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Liberales Judentum · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 43

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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Montefiore: Die Gefahren des Zionismus für Juden und Judentum. 43 hoffnungslosen Anachronismus, denn die Zeit für nationale Religionen ist vorüber. Reine nationale Religion kann eine wirkliche ZEunft haben. Keine nationale Religion Kann hoffen, die Welt zu beeinflussen. Reine nationale Religion kann noch den Gedanken hegen, eine Aufgabe, eine Berufung, eine Mission zu besitzen. Die Juden außerhalb . Palästinas sind benachteiligt und ihre Religion wird geschädigt. Sie erheben den Anspruch, Deutsche, Franzosen, Engländer zu sein, aber einer besonderen Religion anzugehören, der sich Männer und Frauen jeder beliebigen Nation anzuschließen die Freiheit haben, allein ihr Anspruch wird durch die zionistische Propaganda getrübt und verdunkelt. Denn man sagt ihnen, daß sie nicht wirkliche Deutsche, Franzosen oder Engländer sind, sondern Männer und Frauen einer anderen Nation, die zeitweise in Deutschland, Frankreich oder England wohnen und die nationalen Bräuche eines veralteten orientalischen Glaubens beobachten, der sie nicht minder als ihre Nationalität von allen Völkern Europas und des Westens absondert. Dch glaube, daß viele überzeugte Orthodoxen, gerade weil sie orthodox sind, die zionistischen Ansprüche verurteilen und den Zionismus bekämpfen. Denn die orthodoxen Duden wünschen ebenso wie die liberalen Juden, daß das Dudentum die Welt beeinflußt. Sie haben den Wunsch, daß das Wort „Jude" nicht eine Nationalität, sondern eine Religion bedeute. Sie wünschen, daß das Wort „Dude" analog sein soll mit „Christ", nicht mit „Engländer" oder „Deutscher". Ich hoffe, daß orthodoxe Juden eine Abhandlung gegen den Zionismus schreiben werden und zwar vom orthodoxen Standpunkt aus betrachtet. Der Verfasser dieses Artikels kann allerdings den Fall nur aus seiner eigenen Auffassung von der jüdischen Religion behandeln. Es wäre «ine Anmaßung von ihm, wenn er für feine Genossen und Freunde, die zu den Orthodoxen sich zählen, die aber mit ihm übereinstimmen in ihrer Gegnerschaft gegen die zionistischen kehren, das Wort ergreifen würde. Jede jüdische Vereinigung müßte sich aufraffen und Widerspruch erheben, teils mit Gründen und Beweisen, die alle Duden gleichmäßig betreffen, teils mit Gründen und Beweisen, die sie selbst als Mitglieder ihrer Vereinigung berühren. Es ist richtig, daß es auch einige liberale Duden gibt, die übstzeugte Zionisten sind. Aber auf einen libeucken Duden, der Zionist ist, kommen, wie ich glaube, tausend Gegner des Zionismus. UM das ist kein Wunder. Das liberalL Dudentum. Das liberale Dudrntum strebt danach, das Judentum hoch Zu stellen und weit zu machen. Die zionistische Bewegung drückt das Dudentum heräb und mgt es ein. Das liberale Dudentum will, d-H die nationalen und partikulariftischen Besonderheiten im Dudentum zurücktreten. Der Zionismus dagegen, werm er nicht geradezu die religiöse Bedeutung in der Bezeichnrng „Dude" völlig zurücktreten läßt, strebt Danach, der jüdischen Religion die nationalen Fesseln fester als je . anzulegen. Das' sibalale Dudenturn geht darauf aus, das Dudoutum in die allumfassende Weite der rrnversellen Menschheit zu bringen, der Zionisnus dagegen will es zurückdrängen in eine finstere Ecke. Dann würde das Dudentum uLder nur die Religion einer kleinen Gruppe, eines Volkes, einer Nation werden, und die Zeiger der Uhr würden gewaltsam zurück^stellt werden. welche Art von religiösen Ereignissen wird aller Wahrscheinlichkeit nach in einem neuen Gemeinwesen in Palästina sich abspielen? Dch gebrauche die Worte „religiöse Ereignisse" lieber als die Worte „religiöse Entwicklung". Mm kann erwarten, daß zwei ganz entgegengese^ Strömungen chren Einfluß geltend-machen werden, —' zwei entgegengesetzte Extreme. Auf der einen Seite eine streng weltliche soft irreligiöse, auf der anderen Seite eine strerG orthodoxe Richtung. Diese orthodoxe Richtung wird fast mit Notwendigkeit ein ausgesprochen nationales und partikularistisches Gepräge. haben. Alles, was das liberale Dudentum scharf bekämpft, wird in- Palästina vorcussichtlich am meisten begünstigt werden, dagrgen wird alles, was das liberale Dudentum erstrebt, in Palästina voraussichtlich unterdrückt und geächtet werden. Daß das liberale Dudentum in einer nationalistischen UmgÄung nicht ged eilten kann) unterliegt keinem Zweifel: es ist ein Widerspruch schon in der Bezeichmmg vorhanden. Aus romantischen und trügerischen Gründen werden die wvrte „Dudentum" und

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