Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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o o «o Max Golde: Die Erziehung unserer Fugend für die konMenden Tage ZA Und so lang du dies nicht hast. Dieses: stirb und werde! - Bist du mir ein trüber Gast Auf der dunkeln Erde. Die Nichtbeachtung der Wünsche des Rindes wird in diesem Anne zur seelischen Abhärtung. Wenn dem Rinde nicht Äie Ulnße bleibt, darüber nachzudenken, was seinen Nerven heilsam ist, was nicht; wenn -es'abgehalten wird, jedem Schwanken seiner Neigung schwächlich nachzugehen, dann wirkt das auf Heine Seele gleichsam wie eine Rnetkur. Nur dann ist die Gleichgiltigkeit des Erziehers zu verurteilen, wenn sie mit Harte und Brutalität verbunden ist; aber'erziehlich heilsam "wirkt sie, wenn sie den schwächlichen Neigungen den Beifall versagt, indem an den allgemein gütigen Zielen sachlich'festgehalten wird. So wird auch Goethe durch, die Normalpedanterie des kaiserlichen Rats, seines Vaters, zu titanenhafter Sturmkraft zusammengefaßt; und ganz ebenso wird sein Antonio der harte-Fels, an dem sich Tasso nach seinem Sturze wieder aufrichtet. Beide Beispiele zeigen, daß in der Erziehung nicht von der Freiheit ausgegangen werden kann, sondern vom Gehorsam. Ihre Ziele sind, nach Goethes eigenen Worten, mit eherner Geduld und steinernem Aushalten zu verfolgen. So gelangt das Rind endlich zur sicheren Freiheit der Seele, zur Ehrfurcht vor geistiger Art, der vereeun- <Iia, und zur Persönlichkeit mit starkem Willen. Die soziale Organisation unserer Zeit aber begnügt sich weniger denn je mit der Bildung des einzelnen, jeder hat feinen Platz in der Gesellschaft auszufüllen. Die allgemeinere Anwendung dieses Grundsatzes hat auf dem Gebiete der Erziehung letzthin zur Forderung der Einheitsschule geführt. Sie soll jedem begabten Rinde im Volke die freie Bahn für seinen geistigen Aufstieg ermöglichen, indem die Uebcrgänge zwischen den niedern und höhern Schulformen hergestellt und die Standesvorschulen aufgehoben werden. So soll durch die Schule mehr als bisher die Bildung im Volk verbreitet iverden, ganz entsprechend der allgemeiner durchgeführten Sozialisierung der Wirtschaftsbetriebe. Diese aber kann selbst nach Rautsk? nur schrittweise erfolgen; denn in erster Linie .ist doch immer darauf Bedacht zu nehmen, daß damit eine Steigerung der Produktion verbunden ist. Daher muß die Umwandlung imnier ervr wirtschaftliche Frage bleiben und darf mHt allein nach parteipolitischen Gesichtsxankten gelöst werden. Ganz ebenso rnuß auch bei der allgemeinen Ausbreitung des WWens vor allem auf die Befestigung und Lrh^ung des Gesamtwissens geachtet werden. ,2Kch die Frage der Einheitsschule muß also eme pädagogische bleiben und darf gleichfalls mcht vom parteipolitischen Gesichtspunkte aus zw Lösung geführt werden. vom sozialpädrgogischen Gesichtspunkt her ist von Fall zu Lall jede Persönlichkeit, wie Schulgattung, besonders zu prüfen und darüber zu entscheiden. Fm letzten Grunde sind beide Fragen doch auch von finanziellen Bedingungen abhänopg; denn mit der Einheitsschule sollte auch die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel verbünde» sein. Selbst der freie Besuch des Theaters müßte dazu komnien, wi.e unsere Dichterhowen ihn schon in Weimar nach hellenischem Muster eingeführt und er damals auch bers^ in Mannheim, dem Abdera Wielands, herrschte. Das aber ist doch nurin einem fmrnziell blühenden Lande möglich, und ihre «gemeine Durchführung könnte nur bei tüchtigen wirtschaftlichen Leistungen der br^dn arbeitenden Volksmassen erfolgen. Dieser innere Zbchbau der jungen, werdenden Persönlichkeit aber setzt beim Erzieher einen Takt voraus, der mit den Forderungen der GerechLsieit allein nicht auskommt; wohl aber Snm echte Religion hier Hilfe leisten, des» sie macht jeden für Selbsterziehung empfÄglich und geneigt. Sogar sonst unzugängLhe Rinder zeigen sich ihr gegenüber willig, da ihre Unterwerfung unter die'Forderungen des Glaubens ihnen keine Erniedrigung und Demütigung ihres Stolzes zumutet, sofern sie vielmehr ehrt. Die Einschränkungen der. Religion nehmen 'ihm ja nichts von sesiem Besitz, sondern erweitern ihn noch. Während die nur streng eintreibende Gerechtigkeit verbittert und zum 'Aufruhr treibt, dienen diejenigen Forderungen des religiösen Gewissens, die auf Vervollkomnnmng der inneren Persönlichkeit gerichtet sind, dazu, diese zu erhöhen, sie innerlich auszufüllen und trotz alter Strenge vom Leide zu erlös««. Die religiöse Kage ist durch die nationale Sonderstellung eines Teiles