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Liberales Judentum · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 39

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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Montefiore: Die Gefahren des Zionismus für Juden urd Judentum Aü waren auf alle Fälle vorhanden. Ihre na- Lonale bseimat war bewohnt von Serben, Griechen ufw. Mit Palästina und den Juden Regt der Fall anders und die.Lage ist. gänzlich verschieden.— Werden wir glücklich und zufrieden fein? Angenommen, daß die romantischen Staatsmänner sagen würden : „Ihr englischen, französischen und deutschen'Juden seid so eifrig bemüht, englisch, französisch und deutsch zu fern und zu bleiben! Nun gut, wenn ihr so barauf erpicht seid, dann werdet ernsthaft und wirklich Engländer, Franzosen, Deutsche. Bestehet nicht darauf, ein Fremdkörper in unserer TNrkte zu sein. Vermischet euch mit Euren Mitbürgern, die einem anderen Glauben und Ewer anderen Rasse angehören, lasset die Rinder, die aus euren Mischehen geboren werden, ebenso erziehen wie die anderen Rinder des Landes, dann wird sich Ln den nächsten Generationen euer verlangen vollständig Erfüllen. Eure Abkömmlinge werden auf alle Fälle vollgiltige Engländer, Franzosen, Deutsche -sein. Ihr werdet euren sehnlichen Wunsch erfüllt sehen und niemand wird etwas einMwenden haben. Euer Schreckensgespenst, der - Antisemitismus, über den ihr euch so oft beklagt, wird vollständig verschwinden und auch für uns wird wahrscheinlich ein lästiges Problem ebenfalls abgetan sein. Die wirklichen Juden, die nur Juden und keine Engländer, Franzosen oder Deutsche sein wollen, werden glücklich in Palästina untergebracht sein und sie und ihr und wir werden alle insgesamt glücklich und zufrieden sein." Durch solche Beweisführung würden unsere romantischen Staatsmänner sicherlich zeigen, daß sie den Anspruch erheben; nicht nur romantisch, sondern auch praktisch zu sein.' In ihrer Romantik liegt sogar ein Zug von Spott. Denn es gewährt einer bestimmten Gruppe nur wenig Trost, wenn man ihr sagt: . ,^Venn ihr gegen euere guten Aussichten Widerspruch erhebt, dann nehmt euch das Leben!" Selbstmord. Der Rat, Selbstmord zu begehen, ist unannehmbar und es muß noch einmal gesagt werden warum, wir wollen Engländer, Franzosen, Deutsche sein und bleiben, wir wollen aber auch Juden sein und bleiben. Wir müssen zugeben, daß es unsinnig und lächerlich wäre, wenn gesagt vürde: „VOrc wollen Engländer, Franzosen, Deutsche sein, aber wir wollen auch. Serben, Griechen, Bulgaren sein." waruiü aber ist es mcht unsinnig zu wünschen, Engländer oder Deutsche zu sein und zu bleiben und gleichzeitig Juden zu sein und zu bleiben? Nur weil, uni die alte Geschichte zum hundertsten mal zu wiederholen, weil für uns das Mort „Jude" etwas gauanderes bedeutet als Serbe, Grieche,. Bulgare. Für uns bezeichnet LS nicht eine .Nationalität, sondern eine Religion. Wir wollen Juden f^in im alten Sinne des Wortes — in dem Sinne unserer Väter: „Deutsche Staatsbürger, die den jüdischen GlcuLen bekennen" — aber nicht in dem neuen Sinn der Nationalität. Das ist der Grund, warum wir nicht den Rat befolgen können, rrns selbst das Leben zu nehmen. Denn wir wollen, daß unsere Religion weiter besteht. Und das Iudentum Lann nicht ohne Iu 'd e n e x i st i e r e n. Deswegen können wir auch keine Mischehen eichen, aus dem einfachen Grunde, weil bald Min Judentum und keine Juden mehr vorharLen wären, wenn wir uns vermischen .würden. Der Grund, warum wir nur unter IüLen heiraten oder unter solchen, die dem Judentum beigetreten sind, ist — zürn hundertsten mal sei es gesagt — ein religiöser und rar ein religiöser. Es hat --nicht das geringste Zr tun mit der Nasse oder mit der NationalitÄ. Es ist ein Akt der Selbsterhaltung, es Mdas einzige Mittel, durch das eine kleine xMgiöse Minderheit ihre 'Eigenart erhalten, durch das sie ihr selbständiges Leben bewalden kann und sich davor schützen kann, in der Mehrheit auf-ugehen. Nochmals wollcra wir nachdrücklickstt be- , tonen, daß diejenige^ die den Juden rvirk- >. lich helfen wollen, esdadurch am besten bewirken würden, daß sie nickst eine nationale Heimstätte für eine kleine Minderheit in Palästina schaffen, Indern daß sie die große Mehrheit glücklich üM zufrieden dort machen, wo sie sich jetzt bHndet. Rönnen zwei eine Hilfe sein für zrh n? : Versichern aber die Zionisten nicht, daß die Erfüllung ihrer Hoffnungen, wenn auch nur für die kleine Minderheit, die große Mehrheit nicht beeinträchtigt, sondern ihr sicherlich

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