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Liberales Judentum · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 38

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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Monkefiore: Die Gefahren des Zionismus für Juden und Judentum Die Gefahren des Zionismus für Juden und Judentum. Von Claude G. Montefiore-London.')?n's Deutsche übertragen von Benas Levy-Berlin. io große Mehrheit der Juden — das wird unter allen Umstanden zugestanden werden müssen—wird auf sehr lange Zeit noch außerhalb Palästinas bleiben müssen. Den Fall gesetzt, daß alle Juden den Wunsch hegten, in einem jüdischen Lande zu leben und an dem neuen jüdischen Staatsleben teilzunehmen, erst in vielen Jahren oder vielleicht niemals würde Platz für sie alle vorhanden sein. Wie viele. Juden mag es jetzt wohl in der Welt geben? Ist die Schätzung von \2 Millionen zu hoch oder zu niedrig gegriffen? Daß von diesen nach 50 Jahren in Palästina j1/? Millionen sich befinden werden, das würde meiner Meimmg nach schon eine weitgehende Annahme sein. Mir ist gesagt worden, daß selbst optimistische Zionisten die Zahl von \% Millionen Juden für $69 hochgegriffen ansehen. Fügen wir aber noch M» Million hinzu und nehmen eine Anzahl von 2 Millionen an, so würden m 50 Jahren, von jetzt an gerechnet, 2 Millionen Juden in Palästina wohnen. Folglich würden sich lO Millionen Juden außerhalb Palästinas befinden, wahrscheinlich aber werden es viel mehr sein, da in einer Friedensperiode, auf die wir alle hoffen, auf eine normale Vermehrung der Bevölkerung zu rechnen ist. Aber setzen wir eine geringe Zahl ein und nehmen wir nur HO Millionen an. Das heißt: Nach 50 jährigem Bestehen des jüdischen Staates werden die Juden außerhalb. Palästinas fünfmal so viel betragen, als in Palästina. Das höchste Glück dieser Juden in Palästina würde keineswegs eine Entschädigung bilden für die Leiden der anderen Juden. Gder ist gemeint, daß die \0 Millionen sich opfern sollen zum besten der 2 Millionen? wenn das Judentum einen Nutzen davon hätte, könnte diese Auffassung gerechtfertigt werden, wenn aber, wie gezeigt werden soll, das Judentum voraussiclstlich nicht besser, sondern schlechter dabei sich befinden wird, dann ist das Opfer unerträglich und unsinnig. Das jüdische Volk. Ein großer Teil des unzuverlässigen Ge- Kchwätzes, in dem sich liebenswürdige und •) Wenn dieser Aussatz sür den deutschen Leser auch nick (mit einigen Kürzungen) abdrucken zu sollen, um zu zeigen. datz ar trrdenlum und religiösem Judentum erörtert werden wie bei uns. romantische Staatsmänner ergehen, ist veranlaßt durch die bequeme Unwissenheit der - einfachen Wahrheit von den HO und den 2 Millionen. Sie sprechen von einer nationccken -Heimat für d as jüdische Volk, als ob das gesamte jüdische „Volk", wenn es wünsche. Ln dieser Heimstätte sich zusammen finden könnte. Als ob es auf alle Fälle einzig und allein die Scl>u!d der Juden wäre, wenn sie nickst alle . sofort dahin strömen, sobald ihnen die Gelegenheit dazu geboten wird. Wenn dem so wäre, dann könnte in der Tat gesagt werden: es ist eure eigene Schuld, ihr selbst habt es euch zuzuschreiben, wenn ihr euch unbehaglich fühlt und wenn es euch noch so schlecht ergeht; ihr könnt ja nach euerer nationalen Heimat gehen, warum zieht ihr es vor, in der nationalen Heimat anderer Völker zu bleiben? Auf euer Haupt fällt also die Schuld, wenn ihr Widerwärtigkeiten zu erleiden habt. Diese Beweisführung stimmt aber nicht. Der unglückliche englische, französische oder deutsche Jude will garnicht aus unbegreiflichem Eigensinn, aus unjüdischem, anromantischem verlangen heraus in England, Frankreich oder Deutschland bleiben, sicher auch nicht deswegen, weil er in seiner Blindheit oder Schlechtigkeit es vorzicht, Leber in Europa als in Asien zu leben, und entschieden auch nicht deswegen, weil er in seiner Dumnvheit odet Einbildung oder Schlechtigkeit sich immer noch als Engländer,. Franzose oder Deutscher bekennt, sondern weil er nicht nach Palästina ziehen kann, wenn er es auch wollte. Dort ist und wird auch später kein Platz für ihn sein. Im günstigsten Fall für 2 Millionen, selbst nach 50 Jahren bei gutem Fortgang, wenn -alles glückt und selbst wenn es keine Enttäuschungen und keine Rückschläge gibt! 2 Millionen im Lande, HO Millionen außerhalb! Liebenswürdige und romantische Staatsmänner sprechen so, als ob die Juden im gleichen Falle sich befänden wie die Italiener, die Serben, die Griechen, die Bulgaren. Aber das stimmt nicht, selbst wenn vorerst die wichtigste Frage — die Religion — außer Ackst gelassen wird. Die Serben, Griechen ufw. wesentlich Neues bringt, glaubten wir ihn doch schon um deswill« außerhalb Deutschlands die gleichen Probleme zwischen National-

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