Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Hermann Becker: Der Kampf gegen den Iudifferentismus moLwendigen Schlüsse ziehen werden. Denn ßs&cm begeisterten Inden steht unser Ziel/ Lne Erhaltung des Iudentruns unendlich chob-cr als die Personenfrage: was will der Egherzige Rlassengeift diesem erhabenen (Iklt gegenüber besagen? Soll sich der mene Geist nur in der Maßnahme erschöpfen, Daß wir in den Vorstand der liberalen ver- «au* auch Frauen wählen und nebenbei in Wüch'icht auf die erhöhten Werbungskosten arvch noch die Mitglicderbeiträge erhöhen, rräeAeichl auch die Zahl der Versammlungen arnd damit der. gelehrten Vorträge vernnehren? Alan wende nicht ein, daß di? geselligen Veranstaltungen und die Betätigung m den Sportklubs unsere Bewegung vermachen und uns von unserem Ziele fortführen könnte. Eine kurze, aber . kernige Festrede, welche die Festteilnehmer an unsere Ziele erinnert und ihnen das Gewissen! -schärft, das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Gleichgesinnten bei solchen Veranstaltungen, die sich zu gleichem T u n vereinigt haben, wirkt nachhaltiger und gewinnt ans weit mehr Anhänger, als der ge'ebräeste Vortrag von einem weltberühmten Gekehrten, dem man zwar mit der nötigen Ehr- Mrcht und Bewunderung zuhört, jedoch bereitet von dem unausgesprochenen Wunsch, Der -Vortrag möge nicht zu lange dauern, damit der nichtoffizielle Teil nicht zu kurz Fomme. ' . - 8 Wenn die bisher angewandten Mittel mrib bic Methode allein nicht zum Ziele Wchren, dann nmsfen wir nach anderen Älrttteln suchen, ohne natürlich die Gervißheit M rhaben, daß diese Mittel endgiltig die Lsei- ÄWM bringen werden. Unsere Religion der Tat — Tlo hamidrasch ikkor, ello hamaasse — L-lchrt uns: „Alle Israeliten sind Ge - I NWeffsen, dieser für jenen, ohne jedoch die ^Nächstenliebe für Andersgläubige auszusWrreßen. Einen: Mißverständnis wird vor- MLsugt, aber zugleich eine Bestätigung dieser £efl|re bekundet, durch die Nebersetzung des anMeführten Satzes: „Alle Israeliten sind Brürgen, einer für den anderen." Denn einre Genossenschaft verpflichtet in dem ur- . fprrünglichen Sinne nur zu zivilre-chtlichen Leistungen, während eine Bürgschaft auch erhäsche, ja. bisweilen sogar Mpfer der. Freiheit, der Gesundheit und des Lebens fordert. Daß selbst unsere Feinde diese „Bürgschaft" so verstehen, das beweisen leider zur Genüge die Judenverfolgungen ' aller Zeiten und aller Völker. Rur daß die Verfolger die Bürgschaft, die jüdische Solidarität, nur dann anerkennen,' wenn es - sich um strafrechtliche Wandlungen, nicht aber um ewige Rulturwerte, welche das Judentum und einzelne seiner Bekenner der Menschheit gebracht haben, handelt. Unsere modernen Juden aber glauben ihre Pflicht getan zu haben, wenn sie die zivilrechtlichen Forderungen eines „Genossen", nicht aber die ethischen eines „Bürgen", erfüllt haben. Das heißt mit anderen Worten: Sie" glauben durch reiche Gaben an alle Wohltätigkeitsvereine,- die mögliche und unmögliche Ziele aller Art erstreben, ihr Bekenntnis zum Judentum genügend zum Ausdruck gebracht zu haben, während ihnen doch die „Bürgschaft", in ihrer ganzen Lebensführung gewisse ethische Verpflichtungen auferlegt, vor allem' aber auch die Pflicht der Erhaltung des Judentums, ,als des Wegweisers und Lehrers der Menschheit. Denn gerade diese Aufgabe gebietet uns mehr, als den Bekennern irgend eines anderen Glaubens „die ethische Persönlichkeit". Diese Erziehung zur ethischen Persönlichkeit, dieser ständige Hinweis auf die Verantwortlichkeit eines jeden Bürgen für seine Glaubensgemeinschaft muß und wird zur Tat aneifern, denn eine solche Erziehung führt von der Passivität zur Aktivität, vom Indifferentismus zur innigen Teilnahme an dem Schicksale des Judentums. Man wende nicht ein, daß auch jede andere Religion die Erziehung ihrer Bekenner zur ethischen Persönlichkeit gebietet. Die erste und Lsauxtforderung der anderen Religionen ist das Bekenntnis zmn Dogma, dann erst folgt die Forderung der ethischen Persönlichkeit. Das Iudentmn aber als eine Religion der Tat fordert in Wirklichkeit vor allem andern die ethische Persönlichkeit. Daraus ergibt sich von selbst die Verantwortlichkeit des Einzelnen für die Gesamtheit, die Einsetzung der „Bürgschaft", die jüdische Solidarität in ihrem besten Sinne. Zu dieser Erkenntnis sollen und müssen wir uns hindurch ringen, wenn wir den Indifferentisnms gründlich bekämpfen wollen. Nufere Gelehrten müssen