Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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M Rundschau. Dr. Rudolf Geiger: Auf dem Wege zu einer neuen Gemeindeverfassung ll Gemeindemitgkieder" und dem „Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben" Ver- -nnmlungen emberufen und Resolutionen gefaßt wurden, die in bestimmter Weise die anzustrebende Reform formulierten. Die wünsche der Gemeindemitglieder wurden in diesen Resolutionen zur Kenntnis der Gemeindebehörden gebracht; gleichzeitig aber beschlossen die beiden genannten vereine zur besseren Vorbereitung und rascheren Förderung der Angelegenheit ein selbständiges Vorgehen. Ls wurde eine von den Vorständen der beiden genannten Vereine beschickte gemischte Kommission von ^0 Rlitgliedern ernannt, welche sich nun ihrerseits der. Aufgabe unterzog, ein neues Gemeindestatut, oder wie es damals genannt wurde, „Lntwurf eines Gesetzes betreffend die Angelegenheiten der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M." auszuarbeiten. In jahrelanger und mühevoller Arbeit hat diese Kommission ihres Amtes gewaltet und, wie man ohne Neberbebuna sagen darf, außerordentlich Ersprießliches geleistet — nicht nur für die damalige Zeit und die unmittelbar zu bewältigende Arbeit, sondern auch als Vorbereitung für spatere Tag'e und insbesondere für das jetzt neuerdings in Angriff genommene und seiner Vollendungentgegengehende verfassungswerk. Ls ist erfreulich und erhebend zu konstatieren, daß in jenen Beratungen, die sich ununterbrochen vom Jahre $09 bis zum Ausbruch des Krieges hinzogen, die Beteiligten beider Richtungen.im hingebenden Eifer Und ohne jeden parteifanatismus, einzig ge-, leitet von dem Bestreben, ein Werk zu schaffen, das allen Gemeindemitgliedern in ihrem politischen und rcligösen Empfinden Rechnung tragen sollte, sich" der ihnen übertragenen Aufgabe widmeten. In zwei besungen wurde der Entwurf beraten und fertiggestellt. Er. wurde sodann den Gemeindebehörden vorgelegt mit dem Ersuchen, ihn zu prüfen und, falls er ihre Zustinnnung finde, den zuständigen Regierungsstellen zur weiteren Veranlassung vorzulegen. Vorstand und Ausschuß der Gemeinde haben sich der gleichen mühevollen Aufgabe unterzogen wie die beiden Gcmeindevereine und nach einer sehr eingehenden Beratung in den genannten Gremien gelangte der Lntwurf demnächst am sä. Dezember an die Vereine mit einigen, aber ziemlich unwesentlichen Aenderungen zurück — ein Beweis dafür, daß die Kommission in einer Weise gearbeitet hatte, die den Bedürfnissen der Gemeinde offenbar in vollstem Rlaße Rechnung trug, da auch die zuständigen Gemeindebehörden irgend welche wesentlichen Mängel an ' dem Lntwurf nicht gefunden hatten. ' / ' Nicht dagegen haben damals die Gemeindebehörden den beantragten weg bsschritten, diesen Lntwurf an die Regierung weiterzugeben. Sie überließen' dies vielmehr den Vereinen. Dies war, wie der Erfolg gezeigt hat, insofern bedenklich, als hierdurch tatsächlich das ganze Verfassungswerk in's Stocken kam. Die Folge der von den Gs^ meindebehörden befolgten Taktik war die, daß infolge der vorgenommenen, wenn auch unwesentlichen Aenderungen, der Entwurf nochmals in der gemischten Kommission dnrchberaten und sodann nochmals an die vereine zur Beschlußfassung gehen mußte, da man selbstverständlich der restlosen Zustimmung aller .Gemeindemitglieder sicher sein mußte, ehe nran an die Regierung mit Vorschlägen auf Aenderung der. Gemeindeverfassung herantretcn konnte. £jier ergaben sich nun leider einige Mängel, die zwar zum großen Teil behoben werden konnten, die aber in einem Punkte — nämlich der Stellung der sogenannten Ritualkommission und den Befugnissen des orthodoxen Gemeinderabbiners — zu sehr erheblichen Differenzen zwischen . den beiden Vereinen führte, so daß namentlich unter dem Einflüsse des damals toben- .den Nichttlnienstreites und seiner Folgen, innerhalb der Frankfurter Gemeinde eine Einigung zunächst trotz aller ernstlichen und selbstlosen Bemühungen aller Beteiligten nicht berbeigeführt werden konnte. Inzwischen brach der .Krieg aus. Die Arbeit kam in's Ruhen und als sie während des Krieges wieder ausgenommen wurde — es hatten mittlerweile auch die Kommissionsmitglieder zum Teil gewechselt — war es aus den gleichen Gründen immer noch njcht möglich, eine. Einigung zu erzielen. Innerhalb des Freisinnigen Vereins wurden nunnu.hr Erörterungen über die Frage eines selbstständigen Vorgehens angestellt.. Es wurden auch Beschlüsse gefaßt, die die Einreichung eines entsprechenden Antrags und Vorlage eines entsprechenden Entwurfs bei der Regierung durch den Freisinnigen ver-