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Liberales Judentum · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 31

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 31 (sequence 15)
Language
German
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Bücherschau 31 Geßnnung nicht erschüttern. In dieser Hinsicht trennt uns von den Zionisten eine ganze Welt. Wir verurteilen das Auftreten derselben insbesondere deswegen, weil sie unsere heiligsten »Gefühle auf's Tiefste verletzen. Wir wollen das' 'Wort Gabriel Rießers Hoch- Halten : Wer nur mein Vaterland nehmen will, der nimmt mir meine Gedanken, meine Gefühle, der raubt mir meine Sprache, die ich spreche, die Luft die ich atme, darum wehre ich mich gegen ihn, wie gegen einen Räuber. Wir liberalen Juden kennen kein Primat des Judentums, wie es Buber will,, wir verwahren uns Legen die Ausführungen eines Klatzkin, der behauptet, wir seien ein fremdes Volk inmitten des deutschen Volkes, dessen Siege und Niederlagen, dessen Glück und Unglück , uns fremd seien. Nein, wir sind keine Fremdlinge, Deutschlands Glück und Unglück wollen wir teilen, Deutschlands Los ist auch unser Los. Für uns gilt des großen Vorkämpfers für unsere Gleichberechtigung, Gabriel Nießers Wort Lineü Vater in-den Höhen, Tine Mutter haben wir, Gott, ihn aller Wesen Vater, Deutschland unsere Mutter hier. In der Gemeinde wollen wir den Frieden wahren; wir wollen die Linheitsgemeinde in der bisherigen Form wenn irgend möglich aufrecht erhalten wissen. Fern liegt es uns Gewissenszwang in Bezug auf die Gefühle unserer orthodoxen Gemeindemitglieder auszuüben. Wir dürfen aber nicht dulden, daß die "Interessen der liberalen Mehrheit beeinträchtigt werden. Wir' liberalen Juden fühlen mit den Glaubensgenossen, die von Haus und Hof vertrieben, die man in ihrer Heimat geplündert, geschlagen und gefoltert hat. Wir unterstützen das Bestreben der Ostjuden, daß sie in ihrer Heimat die gleichen Rechte genießen sollen wie ihre Mitbürger. Wir unterstützen alle Organisationen, welche die sittliche und ' kulturelle Bildung der Ostjuden heben wollen. Wir verwahren uns aber dagegen, daß der Auswanderungsstrom nach Deutschland gelenkt wird. Wenn es auch unter den Ostjuden viele achtbare Menschen gibt, so gibt es auch sehr viele, denen die sittlichen Hemmungen in , Bezug auf das Unerlaubte abgehen. Wir verlangen von unserer deutschen Regierung, daß sie den Ostjuden die gleichen Rechte gewährt wie den anderen Ausländern. Wir können aber die nicht schützen, die das Gaftrecht durch ihre Verfehlungen mißbrauchen. Wir müssen darnach streben, daß die Ostjuden sich in Bezug auf Kleidung und Sitte unserer Kultur anpassen. Aber auch in dem Gebühren vieler unserer heimischen Juden gibt es manches auszusetzen. Ls wirkt verletzend, abstoßend und schädigend, wenn jüdische Frauen durch aufdringlichen und auffälligen putz und Tand sich unnötig bemerkbar machen oder wenn üppige Gastereien in unserer Zeit der Nahrungsmittelnot veranstaltet werden. Derartige Auswüchse in den eigenen Reihen zu bekämpfen, ist Pflicht aller unserer Vereinsangehörigen. Unsere Gemeindeverfassung muß von Grund auf geändert und der heutigen Zeit angexaßt werden. Männer und Frauen sollen nach dem Proportionalsvstem. die gleichen Rechte zur aktiven und passiven Wahl vom 20. Lebensjahr an erhalten. Reicher Beifall lohnte die mit großer Wärme vorgetragenen vortrefflichen' Ausführungen des Referenten. In lebhafter Diskussion kamen Zionisten, ein Vertreter der 'Ostjuden, sowie Vertreter des neutralen jüdischen Jugendvereins zu Wort. Büdierfchcm. Richard Beer-Hofmann: Iaakobs Traum. Lin Vorspiel. S. Fischer, Verlag, Berlin lZ20. Preis brofch. 7-50 Mk. Noch warten wir auf das Drama des Judentums, auf die zwingende, ünwidersprechliche Gestaltung unserer Tragödie mit ihrem Schwerz und ihrer Seligkeit, ihrer Gewißheit und ihrer Verzweiflung. Uns dürstet nach dem reinen Trank des Kunstwerks, das uns erhebt, indem es uns durch unsere Wahrheit zermalmt. Und mit heiß zitternder Hoffnung stürzen wir uns auf jedes neue Werk. Lrst Jeremias, nun Iaakobs Traum. Beide von Illusionisten maßlos überschätzt und darum leicht im ihrem wahren Wert verkannt. Nur von dem letzteren sei heute die Rede.

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