Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3126481-3126600-3126603--2567-3129426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions (1 not found in this text)

40 Joseph Kaüffmamr: Forderrrngen der Gegenwart OO ■-!. .0.0 I namentlich aber das Stiftszelt schon vorhanden war, ehe der Befehl für die Errichtung erfolgte. Nach der Episode^ mit dem goldenen Aalbe nahm Moses das! Zelt fort und schlug es außerhalb des Lagers auf, er nannte es dann „Stiftszelt". Erft eine. Meile danach erstieg er wieder den Sinai und blieb, dort ^0 Tage und erst nach feiner Rückkehr gab er die Anordnungen für die Materialbeschaffung und den Bau des Stiftszeltes. „ Dje Grundlage für die 59 Arbeiten fallt also zusammen, es bleiben nur die Festsetzungen der Schriftgelehrten und der jAiefterschaft des zweiten Tempels. Diese haben ebenso die erschwerenden Sabbatvorschristen, wie die Lehre von den erlaubten und verbotenen Speisen ausgebildet, aus der Zeit, für die Zeit. Die aus dem Exils zurückgekehrten Judäer bildeten keine politische Gemeinde, sondern eine religiöse Gemeinschaft, die sich streng von der Außenwelt abschloß,. die jahrhundertelang nur der Ausbildung der Religionsbestimnmngen lebte, die nach erfolgtem Abschluß der heiligen Schrift eine Mauer um diese und sich errichtete, die immer höher und höher aufwuchs, die auf Jahrtausende für die Judenheit ein Ghetto wurde, das sie mehr! und einschneidender von der Mitwelt abschloß, als die von Feinden und Hassern später ernchteten. Trennungstore - und Absonderungsgesetze. Nehemia und Esra haben den Grund zu dieser Absonderung gelegt^): „es sonderte sich ab der Stamm Israel von allen fremden Völkern". Es ist herrschende Ansicht, daß die strenge Absonderung zur Erhaltung des Judentums und der Iudenheit erforderlich war, daß ohne die scharfen Religionsgesetze das vom Heimatsboden losgerissene, in der Welt herumgehetzte Volk untergegangen wäre, wie andere Völker des Altertwns, und mit ihm seine Religion; eine Ansicht, für die ein Beweis nicht erbracht werden kann, die als Axiom gilt, die aber auch nicht widerlegt werden kann, weil auch kein Gegenbeweis zu führen ist. Tatsache ist, daß trotz aller Anfeindungen Juden und Judentum sich erhalten haben, vielleicht infolge dcr Absonderungsvorschriften, vielleicht aber trotz derselben. 4B) Nehem. 9, 2. Ueber die Zeit der Religionsentwicklung / von Esra bis hart an die MaKabaerkämpfe -j fehlt uns für Jahrhunderte jede sichere Nachj richt. Nur sehr spärliche, vielleicht nicht ganz unparteiische Erinnerungen aus der letzten Zeit dieser Periode sind urrS überkommen sie zeugen von inneren Rümpfen, von Auflehnung gegen den . Absonderungsgedanken, j von Haß gegen die fortwachsende Ausbildung t der Religionsgesetze, der bis zur Abtrünnigkeit ' führte; von Verachtung und "Todfeindschaft gegen Andersdenkende auf der anderen Seite. j Der widerstand wurde gebrochen, aber nicht getötet, und wenn es der siegenden f>artei auch gelungen ist, jede Spur einer gegnerischen Literatur auszumerzen, die wirÄichen j Ansichten der Gegner zu verdunkeln oder ge- ) färbt zu berichten, der Widerspruch ist ge- ( blieben, ist immer wieder aufgetaucht und { wird immer wieder auferstehen. \ Die Saddukäer unterlagen, Anan ben! David mußte flüchten und gilt mit seinen An- ) Hangern, den Raräern, noch' heute als aus dem Judentum ausgetreten; die jDrotestwerke j eines Lhivi al Balki sind spurlos verschwunden; Maimonides Werke brannten auf dem :\ Scheiterhaufen; Spinoza wurde aus der Re- 1( ligion.'gemeinfchaft ausgeschlossen. Noch heute \ gibt es Eiferer, die gerne den Holzstoß für 1 Andersdenkende entzünden möchten. j Txxs Zeitalter von Esra bis' zu Simon j Hazadik nennen wir das fopherische, die Zeit der 'Schriftkundigen. Aus ihm stammen die! Grundbestimmungen der Speisegesetze und der / Sabbatvorschriften. Die Grundlage, die da- :: mals gelegt, wurde in den folgenden Zeiten immer mehr ausgebaut; jA^arijaer, Tanaim und Amoräer haben emsig Stein auf Stein gelegt: Mehr als 2 Jahrhunderte dienten einer -eifrigen Rleinarbeit, um alle die Ver- . , ordnungen der Gelehrtenschulen mit der geschriebenen Thora in Einklang zu bringen. Die Wette der Thora wurden gedreht und \ gewendet, bis dasjenige aus ihnen gedeutet; werden konnte, was man hineinlegen wollte. Hillel hatte 7 DeuLungsregeln ausgestellt, R. j Ismae! erhöhte ihre Zahl auf ^3 und R. / Akiba suchte jedes Wort, jeden Buchstaben, | ja jedes Häkchen der Thora zu deuten. Die schöpferische Rraft der Gesetzesanfbauer erlosch, aber in noch weiteren 2 Jahrhunderten wurde in den Schulen BabylomenK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.