Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3126481-3126600-3126603--2562-3129421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Joseph Kauffmany: Forderungen der Gegenwart 33 bis nach dorn Lxile allmählich entstanden ist, wenn sie die Gesetze und Sitten schriftlich festgelegt hat, die in dieser über (000jährigen Entwicklungszeit entstanden sind, so? kann von einem fortlaufenden Bestehen der Thora — sowohl der schriftlichen, wie auch einer etwa nebenhergehenden mündlichen— nicht die Rede fein. Tausend Jahre sind ein ungeheurer Zeitraum. vor etwa (000 Jahren herrschte Karl der Große, können wir uns eine fortlaufende mündliche Ueberliefernng aus dessen Zeit bis jetzt begreiflich machen?. Könnten Erinnerungen irgend welcher Art heute, nach 800 Jahren, aus der Zeit der Kreuzzüge, noch fortleben, wenn sie uns nicht schriftlich überliefert wären? würde aus dem reichen Geistesleben der Zuden in Spanien vor 600 bis 700 Zähren irgend etwas erhalten geblieben sein, wenn die Schriften nicht vererbt wären? Haben wir noch irgend welche sichere Familientraditionen aus der Zeit vordem 30jährigen Kriege, also vor nur 300 Zähren? (Dft hätte eine mündliche Ueberlieferung auch nur auf wenigen Köpfen gestanden, namentlich zu Zeitender ersten Zerstörung Zerusalems, der Makkabaer, des Rabbi Zochanan ben Sakkai und nach dem Tode des Rabbi Akiba ben Zoseph. Auch die geschichtlichen Berichte der Bibel selbst widersprechen einer fortlaufenden Ueberlieferung. Zn den Büchern Zosua und Richter wird berichtet: „Zsrael diente dem Herrn bei Lebzeiten Zofuas' und der Aeltesten, die ihn überlebten, die die Taten des Herrn gekannt hatten, welche er, für Zsrael geleistet. . . . Das ganze Geschlecht war zu -seinen Vätern versammelt, es entstand ein anderes, das den Herrn nicht kannte, auch nicht die Tat, die er für Zsrael geleistet." Nach Zofuas Ableben fehlte eine Gesamtleitung des Volkes: „jeder tat das Böse in den Augen des Herrn, .ein jeglicher tat, was in feinen Augen recht war". Die Stämme gingen ihre eigenen Wege, nur selten zwang der Druck von außen einige Stämme zu zeitweiligem Zusammengehen. Es hat daher während der Richterperiode, eines Zeitraumes von etwa 350 Zähren, keinen Aeltestenrat gegeben. Während dieser Zeit kann von einer fortlaufenden Ueberliefernng nicht die Rede sein; wenn die Taten des Herrn nicht mehr bekannt waren, blieben seine Worte gewiß nicht in Erinnerung. Aus den Erzählungen über die älteren Propheten, von Samuel bis Elisa, geht nicht im geringsten hervor, daß ihnen die uns jetzt vorliegende Thora bekannt war, wenn sie auch manche biblische Erzählungen kannten. Besonders auffällig ist aber> daß in den älteren geschichtlichen Büchern daS Zeremonialgesetz mit Stillschweigerl, übergegangen wird. __ Zu den Grundpfeilern des überlieferten Zudentums gehören die Speisegesetze und die Vorschriften über die strenge Sabbatfeier. von Speisegesetzen ist, abgesehen vom Pentateuch, in den vorexilifchen Büchern, mit einer Ausnahme (I. Sam. 52) nicht die Rede. Auf diese Stelle wird später MÜckzukommen sein. ' wenn Elia von Rabew) mit Brot und Fleisch gespeist wird, so zeigt das in gleicher weise die Unbekanntschaft des Erzählers mit den Speisegesetzerr, wie bei einigen Berichten hi Genesis und Exodus. Harmlos berichtet der Erzählers, daß Abraham den drei Männern Rahm, Milch und Fleisch vorletzt; daß^) den Egyptern besonders aufgetragen wird, weil die Egypter nicht nnt den Hebräern esfen könnten, das sei ihnen ein Greuel; (man sollte eigentlich das Umgekehrte annehmen), daß ZitrG), der Schwiegervater Moses, Gott Opfer darbringt und Ahron und alle Aeltesten an seinem Öpfermahl teilnähmen. Auch Zeremia^) findet es nicht auffallend, daß Zojackstn an der Tafel des Evil Merodach speist. Demgegenüber legen die nachexilischen Schriften erheblichen wert auf Speisevorschriften. Die letzten Kapitel Zesaia«) sprechen wiederholt vom Schwein, während das Wort „Lhasir" (Schwein) sonst in der ganzen Bibel nur in den beiden Verzeichnissen der verbotenen Tiere* * 3 * 5 * 7 8) vorkommt. Ezechiel^) wirft den Priestern vor, daß sie über den Unterschied von rein und unrein nicht belehren; , den *) I. Kön. 17. 4. -) I. M. 18, 8. 3) I. M. 48, 82. *) 2 M. 18, 12. 5) Jer. 52, 33. >' *) Jes. 65,4; 66. 3; 68, 17. 7) III. M. 11, 17, Y. M. 14. a 8) Ez. 22, 26; 44, 2}; 44, 31; 4, 14.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.