Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
11 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3126481-3126593-3126595--2446-3129299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Dr. Gold mann: Glaube und Tai 23 Gottesstunde der westeuropäischen — zum Teil noch religäonsfremden — Zionisten gekommen. 3ft es doch nicht anzunehmen, daß sie, die im Unglauben auswuchsen, unter das strenge Joch orthodoxer Gesetzestreue' sich beugen werden. Ich meine nicht, mit diesen Ausführungen - dem paktieren und Kompromisieschließcn vorfpann 3p leisten. In dem Nationaljudentum und dem Nur-Religiarsjudentum stehen zwei Weltanschauungen nÄeneinander, die durch die Tatsache ihrer Existenz ihre zeitige Berechtigung erwiesen haben Rein Verstand kann sie aus der Welt schwätzen. Sie haben aber auch beide keinen Grund zu gegenseitiger Bekämpfung. Dieser Erkenntnis mögen meine Zeilen dienen l 6Iaube unä lat. Von Dr. Felix Goldmann-Leipzig. inheit, Tat und Zukunft" nennt Martin Buber in seinen „drei Reden über das Judentum" die dreiIdeen des Judentums. Unter den Ideen einer Gemeinschaft wären nun solche charakteristische Kennzeichen zu verstehen, die sie von allen anderen unterscheiden und ihr den Ligenwert verleihen, von der Einheit läßt sich das auch zeigen, ob freilich auf dem Wege, den Buber einschlägt, sei dahingestellt. Tat und Zukunft dagegen sind nichts wie Formen, in denen der Wille zum Leben zum Ausdruck kommt. Sie sind daher in der einen oder -anderen Art bei jeder Gemeinschaft vorhanden, müssen sich überall Nachweisen lassen, da ihr Fehlen gleichbedeutend wäre mit Selbstverneinung. Buber erblickt aber auch in der- Tattendenz des Judentums eins ihnk eigentümliche Eigenschaft von besonderem Inhalt. Zu diesem Ergebnis gelangt er, indem er der „T a t" das „G l a u b e n" entgegenstellt, und des Judentums Sonderheit in einer Zurückdrängung des Glaubens zugunsten des Handelns erblickt. Der passive Typus des nach innerer Beruhigung ringenden, von Zweifeln geplagten und nach der Fertigkeit und Seligkeit des Glaubens ringenden Menschen ist nach ihm dem Judentum fremd. Diesem ist ,das Schaffen wichtiger als das Erleben, und; schon die dem jüdischen Wesen meist mangelnde Selbstsucht, die das innerlich gerichtete Schauen von selbst erzeugt, ist ihm ein Beweis dafür, daß nicht der. Glaube, sondern die altruistische Tat, die neue werte schafft, die im Menschen stets auch neue Willenskraft erweckt, der jüdischen Weltanschauung ureigner Ausdruck ist. Soweit diese Mänungen sich auf' das jüdische Volk, seirnn geschichtlichen Charakter und seine Aifgabe beziehen, ist es überflüssig, sich mit ihnen zu beschäftigen. Sandelt es sich ja drnn doch mehr um - ein Sollen als um ein Sein. Nicht was ist und war. wird auf Liese weise aus der Geschichte festgestellt, rächt werden die bisher wirksamen Kräfte sckstcht geschildert, sondern die Hoffnung schafft Idealbilder und sieht die inneren geschickt-bildenden Mächte so, wie das begeisterte Glied des Volkes sie haben möchte. Diese TaLtzndenz ist dann welliger objektives Kennzsichmi des Judentums als ein schöner Beweis von der ungezügelten Kraft und dem idealem Willen dessen, der sie verspürt, der zugleich in schlichter Bescheidenheit in diesem BewuMein nichts eigenes, sondern nur den Niederschlag der Seele seines Volkes sieht, wollm und hoffen ist der historischen Kritik entrückt. Anders ist es freiLch, wenn solche Ideen, über. deren wert zu streiten unnütz ist, in die Vergangenheit zurückversetzt werden, wenn die Zukunftswünsche db wirksame, gestaltende historische vergangenhritskräfte vorausgesetzt werden. Und so ist emr Kritik wohl am Platze, wenn Buber seine Meinungen in die Religion hineinträgt und beispielsweise einen so schwerwiegenden' Satz ausspricht wie den folgenden : „So stand schon in uralter Zeit im Mittelpunkt der jüdischen Religiosität nicht!der Glaube, s 0 nderndieTa t." Gewiß ist Buber hierin nicht originell, sondern eine weit verbreitete Meinung, die die Ergebnisse schaut urd aus dem Schein das Wesen konstruiert, hrt hier ihre Formulie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.