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Liberales Judentum · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 31

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Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 31 (sequence 15)
Language
German
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■TT—T-—— - Bücherschau 31 Bücherfdiau. - "• Norden, Grundlagen und Ziele .des religiös-liberalen Iu.den- . tums. 3m Auftrag der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland verfaßt. Frankfurt a. ZYL. 19l8. (6. H3 5. Ge- .. heftet 50 j)fg. . Das Norden'sche Büchlein ist eine bedeutungsvolle programmatische Schrift, die sich in ganz hervorragender Weise zur Propaganda für das liberale 3udentum eignet und von-jedem liberalen Juden gelesen und als ssropagandaschrift verbreitet werden müßte. Sie will den Beweis erbringen, daß der religiöse Liberalismus erhaltend wirkt wie . nur irgend eine andere Richtung im Judentum. In schlichter, allgemein verständlicher Sprache zeigt sie, daß der religiöse Liberalismus eine Notwendigkeit für die 'Erhaltung der jüdischen Religion ist. Sie behandelt in vier Abschnitten die Notwendigkeit des jüdisch-religiösen Liberalismus, sein Wesen, seine Betätigung und sein Verhältnis zum Zionismus. Inr ersten Abschnitt wird ausgeführt, daß die religiöse Gefahr nicht von außen, sondern von innen droht durch den immer weiter um sich greifenden Indifferentismus. Dieser entsprang aus der durch den Eintritt der Juden in die neue Kultur erwachenden Freiheit gegenüber dem Autoritätsglauben des Mittelalters. Damals versagten die alten Rabbiner, deren Kurzsichtigkeit nur ' ein Entweder — oder kannte und den Gedanken einer geschichtlichen Entwicklung in der Religion nicht denken konnte oder nicht gelten lassen wollte. Hier trat. nun der Liberalismus in die_ Bresche mit seiner Neuentdeckung des Entwicklungsgedankens. wenn dieser Liberalismus in den hinterN uns liegenden Jahrzehnten es nicht vermocht hat, große sichtbare Erfolge aufzuweisen, so lag das, abgesehen von äußeren ungünstigen Zeitumständen, die die ruhige Entwicklung störten und die Kräfte des Judentums zu äußerer Abwehr, statt zur inneren religiösen Entwicklung aufriefen, am Mangel eines klaren Programms und einer geschlossenen Organisation. Der zweite Abschnitt behandelt die wesenhasten Momente, durch die sich das liberale Judentum von der Orthodoxie unterscheidet, wobei vor allein der Begriff der Offenbarung nach beiden Auffassungeil scharf und klar hcrausgearbeitet wird;. weiter wird über Wuiäer, Auferstehung und Unsterblichkeit, MessiaÄrhre und Zeremonialgesetze gesprochen und die erhabenen Glaubenslehren des liberalem Judentums vortrefflich an Hand der RiMinien entwickelt. 3m dritten Abschnitt findet Norden wunderbare, warme Worte für die praktischen Seiten des jüdisch - religiösen Famlienlebens und entwickelt vortrefflich und überzeugend die Forderungen des liberalem Judentums inbezug auf Gottesdienst und Religionsunterricht. Der vierte und letzte Ab schritt endlich enthält eine vornehme und würdÄe Auseinandersetzung mit dem Zionismus. Ein Schlußwort nrahnt zur Einigkeit unter dm verschiedenen Richtungen, die aber niHt mit einer innerlich unwahren Einheit verwechselt werden dürfe. Jeder solle die ehrlichm Ueberzeugungen der anderen ehren und bL aller Verschiedenheit der Ansichten soll Friedmr zwischen uns herrschen. Möge das vortrsWche Büchlein viele Leser finden und dazu brüragen, das Verständnis für das liberale Judentum und die Liebe zur väterreligion. in weite Kreise hinauszutragen. __- Hugo Dingler, Die Kultur der Juden, eine Versöhnung^zwischen Religion u n d w i s srn s ch a f t. Der TXcxie Geist - Verlag. Leipzük W9- 8. S. Geheftet Mk. 5:60. Der Verfasser, ix® dem bisher mehrere fachwissenschaftlrche Bücher über mathematische und naturwissenschaftliche Probleme erschienen sind, ist. einer jener reinen wahrheitsfucher, die nicht zur Ruhe kommen, bis sie in sich zu einer Einhrü von Intellekt und seelischen Forderungen gelangt sind, verstandesmäßig fest auf dem Boden der kritischen Wissenschaft stehend, suchte die heimatlos gewordene Seele nach einrm Boden, wo sie neu wurzeln schlagen köntt^e ohne Gefahr, von der Wissenschaft wieder entwurzelt zu werden. Diesen Wurzelboden Md der Verfasser in der Religion des Alten T e st a m e n - tes, vor allem in de® Psalmen. „Die als völlig überholt, als kindlich angesehenen Schriften der alten Mischen Denker.... (haben) das Rechte ei^aut und es in der wundervollsten Sprache zum Ausdruck gebracht." „Eine wiffeschaft in griechischem Sinne, eine Wissenschaft von der 2lußenwett hatten sie nicht.... dafür aber haben sie

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