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Liberales Judentum · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 95

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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Bücherschau . 95 Sünde an und für sich das größte Unglück, denn welches größere Nebel könnte es geben als die geistige u-nd sittliche Selbstvernichtung, die Gottentfremdung, die die natürlichen Folgen der Sündhaftigkeit sind. Des Frommen Glück aber in aller äußeren Not ist das Bewußtsein der Gottesnähe, der durch Sittlichkeit erworbenen Gemeinschaft mit dem Gottesgcist, die durch Ueberwindung des natürlichen Menschen gewonnene Teilnahme an der sittlichen, der göttlichen Meltordnung. Mas wollen gegen solche geistigen Güter Reichtum und langes Leben bedeuten, und wie 'wenig 'find Rrankheit und andere Not geeignet, einen solchen Besitz zu zerstören! Darum jubelt der fromme Beter zum Schlüsse: „Men Hab ich im .Fimmel? Außer dir Hab' ich hier kein Begehr! Mag Leib _und Seele mir schwinden, du bleibst, Herr, allzeit mein Fels und mein Teil!" Sch bin am Schlüsse; denn das Buch Hiob bietet ja im Grunde keine andere Lösung als der 75. p| ahn Denn wenn Ffiob sich am Ende bescheidet, die Mege Gottes nicht zu verstehen,. so ist es, wie Wellhausen treffend sagt, der negative Ausdruck dafür, daß er trotz allem an sich und an Gott festhält, daß er sich sein Gewissen von außen h.r nicht mehr xerturbieren läßt, daß drs innere Gefühl, das der Gemeinschaft GottL mit dem Frommen, entscheidet. Damit haben wir eine Höhe rel'- giöser Zlnschauung erreiht, über die auch die lauterste dluftassung nichthinäuskommt. Aenßeres Glück und äußere Lot gehören größtenteils der natürlichen MätKrdnung an, und als Glied dieser Ordnung ninmt der Mensch an ihnen teil und kann J&m engen Rahmen, in den er eingespannt ist, auf keine Meise entgehen^ daneben aber Mstiert ein-Reich der Freiheit, ein Reich des Geistes, und soweit der Mensch durch seine Sittlichkeit an diesem teilnimmt, erhebt er sich über die körperliche Not, Endlichkeit und Vernichtung, und findet hier auch jenen von den Kommen geforderten Zusammenhang zwischen Verdienst und Glück, von dem .Reiche der Natur zu dem des Geistes aber führt keine Brücke, über die natürlicher Lohn und natürliche Strafe als stetbereite Folgen sittlichen Tuns zu dem .Menschen gelangten, und darff auch keine führen, wenn nicht Religion wL Sittlichkeit selbst darüber den größten Schaden leiden sollen. büäierläwu. „B i b e l und Helde n t u m". Fünf Kriegsvorlesungen, gehalten in den Akademischen Kursen zu Essen im Wintersemester \9W!p. von Rabbiner Dr. S. Samuel. Zweite mehrfach verbesserte Auflage. Berlin, Verlag Louis Lannn. 77 S. 2,50 Mk. Der Höhepunkt dieser bereits nach der ersten Auslage besprochenen Vorlesungen ist da zu suchen, wo als das Endziel der Menjchheitsgeschichte nach biblischer Anschauung der prophetische Gedanke von dem ewigen Frieden der Welt und der Menschheit hingestellt wird; denn im letzten Grunde beruht die Hoheit der Bibel, dasjenige, was sie über alle'Lite- .ratur hinaushebt und aus ihr ein einzigartiges Buch, das Buch der Bücher macht, auf den Merten, die über kriegerischen Sinn und heldische Tapferkeit hinaus als den Gipfel aller Tugend die Friedfertigkeit und den Millen zu umfassendster Liebe predigen. Diene mann. „D i e S ch n l d e n n o t de r M e tz e r G e - m e i n d e". Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Metz, von Öberrabbiner Dr. Netter, verlaa Loris Lamm, Berlin. 136 5. (5 mt). Ein Ausschnitt aus Ler Geschichte der Metzer jüdischen Gemeinde vom Ansgang des f7. bis in die Mitte des G. Jahrhunderts, dem ein kurzgefaßter AbH; der alten Geschichte der Metzer Genrinde vorangeht. Grtsgeschichte hat an und für sich nur Reiz für den, den seelische Bezehungen mit dem betreffenden Mrt verbinde^ was der vorliegenden Abhandlung ein erhöhtes Snteresse verleihen kann, ist die Eruägung, daß die Art, wie die Metzer Gemein des fö. Sahrhundcrts in eine unerträE^e Schuldenlast gestürzt wurde, ein SpiegMild der unwürdigen, niederdrückenden mrd ür unaufhaltsa men Verfall zwingenden Lege ist, der unsere Vorfahren in jenen Tagen allerorten ausgesetzt waren. Die n e m a u n.

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