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Liberales Judentum · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 42

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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42 Monlesiore: Die Gefahren des Zionismus für Juden und Judentum und.schmähliche Inkonsequenz gegen .das Judentum ausgenutzt werden würde, wollt ihr wirklich sagen, daß' ein Jude, der zum Christentum Übertritt, nicht Mitglied der jüdischen Nationalität, bleiben darf, obgleich ein pole, wenn er sich der jüdischen Religion anschließt, ein Mitglied der polnischen Nationalität bleiben soll? —. Der „Jude" in doppeltemSinne..; Wir haben uns überzeugt, daß die Errichtung eines jüdischen Äaates, die Schafftmg einer neuen jüdischen Nationalität unbedingt dazu führen, daß das Wort „Jude" in einem doppelten Sinn gebraucht wird. Das Wort soll erstens einen Menschen bezeichnen, der zu einem besonderen Staat oder zu einer besonderen Nation gehört. Und in diesem Sinne dürfte das Wort keinerlei Verbindung mit der Religion haben. Genau wie ein Dane zu irgend einer oder keiner Religion gehören kann, genau so wie die Bezeichnung „Italiener" nichts mit Religion zu tun hat, so müßte es auch beim Juden sein. Das Wort müßte nur politisch, rein weltlich verstanden werden, wenn es nur irgendwie mit Religion vermengt wird, entstehen sofort außergewöhnliche und nicht geringe Schwierigkeiten, die, wie wir gesehen haben, unbedingt ausis ungünstigste auf die §age der lO Millionen außerhalb palästina's zurückwirken müßten. Denn außerhalb palästina's und in einem gewissen Grade auch in Palästina selbst bezeichnet das Wort „Jude" jemanden, der zu einer besonderen Religion gehört und wird kn demselben Sinn gebraucht wie „Christ" oder „Mohammedaner". Und wie ein Christ oder Mohammedaner zu irgend einer Rasse gehören kann, so rann es in diesem Sinne - auch . ein Jude. So darf das gleiche Wort, in dem einen Sinne gebraucht, keine Spur von religiösem Beigeschmack haben, in dem andern Sinne darf es keine Spur von nationalem, weltlichem oder politischem Beigeschmack haben. Gin italienischer Jude hat nichts 51t tun mit dem ersten Sinn, sein Iude-sein hat nichts Nationales, politisches oder weltliches an sich. Gin palästinensischer Jude sollte und braucht nichts zu tun zu haben mit dem zweiten Sinn, wenn er z. B. ein Ueberläufer zum Christentum ist, dann ist sein Iude-sein ganz selbstverständlich nur national, politisch und weltlich. Und für eine ganze Anzahl von palästinensischen Juden, die weder Atheisten noch Christen sind, wird das Wort „Jude" in beiden Auffassungen zu gebrauchen sein für dieselben personen. / Nun ist dies alles schrecklich verwirrend. ' Daß ein und dasselbe Wort in doppeltem und ganz verschiedenem Sinne benutzt werden soll, ist sehr bedenklich und verwickelt. Ls wird dann eben 3 Massen von Juden geben, s. Juden außerhalb Palästinas, die nur Juden aus Religion sind. 2. Juden in Palästina, die keine Juden im Sinne der Religion sind,. denn wir wissen, daß viele Zionisten der Religion vollständig fern stehen. 3. leiden in Palästina, die beides sind, Juden von Nation und Juden aus Religion. ' 7- . Die Religion wird er.nredrkgj, die, Nationalität wird erhöht. Die Verwirrung, die durch die unbestimmte Bezeichnung hauptsächlich entsteht, ist aber bei weitem nicht das Schlimmste, wir wissen, daß die Zionisten dabei beharren, daß airch die Juden außerhalb Palästinas nicht nur eine religiöse Gemeinschaft bilden, sondern auch außerhalb Palästinas ihre" eigene Nationalität besitzen sollen, wenn die Religion einbegriffen wird, so geschieht dies jedenfalls nur in Verbindung mit der Nationalität. Auf diese Weise wird die Religion herabgedrückt, die Nationalität vorangestellt. Das „Judentum" nimmt einen untergeordneten platz ein — tritt in den Hintergrund, wogegen das jüdische „Volk", die jüdische „Nation", in den Vordergrund gestellt werden. Für. alle diejenigen, mögen sie liberal oder orchodox sein, denen das Judentum als Religion teuer ist, sind diese Folgen unaussprechlich traurig. Am traurigsten aber vor allem für diejenigen, die den Wunsch haben, das Indern tum zu verbreiten und seinen platz in der Rangordnung der Religionen zu erhöhen. Zionismus und zionistische Bestrebungen drücken nicht nur das Judentum herab, weit siö erst die Nationalität und dann erst die Religion setzen, sondern sie schädigen das Judentum dadurch, daß sie Religion und Nationalität miteinander verquicken, was wird aus dem Judentum bei dieser Verquickung? Ls wird zur Religion einer besonderen Mrtion, mit anderen Worten, es wird zu einem

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