Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Stettin, Januar 1920. Am 7. De* zember 190 referierte der Generalsekretär der liberalen Vereinigung, ^err Rechtsgnwalt Stern aus Berlin, über die dem libe- »alen Judentum von der gegenwärtigen Zeit- Lrge gebotenen Aufgaben. Er setzte die Notwendigkeit auseinander, gerade im fetzigen Augenblick, da die antisemitische Hochflut uns zu überschwemmen droht, unsre Glaubensgenossen unter dem Zeichen -einer geistigen Idee zu sammeln und fest zusammen^- fließen. Nicht als eine Kampforganisation gegen nationaljüdische Bestrebungen, wohl «rber als eine Gemeinschaft, die im religiösen Gedanken ihren Kristallisationspunkt sieht, Haben wir gegenüber dem Zndifferentismus und der Abtrünnigkeit, gegenüber Materialismus und Genußsucht den positiven Gehalt «ines geläuterten Glaubens, der sich mit den Forderungen einer geistigen Kultur eins weiß, zur Geltung zu . bringen. Die äußeren Gelahren, mit denen jeder Tag uns schreckt, Aehen allen vor Augen; aber schlimmer fast »och als diese ist der innere Zusammenbruch, der uns droht, wenn sich's herausgrstellt haben wird, daß von den zionistischen Blute«? . träumen, die einen großen Teil der heutige« Zugend locken, nur der allergeringste und bescheidenste Teil reifen kann. Die große-Ernüchterung, welche die unausbleibliche Folg»-, hochgeschraubter Erwartungen sein wird, mu notwendig Verzweiflung am Sinn des Zudrr tums überhaupt wecken, wenn nicht gerade de A Zugend unausrottbar der Gedanke eingepräg.! wird, baff es unwandelbare geistig religiöse Güter sind, mit denen wir stehen und fallen- Mögen die-Sorgen des Augenblicks und/der' Lärm des Tages diese in den Hintergrund' schieben: auf die Dauer werden wir nnij sein, wenn wir sie sorgsam pflegen, oder w^ werden überhaupt nicht sein. - , v. Die an dieses Referat sich anschließende! Debatte ergab als einhellige Meinung aller Teilnehmer die Notwendigkeit, unverzüglich in die Arbeit zur Neuordnung der Stettiner, Vereinigung einzutreten. Die Propagandatätigkeit, die sofort einsetzte, verspricht in ' unsrer. Gemeinde, die ja klassischer Boden des ‘ jüdischen Liberalismus ist, durchgreifenden Erfolg. i;f: Büdierfchau. Central Conference of American Rabbis. Yeärbook. Bd. XXIX. Cincinnati 1919. <136 Seiten. Dies interessante und bedeutsame Zahrduch, das nach Beendigung des Krieges auch Ar Deutschland wieder zugänglich ist, gibt «inen lebhaften Eindruck vom geistigen Le- Uen des amerikanischen Zudentums. Es ent- Hält außer den offiziellen Berichten und Sta- Lstiken des amerikanischen Rabbinerverbands und den Uebersichten der von Komitees und Kommissionen geleisteten Arbeit eine Reihe pon wissenschaftlich und literarisch wertvollen Aufsätzen, beispielsweise über den Völker- Vund von Taft, über die Mission Zsraels von Köhler, Rellgiöse Erziehung von Lefkowitz, die jüdische Gerechtigkeitsidee von Reichler u. a. m. Ein breiter Raum ist dem Gedächt- «s des verstorbenen Begründers der Organisation Zsaac M. lvise anläßllch seines hundertsten Geburtstags gewidmet. fiter lebt ein wahrhaft liberales Zudentum, das ist der Eindruck, den das Werk «uch schon nach flüchtigem Durchblättern hinterläßt. was. in Deutschland nur allzuoft Programm und papier bleibt, findet drüberr. seine Verwirklichung. Wenn der -Zionismus als einzige internationale Verbindung während des Krieges ütts glauben machen wollte,. daß er allein das amerikanische Zudentum beherrsche, so bildet dies Buch seine beredteste Widerlegung. Das amerikanische Zudentum ist durch und durch liberal in dem Sinne, wie wir es für unser deutsches Zudentum erstreben. _- Dr. Turt Nawratzki: Das neue jüdische Palästina. Züdischer Verlage Berlin 00- Preis geb. 8.— Mk. 282 Seiten' Ein erfahrener Nationalökonom, der durch ein früheres umfassendes Werk den Fachkreisen hinlänglich bekannt sein dürfte, veröffentlicht in diesem Buch die .Ergebnisse seiner bis in die allerjüngste Zeit hinein fortgesetzten Erforschung, des Landes, seiner geographischen, ethnologischen, kulturellen und, was den breitesten Raum einnimmt, wirtschaftlichen Verhältnisse. Seine durchaus nüchterne und klare Darstellung, die sich von