der Dekorationen aufhören würde. Und nicht zuletzt glaube ich, daß Andersgläubige einen tiefen Eindruck empfangen würden, wenn sie sähen, wie bei jüdischen Beerdigungen Arm Und Reich gleich behandelt werdenglaube auch, daß bei kostenfreier Beerdigung mancher dem Zudentume treu bleiben würde, der heute behauptet, „nichts