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Liberales Judentum · 1919-09-01 · Heft 9-10 (September 1919) · p. Seite 73

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 9-10 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 73 (sequence 9)
Language
German
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Dr. Küttner: Szenische Bilder aus der jüdischen Geschichte. L Maimonides 73 Du ruhst in Ihm, der wackren Kämpfern Sieg und Frieden ist. IDofji Dir, Du seines Glaubens edler Sohn! — — — Ihr toten Brüder! Wenn wir von dieser Stätte einen Gruß Euch senden in jene Grabesnacht, die Euch umfängt, wißt: Ihr seid nicht verlassen, nicht vergessen. In Stolz und Schmerz vereint, so halten wacht an Euren Gräbern Glaub' und Heimat. Daß wir auch einst, wenn unser Ende naht, als ihrer wert gleich Euch befunden werden, dazu verhelf uns Euer Angedenken. . ' * SzeniTdie Bilder .aus der jüdifchen Gefchichte. Von Professor Dr. Kuitner-FranKfurt a. M.*) 5. Maimonides (U55—^20^). . a; In Montpellier, . Personen: Abraham ben David aus Pos- - quiöres, ' R. Salomo ben Abraham aus Montpellier, David ben Saul aus Montpellier, ' . R. Jona aus Lunel, R. pmd\as bexi iMeschullam aus 1 . der Provence (Lunel) und andere. -Zelt: -gegen Ende des \2. Jahrhunderts. Abraham. Geliebte Brüder, die 'ihr meinem Ruf Gefolgt, ihr wißt, warum ich euch berief. Denn weh! Und aber weh! der Zeit, In der die größten Geister Israels Das Gottesvolk zur Ketzerei verführen! Und weh! und -aber weh! der bösen Zeit, In der man die Philosophie erhob Zur Herrin und zur Richterin der Thora! — Den Anstifter des Unheils kennt ihr ja: Es ist. der Söhn des Maimon, dessen Schriften Die besten unsres Volks begeistert lesen. . . Soll das noch weiterhin geduldet werden? Stillschweigend gar noch gutgeheißen werden? Euch leg' ich dies ans Herz und frage euch: wie können wir dem Schaden Einhalt tun. Der unsrem heil'gen Väterglauben droht? Jona. Die Wahrheit hat noch allezeit gesiegt. Und Irrtum ging stets an sich selbst zu Grund. So laßt uns zeigen klar, wo Maimons Sohn Geirrt, damit er widerrufe; und Er wird nicht zögern, solches auch zu tun. Abraham. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich leugne nicht, ’ *) Siehe 2. Jahrgang 2. 13, 3. I. S. 59, 4. I. ©. 181, 5. I. S. 209. Daß manches, was or sägt, vortrefflich ist. Doch hat er oft genug des Talmuds Sijnn Nicht tief genug erfaßt- Verhängnisvoll ward leider die Philosophie für ihn; Nur ihr entstammt so manche Ketzerei, Die wir beklagen — und bekämpfen müssen. Und sehet doch den Hochmut dieses Mannes: Tut er nicht so, als ob er die Gemara Müßt' übersetzen ins hebräische? Und dabei geht's wie jedem Uebersetzer, Also auch ihm, daß er den Sinn „entstellt. Jana. Ihr weisen, seid vorsichtig mit den Worten! Maimunis Absiast ist gewiß nicht schlecht. Und hoch und hehr H sicherlich sein Ziel. . Abraham. Ich geb' es zu, daß Mt die Absicht war; Allein, er ist auf Abwege geraten. Pinchas. Ist das etwa auch eine'gute Absicht, Daß er die stUischnaUehrer gar nicht nennt. Damit sie in Vergessenheit geraten Und nur allein s ein Name -übrig bleibt? Jona. Der Name ist doch noch kein Argument, Auf ihn nicht, auf die Sache kömmt es an! Im übrigen hat selbß der heil'ge Nab Die Mischnasätze, Überlieferungen Der früheren Gelehrten bis auf Moses » Auch ohne Namennemnung aufgenommen. Pinchas. Belege aus dem Talmud oder gar Aus andern Schriften hat er sich geschenkt. David. Er maßt sich an, den Talnrud zu - ersetzen! Jana. wer seine Einleitung zur Mischna liest, Aufmerksam liest, macht diesen Vorwurf nicht. Abraham. Wir wollen uns doch nicht im Streit erzürnen! viel Schlimmeres Hab ich ihm vorzuwerfen.

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