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Liberales Judentum · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 41

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 Montefiore: Die Gefahren des Zionismus für Iudtzp und Judentum jüdischen Heimstätte für die Juden aus dieser Tatsache allein, die Wahrscheinlichkeit der antisemitischen Behauptungen bedeutend erhöhen und den Umfang der antisemitischen Tätigkeit vergrößern wird. Zn jedem Caiibe, aber ganz besonders in Oesterreich, Deutschland, Aolen, Rumänien und Rußland wird die Lage der Juden sich schlechter, anstatt besser gestalten. Aber dieser Grund ist nicht der einzige. .Die zionistische Agitation unter den Juden selbst und die uneingeschränkte, kurzsichtige Begeisterung, . mit der die Juden die Lrklärung des Rlr. Balfour begrüßt.haben, wird den Antisemiten eine neue Beweisführung liefern, die sie sich schnell genug aneignen - werden. „Lndlich haben sich die Juden in ihrer wahren Gestalt gezeigt," so wird gesagt werden. Ivir wußten es und haben es immer gesagt, daß ihr vorgeblicher Wille, Deutsche, Russen .oder Rumänen zu sein, lediglich Täuschung war. wir wußten es, daß sie sich immer als Fremdkörper fühlten und es tatsächlich ivaren. Jetzt wo sich die Gelegenheit geboten hat, haben sie endlich ihr wahres Gesicht gezeigt. - Virgt der Zionismus nicl^ diese Gefahren?, lind ist die Zeit nicht gekommen, um sie klar zu legen und sie zu bekämpfen? Ls M sicherlich keine Zeit, gleichgiltig und neutral zu bleiben: jeder Jude, der den Wunsch hat ein Lngländer oder- Deutsched zu scin, muß s einenStandpunkt öffentlich zum Ausdruck bring e il.. DieZeitistgeko m m eu,wojede Gleichgiltigkeit a «fängt, einen verrat zu bedeuten. Der Prüfstein für das Bürgerrecht. Ls ist aber noch eine andere Gefahr zu . erwähnen. Seit den Tagen der Toleranz- ' bewegung ist das Prinzip verfoclsten worden, Religion habe nichts mit Staatsangehörigkeit . und mit Rationalität zu tun. Im mod ernenStaat hat es sich gezeigt, daß die Bürger nicht ein und derselben Religion anzugehören brauchen, wollen die Leiter der neuen jüdischen Nation in Palästina die gleich Richtschnur anneh- '.leu für den neuen jüdischen Staat und das neue jüdische Bürgerrecht? wollen sie uns bestimmt versichern, daß so wie ein Franzose nach Lngland kommen und dort ein naturalisierter Lngländer werden kann, gleichgittig. ob er Christ oder Jude ist, ebenso ein Franzose, wenn er nach Aol'Lstina reist und den Wunsch hat, ein natursEsierter Jude zu wer- -den, in dem neuen jüdischen Staat ausgenommen werden wird, Aeichgiftig ob er der christlichen oder jüdischen Religion angehört? Oder aber, daß genau so wie ein englischer Thrist ein Lngländer bleibt, wenn er zum ' Judentum über getreten ist, ebenso der neue jüdische „Nationale" än Jude und ein vollgiltiges Mitglied der nrnen jüdischen Nationalität und ein vollgiltigw Bürger des neuen jüdischen Staates blerbrn wird, — wenn er zum Christentum üborgetreten ist? Denn wenn es einm jüdischen Staat und eine jüdische Nation geben soll, dann darf das Wort „Jude" nur als «ne rein weltliche und politische Bezeichnung gelten, von Religion darf dabei keine Vermutung und keine Idee austauchen. Was dies für eine Wirkung auf das Judentum auÄrben würde, das ist eine andere Frage, mit der wir uns zunächst noch nicht zu beschästigm haben, wir haben .es hier nur mit der Wirkung zu tun, die der Zionismus auf die Juden haben wird. Bis jetzt haben dar zionistischen Führer, wenn ich recht unterricht bin, sich nicht dahin entschieden, für immer Äie Verbindung zwischen jüdischer Nationalität and jüdischer Religion zu lösen. Nehmen -wir Lin, daß das Band aufrecht erhaltenwird. Näheren wir auch an, daß ein Franzose, als Clprst, nicht ein Bürger des neuen Staates werden kann oder daß ein Jude feine nationalen und Bürgerrechte verlieren wird, wenn er pi Christentum Übertritt. Nehmen wir mit anderen Worten an, daß für die Nationalität und für das Bürgerrecht die Religion einm gewissen Prüfstein bilden wird. . wenn den: aber, so fein wird, liegt darin nicht die allergrößte Gefahr? Ihr beansprucht, daß ein RumÄre, welcher Religion er auch angehören mag, ein Rumäne werden und bleiben soll und ihr selbst wollet in Palästina anders handeln? Ihr beansprucht, daß ein russischer Bürger seiner nationalen und bürgerlichen Rechte nicht im geringsten verlustig gehen darf, falls er zum Judentum Übertritt und ihr wollt einem jüdischen Bürger seine nationalen und bürgerlichen Rechte in Palästina nehmen, wenn er zum Christentum Übertritt? Ls erübrigt sich zu sagen, mit welcher tödlichen Wirkung eine so offenkundige

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