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Liberales Judentum · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 13

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Rundschau IS "laufe des Jahres bserr Dr. Salfeld aus Gesundheitsrücksichten gezwungen war, sein Amt als Schriftführer niederzulegen, wurde seitens des Vorstandes einstimmig Lserr Rechtsanwalt Dr. Rheinstein in den Vorstand kooptiert und es wurde ihm dcks Schriftführeramt übertragen. Linen außerordentlich großen Teil ihrer Tätigkeit entwickelten Vorstand und Ausschuß \ m der Frage des neuen Gemeindestatuts. ( Wie in der letzten Generalversammlung belichtet werden konnte,' hat unser verein durch zu Ende vorigen 'Jahres alsbald nach Revolution einberufene öffentliche Versammlung wieder die Initiative zur Neuregelung der Gemeindeverfassung ergriffen. 'Die Gemeindebehörden konnten sich nunmehr fauch der Notwendigkeit eigenen Vorgehens nicht mehr verschließen. Es wurde eine große Versammlung von 250 Mitgliedern berufen, die sich aus Delegierten sämtlicher, in der Gemeinde vertretenen Vereine zusammensetzte. Diese Versammlung wählte die soge- ''j "nannte Verfassungskommission, in welcher unser Verein durch die Herren Dr. Eduard Zaerwald und Dr. Rudolf Geiger vertreten taüar. Diese Rommission hat im laufe dieses Wahres in 22 Sitzungen und Z Lesungen den f Entwurf einer neuen Verfassung fertig gestellt, . der, nachdem er in einer Redaktionskommission die endgültige Feststellung erfahren hatte, auch die Gemeindebehörde passiert und niit geringfügigen Aenderungen die Zustimmung von Gemeindevorstand und Gemeindeausschuß gefunden hat. Es ist zu hoffen, daß dies von allen Beteiligter: mit hingebendem Eifer geschaffene Werk nunmehr baldigst die Grundlage für die neue Gemeindeverfassung geben werde und daß auf Grund desselben in aller Rürze die ersten auf demokratischer Grundlage beruhenden Wahlen zu den Gemeindebehörden stattfinden können. Auch mit diesem Verfassungsentwurf hatte sich unser Verein nicht nur in Vorstands¬ und Ausschußsitzungen, sondern auch in zwei Vereins-Versammlungen eingehend beschäftigt, in denen die Herren Dr. Merzbach und Dr. Baerwald referierten und über den Stand der Rommissionsberatungen eingehend berichteten. Aus 'der Mitte der Versammlung wurden damals verschiedene Anregungen gegeben, die zum Beschluß erhöbe-: und zur Renntnis der Gemeindebehörden gebracht worden sind, allerdings bei der Fertigstellung des Lrrtwurfs nur zum Teil Berücksichtigung gefunden haben. Endlich hatten Vorstand und Ausschuß des Vereins wiederholt Veranlassung und Gelegenheit sich mit der außerordentlich starken und unerfreulichen Agitation zu beschäftigen, die von orthodoxer Beite gegen den Bestand und die Art der Führung des f)hilanthropins in die Wege 'geleitet worden ist. In vertraulichen Rücksprachen auf dem Gemeindebüro wurde der diesseitige StandpuE mit Entschiedenheit vertreten und ebenso auch in offiziellen Eingaben beim Gemeindevorstand gegen die maßlose Agitation Stellung genommen. Es wird Aufgabe des Vereins ~ sein — entsprechend einem in einer Vorstands¬ und Ausschußsitzung gefaßten Beschlüsse — über diese Agttattonen sorgfälttg zu wachen und insbesondere Nachforschungen darüber zu veranstalten, wie die Unterschriften unter einer an den Gemeindevorstand von orthodoxer Seite gerichteten Eingabe zu Stande gekommen sind, bezw. aus welchen Rreifen dieselben stammen. Wahlen zum Ausschuß der Israelitischen Gemeinde werden in diesem Jahre voraussichtlich nicht stattfinden. Die Gemeindebehörden haben beschlossen, bei dem Herrn Polizeipräsidenten die Aufschiebung dieser ' Wahlen um mindestens ein Jahr zu beantragen, weil mit dem Inkrafttreten dev neuen Gemeindeverfassuna in aller Rürze zu rechne:: ist und alsdann nach Maßgabe der neuen Vorschriften allgemeine Neuwahl zur Gemeindevertretung Vorzunehmen sein werde. Das abgelaufene Jahr war somit auf allen Gebieten namentlich für Vorstand und Ausschuß' des Vereins ein recht arbeitreiches und war namentlich auf dem Gebiete der neuen Gemeindeverfassung auch von guten - Erfolgen begleitet. Aufgabe des Vereins - wird es in erster Linie jetzigem, durch ausgebreitete Werbetätigkeit die Mitgliederzahl entsprechend zu erhöhen, um alsdann unter der Herrschaft der neuen Gemeindeverfassung, die die Heranziehung eines weit größeren Rreises von Gemeindeangehörigen zuden Aufgaben der Gemeindeverwaltung ermöglicht, im Interesse des Liberalismus und des gesamten Judentums eine umfangreiche und feaensvolle Tätigkeit entfalten zu können.

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