Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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II Hermann Becker: Der Kampf gegen den Indiffercstismus Z7 Oer Kampf gegen den Jndifferentismus. Von Hemnann Becker-Berlin. ''' \:Y \ . .. . I. '' €s ist bekannt, daß im alten Sparta jeder Bürger gesetzlich verpflichtet war, sich einer Partei anzuschließen. Die Geschichte unseres eigenen Volkes lehrt uns, daß Alexander Iannai. seine Gemahlin Salome auf seinem Sterbebette mahnte: „Hüte Dich vor den Pharisäern, hüte Dich auch vor den Sadduzäern, am meisten hüte Dich vor den Gefärbten." Würde der Hasmonäerfürst heute leben, dann würde er seiner Mahnung noch hinzufügen: „Schlimmer noch als „die . Gefärbten" find die Indifferenten. Denn, wenn jene Schwankenden doch immerhin noch ein geringes Interesse cm der Religion ihrer Vater beweisensind die Indifferenten der * Gegenwart geradezu die Totengräber unseres Bekenntnisses, weil nicht nur sie selbst ' dem Judentum kein Interesse entgegenbringen, sondern auch bei dem Heranwachsenden Geschlechte systematisch jegliches Interesse untergraben. Sie gleichen also jenem - Ierobeam, Sohn des N'wat, den unsere Meisen für den schlimmsten aller Könige Israels hielten, weil er nicht nur selbst sündigte, sondern auch das Volk zur Sunde verleitete. Ist es also klar, daß die Indifferenten die schlimmsten Feinde des Judentums sind, dann muß. der Kampf gegen den Indifferentismus ganz besonders zweckentsprechend organisiert werden. Mir haben bisher den Indisferenüsmus durch Vorträge, Flugblätter, Broschüren und Bücher zu bekämpfen gesucht, ohne wesentliche Erfolge zu erreichen. Denn in die Versammlungen konnnen meist nur die vereinsmitglieder, rvahrend diejenige::, für welche die Vortrage in erster Reihe bestimmt sind, fern bleiben. Die Broschüren, Flugblätter und Bücher werden gleichfalls nicht von den Lauen und Gleichgiltigen gelesen, und wenn das hier und da wirklich einmal geschieht, dann wird diese Lektüre eben so schnell wieder vergessen. Mir können trotzdem dieser 2lufklärnngsnlittel nicht, entbehren, ebenso wenig, wie jede andere politische, religiöse und soziale Bewegung, die Anhänger zu gewinnen sucht. Menn unsere Bewegung trotzdem verhältnismäßig so wenig Erfolge aufzuweisen hat,-so kaiwr dies nur an der Methode der ~Aufklärmngsmittel liegen. Die Verfasser der AufMrungsschriften und die Vortragenden sind Gkwiß vom besten Millen beseelt und besitzem auch die eingehendste Sachkenntnis, um unserer Bewegung Anhänger zu werben, was den meisten dieser tüchtigen und begcksterten Männern: aber' fehlt, das ist die pädagogische Methode, die sich' auf die eingehende Kenntnis der Massen und der Volkspsyche gründen muß. Unsere Religiom ist eine Religion der Tat, darum muß die Werbung für unsere Bestrebungen und für die Anhänglichkeit ait unserer Väter Glauben nur an die Tat, an das wiMche Leben und nicht an gelehrte, historische Erörterungen angeknüpft werden, wir kounen nur dann Ersprießliches lerjßen, wenn wir unseren Hörern und Lef.ern zeigen, wie das Judentum ist und daran unsere Forderungen und Wünsche schließen, nicht Eber, was das Judentum' war; nur Leben erzeugt wieder Leben, das heißt nichts anderes als zurr alten pädagogischen Methode zurückkehren! vom Bekannten Zum Unbekannten, nicht aber umgekehrt. Unsere Jugendbewegung in den drei Lagern, den: liberalen, orthodoxen und zionistischer:, hat nur deshalb ein so erfreuliches Interesse gefunden, weil sie diesem pädagogischen, volkspsychologischen Grundsatz befolgt hat, sie hat sich eben nicht nur antz die Mitarbeit der Gelehrten beschränkt, aanf das dozierende Wort und die lehrhafte Schrift, sondern sie hat auch das Laientum hrrangezogen, das durch äugen- und sinnfällig-, also selbsttätige Veranstaltungen, wie Turn-, Schwimm-- rmd Sportklubs aller Ack^ durch gesellige Veranstaltungen — panan et circenses, wobei das panis die geistige Nahrung darbietet — in vorbildlicher Weijse das vertrauer: auf .seine Mitarbeit gerechtfertigt hat. Wir haben zu den gegenwärtigen Führern der liberalen Bewegung das unbedingte vertrauen, daß sie sich dieser Erkenntnis nicht verschließen und so aus der neuen Zeit die