Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t Rundschau. Dr. Rudolf Geiger: Auf dem Wege zu einer neuen Gemeindeverfasfung ' ° rre Rinder in der deutschen Schute sehr oft efuchen, Horen mit ihren Rindern die nämichen Sittenlehren, die Lehren der wohlnständigkeit, der Reinlichkett und verträgrchkeit. Lsätte man auch keine anderen Be-' oeise von dem ersten getanen Bckwitte zur Verbesserung ihrer Sitten; so ist dieser ein inleugbarer, daß diese Nation die Gnade >es Monarchen erkennt, die wohltätigen Wissenschaften, dieKür ihnen dienstfertig miteilen, mit Dan? annimmt und sie trefflich mtzt." In dem nächsten Bericht werden die älteren drei Lehrer der Prager Hauptschule: Simon Gunzenhausen, Minkas Rollin und Mofes Wiener, die wechselweise immer einen Monat die Direktion der Schule führen, mit - großem Lob bedacht, und es wird ihr nachgerühmt, daß sie immer noch, die Ehre hat,' „daß sie von fremden Israeliten besucht und ihre Verfassung von ihnen abgeholt wird". Im Jahre {78^ wurde eine Schule zur Ausbildung des weiblichen Geschlechts angelegt. Es war das Verdienst des probsts von' Schulstein und der Primatoren von .Prag, sie ins Leben gerufen zu haben. ,,^ü Mägdlein warfen sich gleich mit vielem Eifer in .den Schoß dieser öffentlichen Schule, hörten da moralische und zugleich erbauliche Erzählungen und sie wurden sittsamer; man machte ihre wißbegierde rege, und sie verlangten aus den Elementarkenntnissen Unterricht. Sie nahmen auch in wenigen Monaten im Schreiben, Lesen, Rechnen und in der Moral so zu, daß sie daraus eine öffentliche Prüfung mit vielem Beifalle aushielten. Das Große, was man dabei allgemein bewunderte, bestand in ihrem sittsamen Betragen und in der öffentlichen Ausübung der Landarbeiten, denen die heutige Israelitische Nation bis hierher nicht sonderbar geneigt war (?)." Besonders wird eines „Mägdleins", der achtjährigen Rachel weinfchenkerin, Erwähnung getan, die bei dev Prüfung durch ihre Leistungen so großes 2lufsehen erregte, daß man gegründete Ursache hatte, den Lehrer zu ermahnen, die Rräfte dieses Rindes. nickK zu überspannen. Lin glänzendes Zeugnis wird der Lehrerin Anna Ganz ausgestellt, die ihre Schülerinnen während des Lsandfertigkeitsunterrichtes durch Erzählungen und Gespräche nicht nur zu erbauen, sondern auch' an ein gutes, reines Deutsch zu gewöhnen suchte und sie überdies im Französischen unterrichtete. Die jüdischen Schulen werden als Pflanzstätten Literarischer Bildung und moralischer Gesinnung.gepriesen, und auf sie wird es zurückgeführt, daß man „itzt der Israelitischen Nation 'schon Mit mehr Achtung begegnet und mehr ihren Umgang liebt". Der Raiser belohnte denn auch die Lehrer für ihr ersprießliches wirken durch die Befreiung von dev jüdischen Ronsumtionssteuer. Es sei noch eines allerhöchsten bsofdekrets vom f8. Dezember s786 gedacht, wonach in Ansehung dessen, daß nach Anzeige des .galizischen Guberniums dort zur Besetzung aller Schulen bei den jüdischen Gemeinden noch sOf deutsche Lehrer erforderlich, diese aber im Lande nicht aufzubringen wären, die nötige Veranlassung getroffen werden sollte, daß sobald als möglich aus Böhmen geschickte, der deutschen Sprache kundige jüdische Lehrer nach Galizien zum Antritte dieses Schulamtes abgesendet werden, deren Gehalt in ^50 bezw. 200 fl. bestehen würde. Diese Lehrer verdankten ihre Bildung größtenteils der jüdischen Hauptschule . in Prag, aus' der „täglich mehr moralische Gesinnungen auf die Kerzen der Jugend und von dannen auf ihre ganze Gemeinde ausfließen". Rundfchau. Auf dem Wege zu einer neuen Gemeindeoerfaffung. Bon Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger in Frankfurt am Main. ls erste der jüdischen Großgemeinden hat Frankfurt am Main es unternonlmcn, sich eine neue, den modernen Anforderungen entsprechende Verfassung zu geben. Dieses Bestreben ist nicht eine Folge der Revolution. Die Frankfurter Gemeinde kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die Notwendigkeit zur Umgestaltung ihres Verfassungslöbensbereits zu einer Zeit erkannt 'zu haben, als noch niemand an eine politische Umwälzung dachte. Die Anfänge der Bewegung liegen Jahrzehnte zurück. Daß man gerade in Frank-