Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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•® Dr. Jakob Auerbach über den Prinzipien-Entwurf der jüdischen Reforrrgemeinde zu Berlin 83 arbeitet und jgekämpft hat, früher und stärker sich hätten durchsetzen können. Darüber mag die Zukunft entscheiden. Mir aber, die ihn gekannt haben, werden ihn nie vergessen. „Er war ein Mann, nehmt alles^ nur in allem." Das liberale Judentum Deutschlands aber darf stolz darauf sein, ihn besessen zu haben. Or. Jakob üuerback über den,Prinzipien-€ntroiäif der jüdifchen Reformgemeinde zu Berlin. (Vorbemerkung der Redaktion.) Folgendes Schreiben ist uns von Herrn Iustizrat Dp? Auerbach, dem Sohn des Briefschreibers, zur Verfügung gestellt worden mit dem Bemerken, daß er nicht wisse, ob der Brief in dieser Form an den Adressaten abgegangen oder ob es sich nur um einen Entwurf handle, der gar nicht zur Ausführung gekommen fei. Wie dem auch fei, in'jedem Falle ist der Inhalt des Schreibens wie auch die Persönlichkeit des Briefschreibers an sich, fo bedeutungsvolldaß sich die Veröffentlichung rechtfertigt. Rebenstein in Berlin. -Frankfurt a. M., 2\. Oktober (8H7. Sehr geehrter Herr und Freund! Recht sehr muß ich um Ihre gütige Entschuldigung bitten, daß ich Ihre beiden werten Zuschriften so lange unbeantwortet ließ. Ich denke indessen, .daß Sie mir die Auseinandersetzung meiner Entschuldigungsgründe um so lieber erlassen werden, als wichtige Fragen Sie und Ihre Freunde in diesem Augenblicke bewegen. Möge Gott sein Gedeihen zu dem Merke geben, daß ein fruchtbarer Reim ausgestreut werde, der Ihrer Gemeinschaft eine dauernde und heilsame Einwirkung auf die Gestaltung unserer Angelegenheiten sichere. Mie gern wäre ich bei den Beratungen erschienen, um auch meinerseits mein Scherflein beizutragen! Aber abgesehen von meinen Berufsgeschäften, welche mir zur jetzigen. Zeit eine derartige Reise beinahe unmöglich machen, so bin ich außerdem auch noch durch persönliche Umstände abgehalten, gegenwärtig auf längere Zeit mein Haus zu verlassen. Ihren „Prinzipien-Entwurf" habe ich erst diese Moche erhalten und kann ich daher meine Ansicht über denselben nicht so vollständig und gründlich äußern, als die Wichtigkeit des Gegenstandes mir zur Pflicht machen müßte. Nur reinige Bmrerkungen, wie sie mir gerade am nächsten Degen, mögen Sie gefälligst als Zeichen drs Interesses, mit welchem ich Ihnen gefolgt bin, hinnehmen.! Die Fassung der Prinzipien, welche die Genossenschaft aussxuicht, müßte, meiner Meinung ' nach, in dar Art gehalten und beschränkt sein) daß sie,, freilich nicht in bloß negierender Meise, nur dasjenige zum klaren und bestimmten Ausdruck brächte, was die Reform des Judentums angeht. Mer will das Judentum defimWrn, das heißt seinen ganzen, durch eine vieltausendjährige Geschichte ' entfalteten tieiftn Inhalt in einzelnen Sätzen erschöpfen? Mie soll eine Einigung hierüber erzielt werdem? 2. Ganz abgesehen, von dein ungehörigen Ausdruck: „Mir wollen: Glauben ufw. (statt: wir bezwecken oder etwas ähnlichem), so erscheinen gleich anfangs Ihre Definitionen vom Glauben usw. isihr mangelhaft. Ist Glaube die Annahme einer von den Vätern uns überkommenen Voraussetzung, oder speziell von dem Dasein eines einzigen unendlichen Gottes? Der GKmbe in seiner Munderkraft ist etwas ganz anderes im Menschen. Und „einziger, unendlicher Gott" — was ist damit gesagt? Jedenfalls müßte die Idee der Vorsehung, mit welcher aller Glaube, alle Religion, steht oder.fällt, die‘ der Idee Gottes erst eine, dem Menschen nahe liegende Bedeutung gibt, mit in diese ^Definition' ausgenommen sein. Die Rlassifikatton in, .der „Bemerömg" beweist nichts. Wenn eine Genossenschaft für d) * und e) berechtigt sein soll, so muß erst — bei der Gründung derselben — der Beweis für a) geliefert sein. ,,j)osi!tiive Religion" ist ungefähr dasselbe, wrs Sie als Glauben definieren. Sie ist die vorhandene Gestaltung oder die in der Gegrnwart wirkende, aus der Vergangenheit gewordene Betätigung des religiösen Gebens. (Ich gebe hier, ohne die