Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 11 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Else Dormiker: Die Forderungen der jüdischen Frau in allen Kreisen und Parteien, aber das Glaubensopfer, die restlose innere Gingabe der Persönlichkeit ist die bestaunte Ausnahme. Selbst orthodoxe Führer erfüllen die Gebote nicht immer ans innerer Freudigkeit in selbst- , verständlicher Bescheidenheit, sondern sie machen sie zum betonten Werkzeug der Politik; auf seiten der liberalen Bewegung fehlt oft der Opferwille, von den geforderten religiösen Institutionen selber Gebrauch zu machen, und so mancher von den redelustigen Nationalisten kann seinem Volke und dessen Reinheit nicht einmal das Opfer einer jüdischen Ehe bringen. Und darüber darf auch eine gewisse Geschäftigkeit, die allerorten bemerkbar ist, nicht hinwegtäuschen. Geschäftig ist unser modernes Judentum ganz gewiß, reich an Plänen und reich an ehrlichem Willen. Der Tat fehlt aber die Seele, das Zwingende und Siegesgewisse, das allein der Glaube verleiht. Denn Tat ist nur das persönliche Opfer im eigentlichen Sinne! Es scheint eine gewisse Tragik des modernen Judentums darin zu liegen, daß der felsenfeste Glaube geschwunden ist. Denn durch. Reden ist er ganz gewiß nicht zu schaffep, und durch praktische Arbeit auf verstandesmäßiger Grundlage verschwundene Gefühle wieder. zu erwecken, erscheint ein aussichtsloses Unternehmen. Und doch braucht das Blühen nicht so -vergeblich zu sein. Ls kommt-nur darauf an, alle Arbeit zielbewnßt auf den einen Erfolg einzustellen und besonders in der Erziehung das Historische, Soziale und psychologische hinter dem rein religiösen Element weit znrück-- treten zu lassen. Der weg liegt noch im Dunkel, aber das Ziel ist klar, wirklichen Glauben in der jungen Seele 511 erwecken, schlichten und festen Glauben, Ist die Lösung der inneren Iudenfrage. Die einzige! Ist er vorhanden, so ist alles andere Spielerei. Denn das wirkliche Judentum der Tat ist mit ihm begründet und muß.aus solcher Wurzel erblühen. So ist auch des Liberalismus wahre Aufgabe scharf Umrissen. Nicht besteht sie vornehmlich in der Fortentwickelung religiöser Formen und 'Gedanken, sondern in der Vertiefung des religiösen Empfindens. Die Verantwortung des Liberalismus ist Unendlich groß, liegt doch die Sorge für die innere Zukunft des weitaus größten Teiles der deutschen Iudenheit ihm ob. Schon rührt es sich in anderen Kreisen, die man bisher nicht mit Unrecht als Gegner der Religion betrachten durste. Aus dem national - jüdischen Blätterwalde weht ein erquickender Hauch echter Religiosität, ein hoffnungserweckender Ginweis auf eine Zeit jüdischer Versöhnung und Einheit, vielleicht bricht über dem Trümmerhaufen dessen, was sich Kultur nannte, eine neue Zeit echter Kultur, gläubiger religiöser Kultur an! Und riesengroß wird des Liberalismus Schuld, falls er die Stunde versäumt und nicht am Platze ist, wenn es die Erweckung der schlafenden Kraft gilt. Dazu ist aber erste Vorbedingung, daß Klarheit werde über Glauben und Tat. Wissensollen wir, daß jüdische Tat ohne Gottesglauben nicht von Dauer ist und sich nicht. in die Kette einfügt, die unsere Ahnen begonnen, die fortzuführen unsere ererbte Aufgabe ist. Glaube ist und bleibt die Seele jeder jüdischen Tat, und das Wort des Propheten gilt für ewig: Im Io taaminu ki lo teamenu. „Glaubt Ihr nicht, so habt Ihr keinen Bestand!" - Die forderungen der jüdifchcn Bon Else Dormitzer-DormNürnberg. ngesichts der Demokratisierung, die auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens eingesetzt hat, ist es vielleicht an der Zeit, auch über die Demokratisierung der. jüdischen Gemeinden ein Wort zu reden; denn daß dieselbe nur noch eine Frage der Zeit und zwar kürzester Zeit ist, wird jedem Klarsehenden?rau. vollkommen einleuchten, wir wollen hier dies überaus wichtige Thema, das eine vollständige Umwälzung in unserem Gemeindeleben bedeutet (waren doch bisher nur die Steuerzahler in der jüdischen Gemeinde wahlberechtigt^, einzig und allein vom Standpunkt der jüdischen Frau aus betrachten;; es besteht wohl