Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Itzig: Der jüdische KlassenfriedHrf 85 Betrachtungsweise. Damit werden wir das Judentum nicht auferbauen. 9- Welche untergeordnete Stellung nimmt S. (2 Nr. 7 der Messiasglaube und dessen Erklärung ein? Ist. er nicht der ganze Inbegriff des Judentums?- \0. ad 5. Die Bedeutung des Jom hassikoron als Roschhascbonoh hängt mit der Grundbedeutung des Tages als Tages der Vorsehung (der Huldigung) zusammenr Auch in dieser Beziehung erlaube ich - mir auf die Auffassung unseres Gebet- Küchleins zu verweisen. Im Ganzen erwarte ich, daß. die Reform- ^genosfenschaft, wenn sie ihre Prinzipien ausfpricht, dieselben in derjenigen glaubensernsten Sprache darlegen werde, welche ihrem ersten Aufrufe vielen Anklang gebracht hat. — Ich habe mich bei meiwn Bemerkungen nur auf diejenigen Punkte eingelassen, welche mir einer genaueren! prinzipielleren Bestimmung erforderlich schienen und wollte, wie gesagt, hier kein reiflich erwogenes, eigentliches Votum abgeben. Die Art, wie Sie die-Sabbat- und BeschneidungHrage behandeln, müßte zu mehrfachen BemerkungenEinlaß geben. Entweder — oder. Nach ihrer Ansicht wäre Stillschweigen das Beste. Sie werden mir auch gefälligst nickst verübeln, daß ich nreine Meinungsäußerung fp kurzweg, mit Umgehung aller HöfliiMitsformeln, der ihrigen entgegengesetzt hab^, vielmehr hierin ein Zeichen der Hochachtung erkennen, mit der ich verharre Ihr ergebenD Dr. Jakob Auerbach. Oer jüdifche Klaffenfriedhof. Von Hermann Ißig-FalKenburg. n stillem Gedenken verweilte ich an der Stätte der Toten. Meine Andacht ist hier draußen stets inniger und gehobener, als im Tempel. Mir ist der Besuch der lieben Ruhestätten und meine Andacht an ihnen immer mehr wert gewesen, als das Zersägen vorgeschriebener 'Gebete. Nicht pflichtmäßige Pietät allein muH uns andachtsvolles Gedenken an den weihevollen Plätzen nahelegen, nein, mehr noch starker seelischer Drang, der uns zur stillen Zwiesprache mit den teuren Entschlafenen treibt, zur ehrfürchtigen Verneigung vor der Majestät des Todes, vor der Urmacht der göttlichen Natur. So ging ich in stillem Gedenken die lVege zwischen den Grabreihen, plötzlich '.legte sich mir's wie etwas peinliches. Beschämendes, Andacht Störendes auf die Seele. Ich befand mich in der Reihe der Gräber {. Masse. Hier auf dem Großstadt- Friedhof zeugten wuchtige Gitter und protzenhaste Grabdenkmäler, daß an dieser Stelle die Gräber der Reichen sich befanden. Insonderheit wirkten die mit vor- und Aufbau versehenen und mit Säulen verzierten Denkmäler geradezu aufdringlich, für die heilige Stätte des Todes ärgerlich provozierend. Dahinter in den Reihen der 5., und 5. Masse zeugten gitterlose Gräber und einfache, würdige Grabdenkmäler davon, daß hier die Armen, die das Leben wahrscheinlich nicht „schlau" «genug auszrseuten verstanden, ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Bitterkeit erfüllte mid> ob dieser krassen Gegensätze im Angesicht des Todes. Ich vernahm im Geiste das Wort: „vor GMt sind alle Menschen gleich!" Ich weinte fast in der Erkenntnis, daß unsere Zwischen Brüder diese Gegensätze, diesen elenden Klassenkampf im Tode noch zum Ausdruck bringen konnten. Mußte das sein? Ist das historische Judentum und sein ethisches Prinzip der Gleichheit aller vor Gott nickst ein lebendiger Protest gegen diesen tieftraurwrn Unfug? Aber nicht allein vom jüdischen, auch vom allgemein-mensckstchen Standpunkt aus kann es nichts anderes als eine Verurteilung des Klasse n~$ ried Hofes geben. Woher nimmt der Rüche sein angebliches Recht her, sich im Töde so protzenhaft zeigen zu können, wie im LÄen? Warum soll der Arme auch im Tode noch zurückstehen? Die Gemeinden haben eiinr große Schuld auf sich geladen, daß sie den geschilderten Zustand sanktionierten. Kleine und nüttlere jüdische Gemeinden weisen dcLgleiche Friedhöfsbild auf, nur ist es bei den großen am auffallendsten. Das Bild des hurtigen jüdischen Friedhofes zeigt ein tvpsthes Abbild unseres