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Liberales Judentum · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 87

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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Dr. I. B. Münz: Kaiser Josef II. und die IudenschukL 'in Prag 87 Kaiser Jofef II. und die Judenickulen in Prag. Von Dr. b. B. Münz- Wien. en seit dem Jahre \782 in den prüfungseinladungen enthaltenen Berichten über die „deutschen Schulanstalten zur Ausbildung der Juden in Böhmen" entnehmen wir, daß die Judengemeinden, msbesondere die in Prag, die reformatorischen Bestrebungen Kaiser Josefs, dem, um mit Grillparzer zu sprechen, der Glaube Eins war, wie Recht, wie Mensch, wie Gott, aufs kräftigste unterstützten und es durch Geldopfer sowohl, als auch durch persönliche Anteilnahme dahin brachten, daß die Judenschulen das' gleiche Ansehen gewannen wie die anderen Öffentlichen Schulen. Am 2. Mai \782 ward m präg dank den Be- «mhungen des primators Gabriel Frankl, der Gemeindealtesten Markus Salomon Lidlitz und Lazar Grünhut und des Vberrabbiners, dem der Kaiser in Würdigung seines Eifers die allerhöchste Zufriedenheit aussprach, die Hauptschule der Juden in feierlicher weise eröffnet, und die am 5. September vor der Schulkommission und deren Präsidenten Karl Graf von Llary dort aöge- . Haltens Prüfung üertraf alle Erwartungen. „Aus dem moralischen Unterrichte, aus der Schönschreibkunst und vorzüglich aus dem Rechnungsfach taten sich die Lehrer und die ^Schüler besonders hervor." weiter heißt es: .„Da die Vorsteher der Stadt- und Landsudenschaft die- Betreibung des Unterrichts ihrer Jugend nach Maßgabe der allerhöchsten Willensmeinung sich, besonders haben angelegen sein lassen: so hat das hochlöbliche tandesgubernium nun denselben die hohe Zufriedenheit hierüber durch ein eigenes Belohnüngsdekret zu erkennen gegeben. — Nachdem nun diese Israelitische Nation, an deren moralischen Ausbildung (ja gar oft an der Möglichkeit derselben) man seit (8 Jahrhunderten beinahe verzweifelte, selbst dazu die Hände bietet, ohne Zwangsmittel zu einem menschenfreundlichen Institute Übertritt und fid] einer vernünftigen Leitung überläßt: so läßt sich auch nicht mehr an dem guten Ersolge oder an der moralischen Ausbildung derselben zweifeln. Und wenn sede Nation nach dem ordentlichen Laufe so ist, wie sie erzogen, unterrichtet und geführet wird und das Wohl derselben ebenso wie das Wohl des ganzen Staats won der Reinigkeit der Sitten und von der Aufklärung des Verstandes als ^aus zworn fruchtbaren Quellen entsteht: so hat die jüdische Nation ein Glück, welches ihre Väter nicht gehabt; und Se. Majestät der Kaiser hcLen durch den bessern Unterricht der Juden die erhabenste und zugleich menschenfreuEchste Absicht erreicht, auf deren Ehre keinsr der Durchlauchtigsten Vorfahren und keinsr der größten Könige der Welt bis hierhsr einen Anspruch hat. Dieser wohltätige ZriG der Menschheit war von der Vorsicht der Regierung Josephs H. Vorbehalten." Bei der zweittn Prüfung, die am 27. März \783 statG-md, zogen die in so kurzer Zeit verbesserte Mundart der Schüler und die Fertigkeit derßslben in verschiedenen, auch höheren Rechnungsarten die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich, und Lehrer und Schüler ernteten allgemeines Lob. -,Die An-'und Dankreden, dar Dialogen'und andere moralische Erzählungen trugen die Schüler mit Anstand' und Empfindung vor. Manches Vater- und Mutterhenz überfloß unter den anwesenden jüdischen' Eltern vor Freude und erkannten die Größe der kais. königl. Wohltat aus dem Glücke drr Kinder, welches sie und ihre Voreltern Mcht genossen. Ihre Kinder lernen und fühLn jetzt die Rechte des Menschen und des Bagers, die sie / vormalen kaum von Ferne kannten." Jeder Fremde vsckieß die. Schule mit ganz besonderer Zufriedenheit, und die 'von Frankfurt am Main nach Prag gekommenen Juden verpflanzten die Schulverfassung der Präger Iudengemeinde in ihre Heimat. Die provinz blieb hinter der Hauptstadt nicht zurück. „An.vieLrn Orten bricht nun bei der Israelitischen Nation der Tag an. Täglich wird in den Jüdengemütern die edle Begierde, ein rechtschaffener Bürger zu werden, entflammt und Die Größe und würde, .es zu fein, noch inehr erkannt. Die Blenderung, die man seit einein Jahre allenthalben ... in den jüdischen Gemeinden wahrnimmt, macht den Lehrern, dan Schulinftitute Ehre und verewigt den allcadurchlauchtigsten Stifter desselben. Die Mischen Eltern, die

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