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Liberales Judentum · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 84

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Dr. Jakob Auerbach über den Prinzipien-Entwurf der jüdischen Neformgemeinde zu Berlin ° ° Worte zu wühlen, die ungefähre Erklärung des Begriffs, den Sie damit verbinden, ohne das, was sonst unter demselben verstanden wird, zu berühren.) Endlich aber auch kann das, was „aus "der Religion der Juden entnommen, wie fortentwickelt" wird, nicht Judentum »sein. Judentum soll ja eben die Religion der Juden (wenn diese Erklärung ausreichte) sein. Die Genossenschaft will ja das wahre Judentum für alle Zeit, nicht einen/ bloß aus demselben gezogenen Extrakt von Grundlehren usw. usw. Diese, an sich nur formale Erklärung.ist eigentlich eine Tautologie. Hier müßte auf das Sachliche singe-' gangen und besonders auch die religiöse Bedeutung 'der Geschichte des Judentums ^ervorgehoben werden. 5. „offenbar gewordenes Gottesbewußtsein" ist 'cm ebenfalls ungehöriger Ausdruck. Eine Definition der Offenbarung aufzustellen, ^scheint.mir überhaupt dem Geiste des Judentums nicht angemessen. Den Glauben an eine spezielle providenz, wie sie sich zumal im Judentum zeigt, vorausgesetzt, müssen wir eine Veranstaltung Gottes für die religiöse Erkenntnis der Menschen konsequenter weise annehmen. Dieser Glaube an sich ist Grundartikel unserer Religion — das Wie? bleibt. dogmatisch unbestimmt, weil das Judentum mit' Recht über die Art und Weise, wie Gott wirkt, keine Dogmen aufstellt. Möge es der individuellen Auffassung der Gemeinde usw. überlassen bleiben, nach ihrer. Anschauung dieselbe zu fassen oder ganz unerörtert zu lassen, wichtig aber ist der Glaube, daß die Grundprinzipien des Judentums für alle Zukunft dieselben bleiben, und daß andrerseits auch in unsrer Zeit noch der Geist .Gottes in feinen Veranstaltungen und Fügungen unseres Gebens wirke und sich offenbare. warum haben Sie das Prinzip der Tradition, beseitigt? Messing, an den Ihre Bemerkung S. 7 erinnert, hat gerade auf^ dieses Prinzip gefußt. Die Bedeutung der.heiligen Bücher, welche, der Kindheit des Menschengeschlechts angehörig, den religiösen Geist in seiner ganzen Fülle -irnd Unmittelbarkeit, wenn auch nicht vollkommen entfaltet, und durch Zeitverhältnis ^bedingt, enthalten, und welche darum die ewige Jugendkraft des Menschengeschlechtes immer von neuem erwecken sollen und können, — diese Bedeutung der biblischen Bücher ist nicht gründlich genug bezeichnet. 5. Das Judentum bloß in den Lehren der Bibel zu suchen, ist einseitig. Das Gesetz ist eine ebenso inhültreiche, oft noch bedeutungsvollere Manifestation desselben. Diesen Punkt nach meiner Ansicht zu entwickeln, . würde hier zu weit führen. Nur so viel will ich bemerken: das Judentum will keine bloß abstrakte Religiosität, sondern Betätigung derselben im Leben nach allen Beziehungen. . * . ■ 6. ad II. Nr. 3 als Grundlehre aus Roheleth (!) scheint mir unpassend. Ist nicht d62elsm elohim usw. genug? — Nr. H weowdehu — „bete ihn an"? Ich pflege bei meinem Unterricht folgende Stellen obenanzustellen: s. Grundlehre: Schema Jisroel, 2. Grundgebot: weohawto es adonoi elohecho. 3. Oberstes Gebot für mich selbst: am el schaddai hishalech lephonai wehjeh somira und bonim attem. Gegen die Nächsten: weohawto lereacho komocho. 7. S. s0, ad § 2. Das Wesen des Gemeindelebens müßte nach memer Ansicht inniger gefaßt und besonders in seiner praktisch-sittlichen Beziehung zum Bewußtsein gebracht werden. Statt aller Auseinandersetzung verweise ich auf den bei der 3.. Rabbinerversammlung von mir gestellten Antrag, die religiöse Tat, oder die tätige Liebe im Judentum betreffend. Hier liegt der Boden aller Reform im Judentum der Neuzeit noch ganz unbearbeitet. Reine Reform wird Lebenskraft beweisen, so lange sie nicht den sittlichen Geist ganz in sich aufnimmt, ihn verwirklicht. Das Judentum will die Verwirklichung desselben, wie z. B. der ganze Pentateuch zeigt. Was ist Gottesdienst?, wie kann das Bewußtsein Gottes in unsrer Zeit wieder lebendig werden, daß wir uns ihm nahe fühlen? Das sind die Rardinalfragen. vergleichen Sie in dieser Beziehung gefälligst auch Nr. 53 und 7s der von Jost und mir herausgegebenen Gebete. 8. Auch die Erklärung S. \\ ad § 3 befriedigt mich nicht. „Seine besondere Vorsehung .-in der Zerstreuung" ist mir nicht ganz deutlich. Hat er es mir in der Zerstreuung dargetan? In dieser Fassung liegt noch ein Rest des in Ihren Gebeten ausgesprochenen Dankes für die Zerstreuung; nach meiner Ansicht eine übertriebene, halbwahre

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