Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3126481-3126600-3126603--2563-3129422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Joseph Kauffmann: ^ordemngen der Gegenwart Priestern verbietet er, Gefallenes und Zerrissenes zu essen; von sich selbst, als Priester, sagt er, daß er noch nie Aas und Zerrissenes gegessen habe, verworfenes Fleisch sei nicht m seinen Mund gekommen. Je jünger die Schriften, desto deutlicher treten die Speisevorschrrften hervor, eine allmähliche Entwicklung ist nicht zUj verkennen. Dame?) weigert sich, am Hofe Nebukadnezars andere Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, als Gemüse und Wasser; Judiths) nirnmt auf ihrem Gange zu Holofernes Speise und Trank nut, sie weigert sich, bei ihm zu speisen, da sie nicht dürfe, und nimmt an seiner Tafel nur das zu sich, was ihre Magd bereitete. Zn den Makkabäerbüchern") spielen verbotene Speisen, besonders Schweinefleisch, eine große Rolle, selbst der Schein, verbotene Speisen zu genießen, wird vermieden. Die Bücher Daniel, Matkabaer und Zudrth entstammen einer sehr späten Zeit, wahrscheinlich den Makkabaerkämpfen, wenn nicht Judith noch viel später entstanden ist. Schwerlich haben die großen Propheten Speisegesetze gekannt, aus ihren Lehren konnten sich solche Vorschriften nicht entwickeln, weder aus den Reden Zesaias, der gegen die üblichen Mxfer- und Festtage eifert") und statt solcher Redlichkeit und Sittlichkeit verlangt, der Tugend und Gerechtigkeit als anzustrebendes Ziel hinstellt, noch aus den Worten des Zeremia"): „Eure Ganzopfer tut zu euren Mahlopfern und esset davon Fleisch, denn -ch redete nicht zu euren Vätern und gebot ihnen nicht Ganzopfer und Mahlopfer l an dem Tage, da ich sie aus Egypten führte. I Sondern das befahl ich ihnen: höret auf meine Stimme, dann werde ich euch immer ein Gott sein und ihr mein Volk. Wandelt ganz auf Wege, den ich euch gebiete, damit es euch wohl gehe." Recht und Gerechtigkeit, Redlichkeit und Mildtätigkeit fordern die Propheten, Werk- Heiligkeit verwerfen sie. Bis gegen Ende des Exils war dem Volke die Thora unbekannt, auch nach dem Erile ») Dan. I. 8 ff. Judith 10. 6; 12. 2 I. Makk. 1. 45 ff. II- Makk. 6. 21; 7, 1; 7. 7. Jes. 1, 11—14; 16—17; 27. "1 Jerem. 6, 20. . ■ war die Kenntnis derselben wenig verbreitet. Erst in der von Nehemia einberufenen „großen vKrsammlung" wurde die Thora von Esra öffentlich verlesen und erstmalig dem Volke bekannt gegeben. Es wird wohl nicht festzustellen sein, ob die damals vorgelesene Thora schon die Fassung hatte, in -der wir sie heute besitzen. Zweifel, die dagegen erhoben sind, können nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Es ist auch die Frage, ob der gesamte Pentateuch zur Verlesung kam. Auch die im Exil von Ezechiel aufgestellten Vorschriften sind in manchen Punkten von den Bestimmungen der Thora verschieden, deshalb wurde später der versuch gemacht, das Buch Ezechiel aus der Bibel auszumerzen. Es kann angenommen werden, daß die Zusammenstellung der Thora noch im Fluß war und daß der endgültige Abschluß erst durch Esra, seine Zeitgenossen und seine Nachfolger erfolgte. Darauf deutet auch vielleicht der Ausspruch hin, der den Männern der „großen Versammlung" in den Mund gelegt wird: „machet eine Einfriedigung der Thora": Auch die im Talmud aufbewahrte Erinnerung, Esra habe die Thora aus der althebräischen Schrift in die chuadratschrift unbeschrieben und habe die vergessene Thora erneut, läßtden Schluß M, daß mit der Umschreibung auch eine Tertfeststellung stattgefunden hat. Das allerdings im allgemeinen als wenig zuverlässig betrachtete II. Makkabäerbuch berichtet ferner14): „Das altes findet man in den Schriften, die zu Nehemias Zeiten geschrieben sind, wie er der Könige, Propheten und Davids Bücher sowie die Briefe der Könige von den Weihegeschenken Zusammengesucht und ein Bücherhaus eingerichtet hat. Auch Juda Makkabäus hat die Bücher, die infolge des Krieges im Lande verloren gegangen waren, alle wieder zusammengebracht." Ganz ohne wert ist dieser Bericht wohl nicht. Die Beschlüsse der „großen Versammlung" waren: Keine Mischehen einzugehen. (Das Deuteronomium verbietet") die Ehe mit den sieben kanaanitischen völ- «) II. Makk. 2, 13—14. ") 5. M. 7, 8.