Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3126481-3126593-3126597--2486-3129341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»» lDr. Seligmann: Oon der inneren Krisis im Zionismrs 61 sitzungen mit beratender stimme zUgezögen und zu sämtlichen Repräsentantensitzungen emgeladen, ivo er das Aecht erhält, wie ein Vorstandsmitglied jederzeit das Wort zu ergreifen. 3n Frankfurt a. 2TT. beschloß die Korn- - Mission jiir Beratung eines Gesetzes, betreffend die Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde, daß die beiden dienstältesten Rabbiner beider Richtungen zu allen Beratungen des Vorstandes, die Fragen des Ritus, Kultus, Religionsunterrichtes und der Anstellung von Synagogenbeamten betreffen, zuzuziehen seien. Lin weitergehender .Antrag, die beiden dienstältesten Rabbiner zu allen Sitzungen des Gemeindevorstandes hinZizuziehen, wurde mit Stimmengleichheit (6 gigen 6 Stimmen) in der ersten Lesung abgMhnt. Ls ist aber wahrscheinlich, daß diesta Antrag, der in den weiteren Lesungen uivder ausgenommen werden wird, zur Annchme gelangt, zumal in einer zahlreich besuchen Versammlung des freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben mit allen gegen '^ Stimme diesem Antrag zugestimntt und beschlossen wurde, einen dahingehenden 2lntrag an den Gemeindevorstand und die verfcMngs-Kommission zu richten. Der Sieg der Gerechtigkeit und der Vernunft ist au^ dem RkcnGhe. Von äer inneren Krifis im Zionismus. 'Öon Dr. C. Seligmann-Frankfurk a. M. n der stürmischgärenden Zeit des ersten Basler Zionistenkongresses, so wurde mir von einem Teilnehmer erzählt, saßen die geistigen Schöpfer der neuen Bewegung an einem Zkbend zusammen, und mit sinnenden Augen in weite, verlorene Fernen schauend, sprach der eine etrva: Der Zionismus muß eine Zukunftshoffnung bleiben, eine Bewegung und keine Erfüllung. Demselben Gedanken gibt in der ersten Nummer der Monistischen Wochenschrift „Die Welt", Fürst wrede, der über seine Stellung zum Zionismus angefragt worden war, 2lrrsdruck mit den Worten: „Sind die 3uden ein Volk, so - werden sie ihren Staat erhalten. Die Landkarte würde dann uni ein begrenztes Gebiet, die Hauptstädte Europas um einen Diplomatenpalast reicher, die Volkspoesie aber um eine große gestillte ' Sehnsucht armer fein. Vielleicht ist die Entwicklung des Geistes von größerer Wichtigkeit als die des Staates. Und sagt nicht ein Dichter: (D Gott! Erhalte mir die Sebnsucht?" Faust hat mit RIephisto "den Pakt geschlossen: „Word' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön? Dann «lagst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zu Grunde gehn." Aber der Augenblick kommt. Faust, am Ende seiner Tage erblindet, vernimmt das .Geklirr der Spaten, die Neuland schaffen Mlen für ein freies Volk. Er sieht Ramr eröffnet „vielen Millionen, nicht sicher Mar, doch tätig frei zu wohnen! Grün das Gefilde, fruchtbar, Mensch und Herde sogläch behaglich auf der neusten Erde, gleich angrMdelt an des Hügels Kraft, den aufgervalzt Nhn-emsige Völkerschaft. '3m 3nnern 8rr ein paradiesisch Land" . . . und im Schaden dieses Paradieses frohlockt Faust: „Solch *h Gewimmel möcht ich sehn, auf freiem Gumd mit freiem Volk zu stehn. Zum AugenbLke dürft' ich sagen: verweile doch! Du fip so schön!" Mit diesem Wort und an dirZem Work geht Faust zugrunde. - So erlebt der Zic^mus in der nabegerückten Erfüllung seines Zdeals eine innere Arisis. Das leidenschoKlich Ersehnte, im glühenden Gebilde des Lmstwerks vorahnend hundertfältig Geformte, das Ziel, liegt heute infolge des ungeheurru weltgeschichtlichen .Geschehens plötzlich den Länden greifbar ausgebreitet. 2lber die Lrfüllmu birgt keine Seliakeif. ' Diese schmerzliche Erkenntnis führte die Besten der zionistischen Bewegung unbefriedigt aus dem Herzl'schar realpolitischen Zionismus der völkerrechEch gesicher-ten Heimstätte zum Knlturzionisrms eines Achad Haanl und neuerdings zu des in der ersten Zeit