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Liberales Judentum · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 27

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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Felix Freudenthal: Der jüdische Friedhof 27 In ' Kr gehört kein Jude nur äußerlich dem Judentum an, wenn auch bei vielen dies der Fall zu sein scheint: Der ganze Vorstellungskreis, das ganze Gemütsleben wird chm vom Judentum gebildet, die Phantasie wird vom Juden-' tum von Kindheit an befruchtet, es wirft den Glanz der Poesie von Kindheit über das Alltagsleben. So baut sich die Gemütswelt auf, und wer aus dem Judentum austritt, zerfrört diese Welt, ohne sich eine andere ebenso -reiche und schöne aufbauen zu können. Sein' Gemüt wird gleichsam heimatlos, denn man kann nicht ein zweitesmal in eine Heimat hineingeboren werden, nicht noch einmal die Kindheit durchleben. Dies gilt selbstverständlich für jede religiöse Gemeinschaft. Nur der darf und muß aus seiner religiösen Gemein- . £ 1 schaft austreten und eine andere Reli-;f; 1 gion bekennen, der von der Wahrheit des -f) 1 neuen Bekenntnisses überzeugt und durchbrungen ist. Das Eintreten für die Ueber- J 1 zengnng gibt dem Geyrüte einen reicheren In- % 1 halt als altes andere. Man opfert aus ,J|| Ueberzeugung alles, man geht um der Ueberzeuaung willen ins Exil und opfert Heimat | und Vaterland, man geht in den Kerker Und AI opfert Freiheit und Vermögenman läßt sich /. j j foltern und töten und opfert Gesundheit und A I Vermögen. Der Heroismus der wahrheits- *f [ j Überzeugung und die Heiligkeit der Gemütsf 1 Welt haben das Judentum erhalten und wer-! Al den es erhallen. 1 j Oer jüdifche friedhof. I. Entgegnung von Felix Freudenthal-Berlin. ITNert irrt November/Dezemberheft v. I. (S. 85 ff.) dieser Monatsschrift enthaltenen Ausführungen über angebliche Klassenfriedhöfe unserer deutschen Glaubensgenossen, kann keineswegs überall ibeigepflichtet werden. Richtig ist, daß wir Juden das Andenken teurer Verstorbenen besonders Hochhalten und daß wir nicht bloß an Gedenktagen, sondern bei allen wichtigen in unser Dasein tiefeinschneidenden Ereignissen mit Vorliebe jene Stätten aufsuchen, wo unsere entschlafenen Angehörigen zur ewigen Ruhe bestattet sind. Grade aus diesem Gefühl der iZusammengehörigkeit auch nach dem Tode entspringt bei uns der Wunsch, den Heimgegangenen, mit denen wir in Treue und Liebe verbunden waren, ein ihrer würdiges Denkmal zu errichten und die Erinnerung an sie durch Blumen und Tafeln, selbst durch Marmor und Gitterverzierung wach zu halten. Gewiß sind vor Gott alle Menschen gleich und der im Grabe ruhende Geheime. Kommerzienrat wird ebenso zu Staub Und Asche, wie der auf demselben Friedhof beigesetzte aller irdischen Güter bare Almosenempfänger. Aber wie die allgemeine Gleichheit unter Lebenden kaum je erreicht werden wird, so wird auch die Verschiedenheit der den Verstorbenen zu erweisenden letzten Ehren fortbestehen. Damit soll keineswegs aufdringlichem protzentum und ab-. stoßender Ueberladung in Friedhofsmonmnen- F ten das Wort geredet werden; derartiges Parvenügebahren an geweihter Stätte richtet sich s von selbst und wird von Niemand, der für! ernste und würdige Ausstattung von Grabv •! mälern Verständnis hat, gebilligt werden. h Wir wollen weder aus dem Gottesacker, wie dies auf manchem italienischen Tamxosanto der Fall, eine Art modernes Museum machen, -! noch nach französischem Vorbild überall die jj gleichen grauen schmucklosen Sandsteine sehen, . j; die in ihrer niederdrückenden Eintönigkeit gradezu einen abschreckenden und fast unheim-;j! lichen Eindruck Hervorrufen. Es soll aber nicht . j die Aufgabe eines Friedhofs fein) seinen Be- 5 such den Lebenden zu verleiden, sondern im Fs Gegenteil durch vielseitige künstlerische ernste 44 Monumente, verbunden nnt Pflanzen- und; Blumenschmuck, ihn zu einer vertrauten A Zufluchtsstätte, zu einem stillen Asyl in den Stürmen des Daseins', gleichviel ob für A! Reiche oder Arme, zu' gestalten. Ein Abbild I des heutigen Judentums, so sagt der Verfas- A'A ser wörtlich, nämlich statt Brüderlichkeit und |\- Gerechtigkeit, krasse erniedrigende Ungleich- N " heit sei auf unseren Friedhöfen zu finden. ** welche Uebertreibung, welche Verkennung der wirklichen Sachlage! Gibt es doch kaum eine f\ 1 zweite Religionsgemeinschaft, in der für Mitj tellose und Gebrechliche, für Kranke und t;' Sieche, für verschämte Arme und dürftige j! Hinterbliebene soviel geschieht, als bei den 4.

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