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Liberales Judentum · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 30

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 30 (sequence 14)
Language
German
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30 Rundschau Schaffung von Gehölzmasken um die Grabreihen oder auch um einzelne Grabplätze ist das einfachste 'und selbstverständlichste Mittel, einen Friedhof schmuckvoll erscheinen zu lassen. Innerhalb eines solchen, mit Pflanzengrün durchsetzten Friedhofes wird es aber nabeliegen, verschiedengestaltige Grabplätze zu schaffen, die den besonderen Wünschen des Erwerbers Rechnung tragen. Während es dem einen völlig gleichgiltig ist, was nach seinem Tode geschieht, gibt es doch auch genügend Menschen, denen eine künstlerisch schöne, von der Umgebung durch Grün abgesonderte Grabstelle ein L) erzensb edürfnis ist. Dieses streben, das doch letzten Endes ein Streben nach vollkommener Kultur bedeutet, sollte man nicht unterbinden, sondern fördern. Natürlich darf man nicht unterlassen, für die 'Zulassung von Grabzeichen allgemeine Richtlinien aufzustellen und eine Genehmigungspflicht einzuführen, um von vornherein alles Störende und Aufdringliche fernhalten zu können. Innerhalb eines gegebenen Rahmens aber sollte man der.Einzelpersönlichkeit doch einige Freiheit lassen und geradezu wünschen, wenn federn Grabmal eine bestimmte persönliche Note innewohnt. Bei Grabmälern, die sich' gegenseitig beeinflussen, ist natürlich eine gewisse Typisierung geboten, d. h. also -ein Innehalten gewisser äußerer Abmessungen, hierbei bleibt ebenfalls immer noch genügend Spielraum für individuelle Ausgestaltung. Die Schaffung eines Grabmals ist unter allen Umständen eine künstlerische Aufgabe. Alan sollte darum nicht, wie es heute geschieht, sich aus den Vorlagen eines beliebigen Geschäftes ein Denkmal heraussuchen, sondern stets und ständig einen Künstler damit betrauen, der auf diesem Sondergebiete Erfahrung besitzt. Dann werden die zahllosen Entgleisungen, die man heute nicht nur auf jüdischen, sondern auf allen Friedhöfen findet, von selbst verschwinden. Ein von einem erfahrenen Künstler für einen bestimmten Fall entworfenes Grabmal wird auch stets erschwinglicher sein, weil damit die Gewähr für werkstoffgerechte und darum wohlfeilere Bearbeitung ohne weiter.es gegeben ist. Die Erweiterung des jüdischen Friedhofes zu Stettin, die dank der richtigen Erkenntnis dieser Dinge von der dortigen Gemeinde im Vorjahre in die Wege geleitet wurde, verspricht den Beweis des Gesagten zu erbringen. Stettin, den 3. April $20. bannig. Städtischer Friedhofsdirektor. Rundfchau. Versammlung des Vereins für die Interessen des liberalen Judentums in Nürnberg. Am 25. März hielt nach längerer Pause der Verein eine Versammlung im -Westsaale des Kulturvereins ab, welche sich eines zahlreichen Besuches erfreutes Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Erlanger, gedachte zu Beginn des verstorbenen ersten Vorsitzenden Direktor Moritz Gombrich, der den Verein begründet und durch warmherziges Eintreten für alle jüdischen Angelegenheiten, sowie durch sein ftiedfertiges und ausgleichendes Wesen dem Verein zu hoher Blüte verhelfen bat. Dr. Erlanger berührte in seinem Referat die zahlreichen Fragen, welche zur Zeit die Iudenheit bewegen und führte in der Hauptsache folgendes aus: Die liberalen Juden stehen fest zürn Judentum, bewahren ihm die Treue und verurteilen jeden . Abfall vom Glauben. Die religiöse Erziehung soll und muß ein Hauptbestandteil der Erziehung unserer Kinder bilden. Darum sollen die Kinder, obwohl nach dem Gesetz kein Zwang besteht, am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen, welcher ohne überflüssigen Ballast für die Kinder eine Belehrung, Anregung und Erbauung sein soll. Wir sind gegen jede religiöse Absonderung unserer Kinder, wir wollen keine Konfessionsschule und keine konfessionellen Schulklassen, unsere Kinder sollen mit denen der Andersgläubigen aufwachsen und verkehren, damit nicht in jungen Jahren schon Scheidewände zwischen den Konfessionen aufgerichtet werden. Werden wir aber durch die Verhältnisse zur Errichtung eigener Volksschulen gezwungen, so sollen diese neutral sein, nicht orthodox oder zionistisch. Wir bekennen uns in Ciebe und Treue zu unserem Vaterland, obwohl uns dies in diesen Tagen recht -schwer gemacht > wird. Aller Haß wird uns in dieser treuen

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