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Liberales Judentum · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 39

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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Joseph Kaüffmann: Forderungen der Gegenwart 39 Entgegen den Speisegesetzen ist der Sabbat ureigenste Schöpfung Israels. Seine Bedeutung und der wert, die ihm schon in ältester Zeit zukamen, geht aus seiner Aufnahme in den Dialog hervor. An zahlreichen Stellen des Pentateuchs wird er eindringlich eingeschärft, wird die Arbeitsenthaltung anbesohlen, er soll Ruhetag sein für Groß und Aloin, Herrn und Anecht, selbst für die Haustiere. In den -Büchern Iosua, Richter, Samuel und I. Aönige findet sich kein Hinweis auf den Sabbat, eS ist sogar auffallend, daß sich Iosua beim Umziehender Mauern Jerichos nicht durch den Ruhetag hat unterbrechen lassen. In II. Aönige33) erscheint der Sabbat an drei Stellen. In! der Elisageschichte spricht der Mann aus Sunem zu seiner Frau: „Warum willst Du heute zu dem Propheten, es ist doch weder Neumond noch Sabbat?" Ls fällt ihm nicht auf, daß sie reiten will. Bei der Revolution'gegen die Aönigin Athalia wird erwähnt, daß am Sabbat die Tempelwache abgelöst wurde; der Hohepriester hielt aber die abgelöste Mannschaft zurück, um eine größere Truppenzahl für den Aufstand zu halten. Der Sturz der Aönigin, bei dem es nicht ohne Blutvergießen abging, fand also auf Veranlassung des Hohenpriesters am Sabbat statt. An der dritten Stelle, die etwas undeutlich ist, scheint von einem bedeckten Sabbatgang gesprochen zu werden. Die älteren Propheten erwähnen den Sabbät wiederholt. Amos^) schilt: „Ihr sprechet, wann wird der Neumond vorüber sein, daß wir Nahrung verkaufen, und der Sabbat, daß wir den Getreidespeicher öffnen können, um zu betrügen?" Hosea^) erwähnt Feste, Neumond und Sabbat als Freudentage; Iefaia'^) verwirft die Scheinheiligkeit der damaligen Neumond- und Sabbatfeier. Ieremia^) aber ermahnt, keine Lasten am Sabbat aufzuladen, nichts in die Tore Jerusalems einzubringen, aus den Häusern keine Lasten auszuführen und keine Arbeit zu verrichten, wie den Vätern geboten sei. Da an allen diesen Stellen Neumond und Sabbat zusammengenannt werden, scheint die Feier beider Tage in allen Zetten gleichartig 36) H. Kon. 4, 23; 11, 5; 16, 8. 3e) Amos 8, 5. *7) Hosea 2, 13. '») Jef. 1, 13. 39j Irrem. 17, 21 ff. 18, 19. gewesen zu sein, vielleicht stand ursprünglich der Neumondstag noch höher, da er immer zuerst erwähnt wird und bett°) Saul nur von der Feier dieses Festes, nicht aber vom Sabbat gesprochen wird. Aber die .strenge Sabbatfeier späterer Zetten ist gewiß unbekannt gewesen; erst allmählich hat sich diese im Exil und in den Tagen des zweiten Tempels herausgebildet. Ezechiel") spricht an 6 Stellen vom Sabbat, der Zweite Iesaia") erwähnt ihn drei-, mal. Nehemictt3) fand bei seiner zweiten Anwesenhett in Jerusalem, daß am Sabbat wein gekeltert, Garben aufgeladen und Feldfrüchte eingebracht wurden, daß nicht mrr Fremde, sondern auch Iudäer Nahrungsmittel fettboten. Er mußte mit strengsten Maßnahmen eingreifen, um die in der „großen Versammlung" beschlossene Sabbatvorschrift wieder einzusetzen. Erst Jahrhunderte spÄer hatte sich' die Sabbatruhe durchgesetzt/ wie aus den Makkabäerbüchern") und Judiths) ersichtlich ist. Da im Pentateuch nur wenige nähere Bestimmungen über diejenigen Verrichtungen, die am Sabbat nicht vorgenommen werden sollen, gegeben sind, so standen die Schristgelehrten vor der Aufgabe, Ausführungsgesetze zu erlassen. Um diese aber als Bestimmungen der Thora bezeichnen zu können, legten sie die im 2. Buch Moses beschriebene Ausführung des- Strftszeltes zugrunde und setzten 39 Hauptarbeiten, die bei dem Bau vorgenommen seien, als für den Sabbat verboten, fest; von diesen wurden dann wettere Arbeiten abgeleitet. Die Vibelkrttik ist durchweg der Ansicht, daß die erwähnte Beschreibung des Stiftszeltes erst aus der Exilszett stammen kann und vermutlich nach dem Vorbttde des salamonischen Tempels verfaßt wurde. Unter vielen Gründen, die für solche Ansicht sprechen, feien besonders angeführt, daß es in der wüste am Sinai weder das Material für einen derartigen Prachtbau gab, noch die für den Bau genannte Zeit von etwa 6 Monaten für die Ausführung der Arbett genügt hätte; daß 40) I. Sam. 20, 5; 20, 24. 4») Ez. 20,12 ff; 22.8 ff; 23.8; 44.24; 45,17; 46,1 ff. 4a) Jef. 66, 2 ff; 58, 13; 66, 23. 4S) Reh. 13, 5. "> I. Matt. 1, 45 ff, II. Matt. 6, 5—6. Judith, 8, 6.

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