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Liberales Judentum · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 62

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 62 (sequence 14)
Language
German
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Dr. Eeligmann: Oon der inneren Krisis im Zionismus io schroff Lbgelehnten religiösen Zionismus. IudcM der Zionismus aber fortschreitend über Wh binanswächst und ein Kienes übernationrLrs Ziel zum Inhalt und Kern feiner BeMgung nracht, hört er auf, Zionisnms zu Mn und befindet sich auf dem Weg zu oder stM bereits mitten in einem neuen Sein. Sein Name ist nur noch Selbsttäuschung oder Irre^rung. Dies ist die innere Krisis, die vielen noch latent, den tieferbtickenden aber mit hellsichtiger Klarheit den Zionismus durckgchüttert. Die Aufdeckung dieser inneren Krisis ist die Aufgabe, die sich die bedeutsame Schrift: ^Judentum und Zionisnms" von Eduard SSrauß*) zmn Ziel gesetzt hat. Diese Schrift beschäftigt sich weder mit dem politischen odör hmnanitären wesen des Zionismus noch mit seinem Gedankensystem, sondern sucht chren Standpunkt jenseits der Zeitlichkeit und Räumlichkeit der Bewegung. Nur gelegentlich und dmm beinahe verschämt streift der Verfasser das Realpolitische. Nicht um Mmr geht es ihnr, sondern um den Zionismus, sticht um die Realitäten urrd verwirklichungsniöglichkeiten, sondern um die Motive, die aus jenen letzten dunkeln Liefen der Seele entspringen, wo die geistige Einstellung Zu den „werten", die Nangsetzung der werte ihre stille bieimat hat. Und so gräbt der'Verfasser nach den tiefen tragenden Fundamenten, den seelischen Grundlagen und Willensmotiven des Zionismus. Denn nicket vom Intellektualismus aus, sondern nur von diesen letzten Tiefen aus kann Wesen und TragLraft jeder Erscheinung, erkannt und der Standpunkt für Zustinnnung oder Ablehnung gewonnen werden. So wird die Auseinandersetzung mit dem Zionismus zu einer Art von psychologischer Erkenntniskritik. Sie sucht eindringlich zu verstehen'und Verständnis zu wecken und mißt die gewonnenen Resultate cm dein Rang der Werte. von diesem Standpunkt aus erörtert der - Verfasser in knapper, vielfach fragmentarischer geschlchtsphüosophischer Untersuchung die Ideologie des Zionismus und gibt eine glänzende Analyse seines Werdeprozesses. Zionisnms, zeitlich und kausal heroorgegangen aus dem „negativen" Motiv der *) .Judentum und Zionismus' von Eduard Strauß. Z. Kauffmänn Verlag, Frank- Reaktion auf den Antisemitismus und dem' Bewußtwcrdeu der Iudennot, und aus dem „positiven" Motiv der Notwendigkeit und des inneren Triebs, die Abstraktion gewordene Iüdischkeit mit Sinn und konkretem Inhalt zu erfüllen und so die verlorene Einheit von Judentum und Iudeuheit wieder zugewinnen, — dieser Zionismus ist ein „Werden von unten", nicht von oben. Ihm ist Judentum nichts Gegebenes, Geoffenbartes, aus nietaphysischen (Quellen Genährtes, nichts Geistiges, sondern etwas Natnrhaftes, Blutgegebenes, vitales; wohl auch etwas Seelisches neben dem völkischen, eine Kulturgemeinschaft, ja selbst eine Religion. Aber Seele, Kultur, Religion nichts weiter als ein entwicklungsgeschichtliches Produkt - des volkhaften. Nicht . Judentum als Lehre und Leben ist der.Sinn unseres Seins, sondern Iudenheit, die sich eine Seele sucht oder aus sich triebhgft eine Seele entwickelt. Ts ist nicht mehr der Geist, der sich den Körper, sondern der Körper, der sich den Geist baut. Dies war der weg. des Zionisnurs. Zuerst eine Iudeuheit, die sich selbst als Maßstab alles Werthafterl am Iudentrrm setzt. Dann die Erkenntnis: Iudenheit ist ein zu inhaltleerer Begriff, eine Abstraktion, „wie wird die Iudenheit ein Volk, eine natnrhaft gebundene Lebensgemeinschaft, an der und ans der eine Nation als Kulturgenreinschaft erwächst?" Antwort: „Der natürliche Mensch rnuß zum Maß aller Dinge werden: Und znrrr jüdischen Volk hat nurr der Zionismus den jüdischen 21Xcitfcbcii hinzu entdeckt." Dieser jüdische Mensch kann aber nickst der europäische, assimilierte, aufgeklärte, rationalistische, glauben-arme Indo des Westens fein, sondern der jüdische Mensch des Ostens, bei dem noch charakteristische Individualität, eigene Volkskultur, gelebter Glaube urrd die Urkräfte der Mystik vorhanden sind. So ninnnt die Iudeuheit das Judentum des Ostens als völkische Kultur in sich auf. Krönenden Abschluß dieser neuen Einung von Iudenheit und Judentum soll, die Wiederbelebung der hebräischen Sprache bilden, die als Volkssprache irn wiedergewonnenen Zion neu. ertönen soll. So entsteht der romantische Glaube an das Volk, genährt und unwillkürlich beeinflußt von den Tendenzen des geistigen Lu roxa der Gegenwart: denn, so parador es

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