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Liberales Judentum · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 52

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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© o o o Max Golde: Die Erziehung unserer Jugend für die komnenden Tage Öl Das ist die Kluft, die zwischen Religion rmd Leben gähnt und die der Religion so viele Widersacher und Gleichgiltige erstehen ließ. .. . . 7 Wir liberalen Juden nennen uns so oft/ mit einer großen Gebärde, Erben und Bekenner der prophetischen Religion. Aber nicht das Wort, das wir im Wunde führen, sondern nur die Tat gibt uns das Recht zu solchem Anspruch. . wenn wir gegenüber dem nationalen Judentum den Anspruch erheben, religiöse Juden zu sein, wenn wir gegen» über der Orthodoxie das Wesen der Religion in der»sittlichen Forderung finden, dann gibt es nur eine Existenzberechtigung für das liberale Judentum: Die Bewährung der prophetischen Religion mt Leben. Nicht in unseren Programmen und Worten, sondern in unseren Taten und Gesinnungen, in urMrem Auftreten und Verhalten muß unser prophetisches Judentum leben. wenn rmfere liberale jüdische Frömmigkeit sich bewährt in sittlicher Reinheit, in Lautrrkeit des Wortes und der Tat, in Vornehmheit der Gesinnung und edler Bescheidenheit, in Wahrhaftigkeit, >t.reue, Wohlwollen Güte und Gerechtigkeit, in rechtem eMm Menschentum, damr wird unser libercürs Iudentunr nicht nur seine LristenzberecMgung, sondern seine ungeheure Werbekraft bewähren und sich durchsetzen, allen widerMnden zum Trotz, in den Gerzen der wenschrn als die große mesfianische weltreligiem. Die crziehung unferer Jugend für die kommfnden Tage. Von Seminarlehrer Max Golde. ie politische Sturrn- und Drangperiode, die unser deutsches Vaterland von Grund aus. aufwühlte, weicht mehr und mehr vor den Friedensverhältnissen einer neuen Zeit zurück; und beide zusammen sind am Werke, unsere altgewohnte Gesellschafts- und wirtscl^aftsordnung vollständig mnzugestalten, um sie in einem freier« Geiste..wieder aufzurichten. Unzweifelhaft werden diese im Entstehen begriffenen neuen Einrichtungen sich bloß dann bewährc.n können, wenn sie von dem Heranwachsenden Geschlechte auch richtig erfaßt werden; und dieses wird sich der veränderten Umwelt wieder umso leichter einfügen, je besser es dafür vorbereitet ist. So wird die Erziehung unserer Jugend in gleichen! Maße von den veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der kommenden Zeit bestimmt wie auch von der Sorge um nniere Rinder. Damit ist auch die Richtung gekennzeichnet, in der sie sich künftighin wird bewegen müssen. .. Das zu Ende gehende persönliche Regierungssvstem führte im Schulbetriebe vielfach zu einem nur äußerlichen Gehorsam. Dieser war aber bisweilen nur durch .die Einschüchterung und andauernde '• Nichtbeachtung von Schülerp er sönl ichkeiten erzwungen, also eine seelenlose Autorität. Daher gingen neben der äußeren Strenge in der Erziehung krc Schule häufig auch ein passiver Widerstand,, die heimliche Lüge und eine schlau verdeckte Faulheit einher, die den wert des gesamten Schulbetricbes in Frage stellten. Die Vorbereitung auf das neue freiere Gemeinwesen' aber erfordert weit mehr als bisher dir Fähigkeit zur Selbstregierungund eine größere Verantwortlichkeit vor der eigenen innerem Persönlichkeit. . wie ist diese Persönlichkeit beschaffen? Um sie W erklären, empfiehlt es sich, erst zu erwägru, welche Erziehung in jüdischen Kreisen m früheren Zeiten üblich war. Line lange Reihe von Jahrhunderten hindurch war sie bäi uns durch das streng verslandesmaßige TalkWdstudium bestinunt, das sich allein auf der -Mündlichen Ueberlieferung und Erforschung drv Lehre gründete. Vielleicht verdanken wir dem ein gut Teil unserer geistigen Begabung, so daß Friedrich Naumann uns geradezu als Vorarbeiter im Wirtschaftsbetriebe ansplmht. Die gegenwärtigen Zeitumstände aber bewiesen zugleich, daß unser stärkeres Gervortreten doch inuner wieder die harten, «gerechten, ja gehässigen Urteile der großen Menge herausfordert. — .Dieser klaffende Gegensatz ist nicht allein wirtsckxrftlich, sondern auch gefühlsmäßig, sogar geschichtlich tief begründet. Das Thristenftinr erzog seine Bekenner viele Jahrhunderte

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