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Liberales Judentum · 1918-11-01 · Heft 11-12 (November 1918) · p. Seite 92

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9/10 (1918)
Issue
Heft 11-12 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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'?2 Dr. (Sufmann: Die biblische Lehre von der göttlichen Vergeltung j« Sdtfdffal behandelt wird, wlll ich mich nun zuwenden. 'Ganz kurz kann ich mich bezüglich der Antwort fassen, die die psalmisten auf die Frage geben: „Warum hat Israel noch nichts die Stellung in der Welt erlangt, die ihm nach seinem gegenwärtigen verhalten und nach der Verheißung der Propheten zukommk?" Israel klagt: „Du ließest uns weichen vorm Feinde,.daß unsere krasser sich Beute erwarben; du gabst, zum Fräße uns hin wie Schafe und zerstreutest uns unter die Heiden; allzeit habe ich meine Schande vor Augen, und Scham bedeckt mir mein Antlitz —»ob der Stimme des lästernden Schmähers, ob des Blickes, des rachgierigen Feindes. All dies hat uns-betroffen — und doch hielten wir an dir, haben deinen Bund nicht gebrochen; unser Herz wich nimmer von dir, noch bog unser Schritt ze von deinem Wege. Wir werden für dich nur gewürgt, immerdar als Schlachtvieh geachtet. wach auf, Herr, warum schläfst du'? Erwache, «verwirf nicht für immer! ^Warum nur verbirgst du dein Antlitz, vergißt unsres Jammers und Elends'? Ach, wir sind so sä,mählich gebeugt, unsre Leiber in den Staub getreten! Auf, Herr, .komme uns zu Hilfe, erlöse uns um deiner Gnade willen!" (W. Aber nicht immer klingt das Klagelied so entsagend aus. Wie eine große Zahl von Psalmen allein der Schilderung der glücklichen Endzeit gewidmet sind, so folgt auch in andern auf die Klage über die freudlose Gegenwart der tröstliche Hinweis auf eine bessere Zukunft. „Die mit Tränen säen, werden ernten mit Jubel; wohl geht mit weinen dahin, wer den Samen trägt zur Aussaat; unter Jubel kehrt er heim, bringend seine Garben." Die Erlaubnis des persischen Königs Tyrus zur Wiederherstellung des.politischen'Israel war gleichsam, wie Stärk sagt, nur „das Angeld auf das Kommen der Heilszeit mit der Fülle ihrer geistigen und irdischen Güter. Ja, so ist es in Gottes Hcilswillen beschlossen, und indem die Frommen aus ihrem heiße,! Gebetsringen diese Zuversicht als göttliche Erhörung gewinnen, haben sie den rechten Trost in Tränen gefunden. wenn auch jetzt Israel der Steppe gleicht, auf die des Sonuners verzehrende Gluten niederbrennen, es kommt das erquickende Naß der göttlichen Gnade über das lechzende Land, füllt die steinigen Bachbetten mit schäumenden wassern und läßt mit der Fülle irdischer Saat die unendlich größere der geistigen Gnadengaben, Gerechtigkeit, Friede und Freude in Gott /rufgehen." So ist der Fromme der Gerechtigkeit seines Gottes gewiß. Er wird sein Volk nicht ewig leiden lassen, sondern in seiner Macht und Güte die Verheißungen erfüllen, die er durch seine pro pheten verkündet hat, und so gleichzeitig am schwer, aber unschuldig leidenden Volke seine Gerechtigkeit! bewahren. " ' Zahlreicher sind die Psalmen, die ' da handeln vom Geschick des Einzelnen oder der frommen Gemeinde. Nicht überall wird hier die Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit zu einem nur durch glückliches Vertrauen zu lösenden Problem. Dem Dichter des pfalmes steht es fest, daß der Gerechte einem Baume gleicht, der da gepflanzt ist am Wasser, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, dessen Laub nicht welkt; daß hingegen die Sünder sind wie Spreu, die der wind verweht, daß Gottlose nicht bestehen im Gericht, noch Frevler in der Frommen Gemeinschaft, wie wunderbar mutet uns das vertrauen in Gottes walten an, das aus psalm 2? spricht: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil — wen sollte ich fürchten? Der Herr ist die Bürg meines Lebens — vor wem sollt' ich bangen? Kommen Uebeltäter nur nah, mich zu verschlingen, meine Dränger und! die mich befeinden — sie müssen straucheln und fallen! Gb ein Heer sich wider mich lagert — mein Herz ist ohne Furcht, — ob Krieg wider mich entbrennt, — Trotz, ihnen, ich bleibe getrost!" psalm % nennt Stärk wegen der starken Empfindung, die sich in ihm in gehobener Sprache ausspricht, das hohe Lied des Gottvertrauens: „Gb tausend zur Seite dir fallen, zehntausend zu deiner Rechten, an dich tritt (das verderben) nicht heran. Du siehst's nur mit deinen Augen, schaust zu der Sünder Keimzählung." Auch da, wo der Gerechte leidet/ stellen sich nicht gleich Zweifel und Sorge ein. Tr weiß, daß auch der Frömmste in Gottes Augen nicht rein ist. „Geh nicht mit deinem Knechte ins. Gericht; denn vor dir ist kein Mensch gerecht", so betet der Dichter des Psalms. Alles Glück ist nur ein Ausfluß der göttlichen Gnade, und kein Erdensohn hat Anich"'-'' darauf. „Nicht richtet und hadert; nicht immerdar wahrt er den G'oU, un >r

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