Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Moniefiore: Die Gefahren des Zionismus für ^uden und Judentum / „jüdisch" inden Augen der Außenwelt die Bedeutung annehmen, die sie in Palästina erlangen werden. Palästina wird den Ton angeben. Daher werden die Bezeichnungen „Sude" und „jüdisch" .hauptsächlich nickst die Religion, sondern die Nationalität umfassen. Die Juden werden entweder Menschen ohne jede Religion sein, oder sie werden eine anachronistische,' nationale, partikularistische Religion haben. Vom liberal-jüdischen Standpunkt kann man sich nichts Schädlicheres vorstellen. Denn wir wünschen,'daß die Worte „Jude" und „Judentum" keinerlei andere Bedeutung als eine vollständig und rein religiöse. haben sollen, wir wünschen, daß die tVorte „Süden" und „Judentum" eine Religion bedeuten, deren Freisinn immer mehr znnimmt und dererr Verbreitung immer weiter sich ausdehnt— eine Weltreligion und nicht eine Alaffenreligion, eine große Religion der Zukunft und nicht ein Anachronismus und etwas Neberlebtes. ' - j \ ' - Das wirkliche'Zion. . . Das liberale Judentum beruht auf der vollständigen Trennung zwischen Religion und Nationalität.- wie die Stellung der Juden, ihre Wohlfahrt und Freiheit von dieser Trennung abhängen, so ist auch die Zukunft ihrer Religion, zum mindesten aber die Zukunft des liberalen Sudentums, davon abhängig. Die Religion muß frei sein, um sich weiter zu entwickeln, wenn auch langsam, behutsam und vorsichtig, gemäß dem Fortschritt der Allgemeinheit. Sie muß frei sein, um anAierkennen, daß Jeglicher, der die Vorschriften und Lehren des Sudentnms befolgt, ein vollgiltiger Sude ist, welcher Rasse und Nation er auch angehört. Sch gebe zu, daß das liberale Sudenturn sich wenig um das wirkliche Zion kümmert, um so mehr aber uiii das geistige, unsichtbare, von Raum und Zeit unbegrenzte Zion. Wenn der wahre Sude derjenige ist, der in Palästina lebt oder den Wunsch hegt, daselbst zu leben, dann muß das wahre Sudentum am reinsten und treuesten innerhalb Palästinas zum Allsdruck fommen und viel mehr als außerhalb Palästinas Geltung erlangen. Das „Sudenturn" ist dann im besten Falle nur der religiöse Anhang der jüdischen' Nationalität. Ls ist die Religion eines kleinen orientalischen Volkes. Mehr kann es nicht bedeuten und nicht beanspruchen. So aber fassen die liberalen Süden ihr Sudenturn nicht auf. Würde das Sudentum so und nur so beschaffen sein, dann, würden 'sie nicht das Verlängern haben, Süden zu bleiben. Denn sie sind erfüllt von modernem Geist und verlangen eine Religion, die weitherzig, freisinnig und nicht national ist. Das Sudentum war die Religion eines Stammes, eures Volkes, einer Nation, es ist jetzt die Religion einer übernationalen Gemeinschaft, und vom religiösen Standpunkt aus betrachtet, ist eine solche Gemeinschaft etwas größeres und umfassenderes als eine Nation, wir können nur dann.begeisterte Süden fein, wenn die Hoffnung des Propheten uns erfüllt: „Mein Haus.soll em Bethaus genannt werden für alle Nationen." Wir haben das Ghetto überwunden, um der großen Welt anzugehören und frei zu fein; wir können rricht wieder eingefperrt und eingeschränkt werden durch geographische Bezirke. Das Sudentum ist uns nur wertvoll, wenn es noch eine Mission hat und eine Aufgabe gegenüber der großen Welt, wenn die Sdee „Diener des Ferrit" zu fein, nicht ein Wahn und eine Abgeschmacktheit' geworden ist. Aber wenn diese Sdee noch in Kraft ist, so kann' dies mrr geschehen, wenn das Wort „Sude" nickst Mitglied einer bestimmten Nation, sondern Mitglied einer bestimmten Religion bezeichnet. Denn es ist sicherlich nur dieser Sude, nicht der Sude einer Nationalität, der die Mission erfüllen kann, der die Aussicht hat, einen religiösen Einfluß in der großen Welt zu erlangen. Der Sude in der Diaspora und nicht der palästinensische Sude, der irn günstigsten Falle Religion und Nationalität, zum Schaden und Nachteil für beide, miteinander verquicken wird, ist berufen, die Aufgaben und die Pflichten, des „Diener des Herrn" zu verwirklichen. „Denn ich habe Dich -zum Licht gemackst für die Nationen, daß mein Heil sich ausbreite bis zu den Lnden der weit." —