Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Henriette Hürth: Judentum und Sozialismus 29 kommen konnte. Sr geht davon aus, daß „im sozialistischen Staat das Verussleben völlig in die Machtsphäre des Staates hineinbezögen wird. Die Selbständigkeit der Einzelexistenz verschwindet und das Individuum ist nur noch Diener der Gesamtheit . . . Mit dem Aufhörcn des wirtsckmftlichcn Kampfes muß eine Schwächung der Persönlichkeit eintreten, weil ja der einzelne dann vom Leben der Gesamtheit getragen wird und seine Existenz sich nicht zu erkämpfen braucht." Das ist ein durchaus falsch verstandener Sozialismus und Sozialisierungsgedanke. In - Wirklichkeit bedeutet beides: , Ausschluß der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen; ' . 2. Sicherung des vollen Ertrages seiner Arbeit für jeden Arbeitenden. Vis jetzt »nutzten die vielen für die wenigen arbeiten, deren einzige Arbeit in der Ablösung der Kupons, das, heißt aber des Rechtsanspruchs auf die Arbeit anderer bestand. Künftig soll keiner mehr von der Arbeit anderer, sondern jeder - nur von seiner eigenen Arbeit leben. Das kann aber nurdadurch geschehen, daß das privateigerrtum an den Produktionsmitteln aufgehoben wird, Produktionsmittel in» ausbeuterischen Sinne ist aber weder das fjcms, in dem ich wohne, noch das Werkzeug des Handwerkers, oder die Kuh und die paar kaufen Landes, die der Kleinbauer zu eigen hat. Produktionsmittel, die in den Besitz der Allgemeinheit übergeführt und in» Dienste der Allgemeinheit gehandhabt werden sollen, sind die Schätze des Bodens, die Wasserkräfte, die riesenhaften Verkehrs- oder Produktions- . zwecken dienenden Anlagen, die Zehntausende von Menschen beschäftigen. Und es soll jeder den vollen Ertrag seiner Arbeit bekommen. Das ist die notwendige Ergänzung zu l und - zwar eine Ergänzung, die sowohl den» Selbftrecht wie auch der schöpferischen Initiative den weiteste»» Spielraum läßt. Bis jetzt floß ein nicht unwesentlicher Teil des Arbeitsertrages der »neistei» Arbeitenden in die Tasche des Arbeitgebers. Daß das kü»»ftig anders werde, soll dadurch herbeigefiihrt werde»», daß diegroße»» Betriebe durch konstitutionelle,» Ausba»» in Form von Arbeiter-Betriebsräte»» u»»d Ausschüssen so gestaltet werde»», daß »»icht nur der Eige»»tü»ner (sei es nun der Staat oder einftweile»» »»och der private Unternehmer), so»»der»» auch die Angestellter» ur»d Arbeiter »»icht »»ur über Lohrr¬ und Arbeitsbedingurnvn, so»»dern auch über alle anderen Zweige Les Betriebes, »vie Produkttonsmethoden, Lbeisbildung, Absatz 2c. n»itz»»besiimmcn haben Richtig a»»sgeübt wird dieses Mitbesttn»»n»»msrecht zum Segel» für beide Teile werden. Hemmt es auf der einen Seite den in's Un'genasse»»e gewachsener» Gewinntrieb ei»»zel»»er N»terneh»»»u»»gen, so wird es andererseits als Dänrpfer übersteigerter Lohnforderungen rücken, die sich in den» Augenblick nicht nrchr aufrechterhalte»» lasse»», in dern die a»es eigener Kenntnis des Angestellten und Arbiters gewonne»»e Einsicht ihm deutlick» macht, Latz die notwe»»dige, nicht aus den Ärbeitskrgfer», sondern aus der» Grundstoffen erfließ»»Ve Rerrtabilität der Unternehmung durch wütere Lohnfteigerungsn ir» Frage gestellt wird. - , Muß das alles rwtwe»»dig ei»»e Schwächung der persönlichksilbedeuten? Keineswegs. Es ist zu hoffen, dctz) in einem sozialistischen Staat »»nd unter Li»ftüß veränderter Erziehungsmethoden urrd ZÄensideale der marnnroniftische Geist der umflossene»» Epoche durch ei»»en wirklich menschseitliche»» »»nd »nensche»»- würdigen, d»»rch je»en Geist ersetzt »verde, der den Bürger Athms, auch den reichen und nrächtigen, einfach u»W bescheiden lebe»», aber dafür die Akropolis arftehei» ließ. Bis freilich die vcroollkornnnung des Gerneinwohls statt des Strebens »»ich Eigenwohl das Ziel eines edlen Ehrgeize »»nd Wettbewerbs werden wird, »»»üsfcn »vir de»» ziemlich ausschließlich' auf das Eigenwchl gerichteten Sinn der allerineisten als Fakttr in unsere Sozialrecl»- n»»ng enrsetzer». Und vor» da aus sagen wir;»och ei»»mal: jeden» Len Ertrag sei»»er"2lrbert auf Gr»»ndlage cinesgewisse»;, allen zu sicher»»- dcn Eri»'te»»z»»»i»»in»»iNL. Das Eriste»»z»nininmii» »nutz jeder Haber». 2fcr 2lrbeitsu»»fähige oder Kranke auf den» wge der öffe»»tlicher»Fürsorge. I»n übrige»» elfe Entgelt für die Minimalleistung. Jedes Mehr an Leistung , bringt dein Schaffenden ein Mehr an Ertrag. Der Vorarbeiter, der WeMneister, ebenso »vie der Abtcilungsleiter, DirLtor 20., bezieht filr feine a»»alifizierte Arbeit eire dementsprechende Bezahlung. Dasselbe alt fiir die reingeistige und schöpferische Lüftung, wer in einer Woche eure 2lbhandttng schreibt, z»» der ein ariderer einen 21Toiieß braucht, verdient eben in einer Woche sovich. wie der andere in der