Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 96 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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96 Rundschau Dr. 2)lax Rosenfeld, Nationales Selbstbestimmungsrecht der Juden in Polen. R. Löwit Verlag. Wien und Berlin. 62 5. Verfasser will darstellen, wie im Nahmen des neuen polnischen Reiches die nationale Autonomie der Juden auszubanen ist. Für die Juden Polens wird eine nationale Autonomie gefordert,- derart, daß die Matrjken der bisherigen Kultusgemeinden zunächst als die gegebene Äste der Nationsangehörigen angesehen werde, aus der auszuscheiden es einer besonderen Willenserklärungbedürfe. Diese Nationsgemeinschaft, deren Beschlußbehörde eine Nationalkammer und deren " Vollzugsbehörde ein ^Nationalrat ,fein soll, regeln selbständig Schul- und Lrziehungswesen, Genossenschaftswesen, Wohlfahrtspflege und die hygienischen Angelegenheiten, also alle kulturellen und wirtschaftlichen Dinge: aus ihrer Zuständigkeit sollen die konfessionellen Angelegenheiten ausdrücklich ausgeschlossen fein. Die Nationsgemeinfchaft ist zugleich Trägerin einer Steuerhoheit. — Die Darstellung ist übersichtlich, wenngleich das Verhältnis der jüdischen Nationalkammer zur polnischen innerhalb' des. polnischen Staates nicht mit genügender Deut-, lickteii besprochen ist. Wie immer man sich zu der Frage des nattonalen Seins der Juden stellen mag, zugeben wird man müssen, daß rxan die Angelegenheiten der Juden in Polen nicht nach dem Schema der westlichen Juden lösen kann. Aber ob die Polen mit einer . so radikalen Losung der Frage werden einverstanden sein, ist doch recht fraglich. Daß die richtige Stellung einer Minderheit nicht eine reine verfassungsfrage, sondern vor allem Frage der Verwaltung und zwar einer rechten Selbstverwaltung ist, ist unzweifelhaft richtig. Dienemann. Der MischnahtraktaLSotah,Einleitung, Uebersetzung und Erklärung von Prof, Hans Behr und Rabb. Dr. £. A. Rosenthal. Erster Teil: Einleitung. Berlin, Louis Lamm. $3 S. 0,75 Mk. Eine gründliche und fleißige Arbeit, die den ganzen Mischnahtraktat zergliedert und den inneren Zusammenhang der einzelnen Teile und ihre seelischen Voraussetzungen aufzuzeigen sich müht. Ein Hauptpunkt ist der versuch des Nachweises, daß Sotah die Gesetzgebung des priesterlichen Gerichtshofes darstellt.. . Dienemany. Rundlchtui. Münster i. M. Am 26. Oktober sprach hier in kleinerem geladenen Kreise der' Generalsekretär des Vereins, Herr Rechtsanwalt Stern-Bexlin über die Bildung einer Ortsgruppe. Die Ausführungen fanden derartigen Beifall, daß alle Anwesenden, soweit sie noch nicht Mitglieder waren, der v. f. d. l. I. beitraien und zugleich den örtlichen Zusammenschlnß beschlossen. Dieser vollzog sich endgültig am Sonntag, den 3. November nach einer vor zahlreicher Zuhörerschaft gehaltenen Rede des Herr Rabb. Dr. Norden aus Elberfeld, dem Verfasser der kürzlich erschienenen überaus wirkungsvollen Werbeschrift unserer Vereinigung. Seine kurzen klaren Ausführungen über das Thema: „Was will die liberale Bewegung im Judentum?" verfehlten ihre Wirkung nicht, wie gleich erfolgende zahlreiche Beitrittserklärungen bewiesen. Die junge Ortsgruppe tritt mit einem Bestände t>ou H0 Mitgliedern ins Leben. Den Vorstand bilden die Herren I. R. Bendir (vors.), N. Hirschfeld (Schriftf.), R. Leffmann.(Kassenf.), Prediger Keßler, Frau G Steinberg, Frl. B. Oswald. Wir wünschen dem jüngsten Kinde unseres Vereins eure gesunde Entwickelung. Herausgegeben von der Vereinigung für daS liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstraße 2S, jvftr die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. C. Eeligrnann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. Druck und Expedition von Voigt & Vleiber. Frankfurt a. M.. Bieber-Sage 6.